Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Begründungen der Projekte
Einreichtermin: 15. Januar 2009

aktionstheater ensemble  
1 Jahresempfehlung                        50.000,-

Das aktionstheater gehört inzwischen zu den am längsten aktiven freien Theatergruppen Wiens. Ihre Erzählweise ist ein für das Freie Theater eher als klassisch einordbare Aufführungskunst. Ihr Bemühen um Stoffe überzeugt dabei ebenso wie ihre stilistische Handschrift. Ihre Neugier und Suche nach neuen Arbeitskonstellationen verspricht Erneuerung und Lebendigkeit für ihre Produktionen.  Ihre Theatersprache zeichnet für ein intensives Erleben und beschleunigtes Wahrnehmungsempfinden. Die formalen Überzeichungen in Umgang mit Sprache lässt eine unverwechslbare Theaterästhetik entstehen, deren Musikalität besonders gefällt. 




ARTIFICIAL HORIZON 
Milli Bitterli
Empfohlen 2-Jahresföderung: 65.000.- (per anno)

Die Wiener Choreografin hat in den vergangenen zwei Jahren ihr künstlerisches Spektrum ausgeweitet und sich verstärkt mit den Medien Sprache und Film beschäftigt. Konsequent hat sie dabei ihre choreografische Arbeitsweise und tänzerische Praxis weitergeführt und erfolgreich neu positioniert. Für 2010 plant Milli Bitterli – in enger Kooperation mit Jack Hauser – ein Solo, das versucht, das alltägliche private wie professionelle Leben über Bewegung zu formulieren. Das zweite Bühnenstück, geplant für 2011, entsteht als Gruppenchoreografie mit fünf Tänzerinnen, das, ausgehend von Arbeitsansätzen und Methoden, welche die Künstlerin beim Unterricht, während Researchphasen und der Proben einsetzt, Bewegung sehr emotional begreift  und die Energien der InterpretInnen heranzieht, um bekannte Bewegungsmuster umzuformen. Dabei entfaltet das Zusammenspiel von Bewegung, Emotion und Energie gerade durch die Heterogenität der Gruppe ihr komplexes Potential. 




ASSITEJ AUSTRIA
Stephan Rabl, Michael Krbecek
Empfohlener Jahreszuschuss: 20.000.-

Die ASSITEJ AUSTRIA ist autarker Teil eines internationalen Vereines zur Förderung professioneller darstellender Kunst für ein junges Publikum. Wie auch schon 2007 und 2008 möchte das Kuratorium mit der Empfehlung dazu beitragen, dass einzelne Projekte, von denen Wiener Kinder- und Jugendtheatergruppen profitieren – z.B. in der Vernetzungsarbeit und  Nachwuchsförderung, von Festivals und Fortbildung – ermöglicht werden.



ASSITEJ AUSTRIA
Stephan Rabl, Michael Krbecek
Projekt: Dramaturgiestelle
Empfohlene Summe: 25.000.-

Das im Herbst 2008 begonnen Projekt hat mit einer der erfahrensten Dramaturginnen im deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheater Petra Fischer einen ermutigenden Anfang genommen. Umgesetzt wurden Themen bezogenen Diskussionen in Form von Tischgesprächen, ein Workshop für Theaterschaffende, der wegen großen Interesses wiederholt wird, zahlreiche konzeptionelle Gespräche und ein dramaturgischer Blick von außen auf Produktionen, eine Einbindung von StudentInnen der Theaterwissenschaften im Rahmen der Dschungelakademie in Form einer Vorlesung und eines Workshops. 

Im Juni/Juli 2009 wird dieses Pilotjahr in einer Dokumentation nachzulesen sein. 

Für die kommende Saison wurde die international erfahrene Dramaturgin Odette Bereska gewonnen. Mit ihr werden die o. g. Projektteile weitergeführt und einerseits auf die nun bekannten Bedürfnisse der Gruppen angepasst, andererseits mit Blick auf internationale Entwicklungen hin adaptiert.



Cakes In Lima Figurentheater
Claudia Weissenbrunner, Bettina Lukitsch
Projekt: Glück
Empfohlene Summe: 15.000.-

Claudia Weissenbrunner, ist Figurenspielerin im Lilarum und bei Karin Schäfer Figurentheater und baut Bühnenelemente, Kulissen und Puppen. Diese Erfahrung hat sie, gemeinsam mit der Produktionsleiterin Bettina Luktisch, mit einem eigenen Team von jeweils wechselnden KünstlerInnen bereits in zwei unterschiedlichen Projekten umgesetzt. Bemerkenswert war jeweils die starke erzählerische  Ausdruckskraft der Figuren in Symbiose mit der Bühne und der Musik. Wie in der ersten Produktion „Ein feines Haus“ entsteht  „Glück“ wieder eine Zusammenarbeit mit jungen KünstlerInnen anderer Sparten: 

Diesmal der Filmemacherin Manuela Hämmerle und dem Musiker Peter Plos, die das Thema mit ihren Mitteln erforschen und dann ihre „drei Akte“ zusammenbringen, weiterspinnen und in einem Spiel-, Klang- und Bildraum vereinen. In den vorigen Arbeiten hat die Formation bewiesen, dass sie den jeweiligen Handschriften Raum lässt und trotzdem eine Einheit schaffen kann. Wie so oft in ersten Arbeiten sind zwar noch dramaturgische Schwächen erkennbar, aber ebenso erstaunlich technisches Können.



CATTRAVELSNOTALONE
Sabina Holzer & Jack Hauser
Projekt: It is not the picture Empfohlene Summe: 16.000.-

Die legendäre fünfstündige Komposition String Quartet dient dem Künstler-Duo Sabina Holzer und Jack Hauser als Ausgangspunkt und Inspiration für ihr kommendes Projekt. So wie der Klang das Material für den Musiker war, ist der Körper das Material für die Tänzerin: in der Performance werden Ereignisse mittels Zeichen und Symbole fein verwoben, Desorientierung und Entfremdung von Gedächtnis und Erinnerung thematisiert. Die Komposition, ihre Strukturen, Rhythmen, Wiederholungen und Desintegration lassen ein Bild entstehen, dass keine Form hat, sondern durch seine Energie zusammengehalten wir. Die Dauer der Komposition wird nicht mehr als fester Zeitraum behandelt, der in einzelne Teile zerlegt werden kann, sondern als unbestimmte Größe, die nicht mehr zu beherrschen ist. 




Cabula6
Claudia Heu und Jeremy Xido
Projekt: Life on earth goes on
Empfohlene Summe: 30.000

Seit September 2008 arbeitet das Performancekollektiv Cabula6 an dem Projekt Life on earth in Macondo, einem Flüchtlingsreserrvoir in Simmering, das von der Mehrheit der Wiener unbemerkt, seit den 50erJahren von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern selbstverwaltet wurde und ein damit ein einzigartiges multikulturelles Modell ist, dass auf Respekt für gesellschaftliche Unterschiede und Nachbarschaftshilfe basiert. Einzigartig sind auch die errichten Kleingärten, die dieses Zusammengehörigkeit unterstützen. Wegen neuer Mitforderungen mussten 90% der Gärten aufgegeben werden, was zu einer drastischen Veränderung in der „Gemeinde“ geführt hat. 

Cabula6 schuf eine Plattform, um sich mit den Leuten auszutauschen. Ein eigener Garten und ein Haus zum kulturellen Austausch wurden errichtet, workshops mit Kindern aus Macondo veranstaltet, eine Installation in Form einer Landkarte – statt der Webung in die Wand des Warthauses der Busstation achiffiert. Finale des ersten Teils war eine gemeinsame Performance mit Publikum und Macondobewohnern im Tanzquartier. 

„Life on earth goes on“ wird als sozio-kulturelles Projekt auf die großen Probleme Macondos, wie der Umgang mit illegalen Sperrmüll und Müll, eingehen, indem künstlerische Recycle-Stationen etabliert werden und die Umformung der noch vorhandenen Gartenflächen in einen öffentlichen, niederschwelliges Kunst- und Gemeinschaftsgelände weitergeführt wird. Zum Abschluss sollen diese Projekte einer Gemeinschaftsorganisation übergeben werden.



Compagnie Luna Arts
FRAMES
Empfohlene Summe: 28.000,-

Die Compagnie Luna Arts um Josef Krasanovsky und Sara Joana Müller fielen durch ihre Produktion „Der Tag an dem Dada in seinen Kopf stieg“ auf.  In dieser ersten Produktion konnten sie durch ihre Phantasie, der einfallsreichen Bühnensprache und einer nicht dem Klischee unterliegenden Spiel mit dem Thema “Dada“ überzeugen. In ihrem neuen Antrag  stellen sie sich der Identitätsfrage in Zusammenhang mit Heimat bzw. dem Ort, an dem wir leben. Drei von einander unabhängige Solostücke in den Disziplinen Tanz, Schauspiel und Gesang sollen Aussen- und Innenansichten in sehr unterschiedlicher Form entstehen. In ihrer Umsetzung wollen sie mehr Reduzierung und Konzentration im Umgang mit ihren Mitteln erreichen.  Als noch junge Gruppe in der vielfältigen Wiener Szene sollen sie die Möglichkeit haben, ihren künstlerischen Ansatz zu verfeinern, Prozesse zu hinterfragen und weiter zu entwickeln. Das spartenübergreifende Einsetzen von Musik, Film, Schattenspiel und Schauspiel ist zum mindest im Ansatz als eine zeitgenössische relevante Bühnensprache zu erkennen.



DANS KIAS  
Saskia Hölbling
Empfohlen 2 Jahresförderung: 80.000.- (per anno)

In den kommenden zwei Jahren plant die Wienerin Saskia Hölbling zwei bis drei neue Produktionen sowie die Weiterführung des Projektes faces and voice, eine choreografische Auseinandersetzung mit der Komposition „Visage“ von Berio. Eine erste Version dieses Abend gab es im Frühjahr als Film-Installation bereits im Konzerthaus Wien zu sehen. Dabei thematisiert sie Aktionen und Dialoge eines nie geschriebenen Dramas, in dem fünf Tänzer kommunizieren ohne je etwas Konkretes zu erzählen. Für vier Interpreten, die in Ganzkörperanzüge aus Lykra stecken. konzipiert ist pictographic events: eine Nonsensgeschichte, die durch Aktion und Sound immer wieder erstaunliche Wendungen erfährt. Halb gekleidete Körper, roh ineinander verkeilt, übereinander gefrachtet oder aneinander montiert, bilden den Ausgangspunkt für Assembling bodies. Des Weiteren arbeitet sie an einer  Lecture Performance, einer Art futuristisches Szenario zu genderspezifischen Zuschreibungen.



DIS.DANSE 
Doris Stelzer
Projekt: restudied bodies – wo/man
Empfohlene Summe: 25.000.-

In ihrer nächsten Arbeit setzt Doris Stelzer ihre Bewegungs-Studien zu den Körper-Bildern in unserer Gesellschaft fort. Nachdem sie im letzten Jahr als Residence-Künstlerin in Hamburg auf Kampnagel den männlichen Körper-Kodex untersucht hat, werden nun Männlichkeit und Weiblichkeit einander gegenübergestellt. Die Ausgangs-Fragen für die Choreografie lauten: Was ist, was bleibt und was ist neutral am Körper beziehungsweise gibt es überhaupt einen neutralen oder unbesetzten Körper? Dabei erkundet sie mit ihren Interpreten Aspekte der kulturellen Formung der geschlechtlichen Körper, bricht allgemeine Konstruktionen und Stereotype auf und fordert einen sensiblen, reflektierten Umgang mit Abweichungen von der Norm. Das Ergebnis ist ein konzentriertes Stück Tanz, ergänzt durch Live Sound, Video und Fotografie, das den menschlichen Körper als Schnittstelle zwischen Subjektivität und Vergesellschaftung erforscht. 




GODS ENTERTAINMENT
SUPER NASE & CO

2 Jahresempfehlung  80.000,- (per anno)

Das Kollektiv God’s Entertainment um Boris Ceko und Simon Steinhäuser ist einer der erfrischensten und ungewöhnlichsten Performancegruppen, die derzeit in Wien arbeiten. In ihren vielzähligen Aktivitäten überzeugten sie zuletzt besonders mit einer Version von Handkes Publikumsbeschimpfung als Passantenbeleidigung in der Unterführung am Karlsplatz. Ihr Ansatz versucht Theaterkonventionen zu transzendieren. Sie haben keine Grenzen im Umgang mit Mitteln, alles wird ausgebeutet, verwendet und gesampelt. Ihre unverkrampfte Art sich mit ihren Themen zu beschäftigen überzeugt, auch dann, wenn zuweilen einige Arbeiten nicht über einen gewissen naiv wirkenden Ansatz hinauskommen.

In Ihrem Antrag zur  2 Jahresförderung schlagen sie allein 8 Projekte vor und eine Serie von 20 Aktionen, die unter ihrem zweiten Label Super Nase & Co veranstaltet werden sollen. Hervorheben möchten wir folgende Projektideen:

Recyclingmaschine, eine wissenschaftliches Forschungsprojekt zu Menschenrecycling:
Im Sinne eines Höheren Niveaus unserer Gesellschaft recycelt die Recyclingmaschine den Menschen zu einem Teilhaber einer in Österreich anerkannten Berufsgruppe mit hohem gesellschaftlichen Status. Das Drehen am Glücksrad bestimmt die Berufsgruppe und ist somit Startknopf und Programmwahltaste in einem. Der Zuschauer durchläuft die Programmpunkte der Reinigung, neuen Bekleidung, Erziehung, Bildung und der beruflichen Ausbildung. 4-5 Stunden später wird der Öffentlichkeit eine komplett neu recycelte Persönlichkeit präsentiert.

Strafphantasie
Ein Projekt nach dem Fall von Josef F. Das Rene Pollesch Stück SEX als Unterwasserhörstück in einem Schwimmbad auf einem Dach. Eine Situation für  dauerhaften Untergang, auswegslosem Terror, sklavische Verhältnisse, inzestoide Beziehungen, Vergewaltigungen, Vorgänge die der Fall Josef F. imaginieren kann, sollen in diesem Projekt als Idyll vorgestellt werden. Thematisierung der Bedeutungsmöglichkeiten  von „Frei sein“ im Kontext von Staatssystemen, Gesetzen, gesellschaftlicher und sozialer Ordnung. Der Ort des Schwimmbades soll die zwanglose Situation eines Freizeitgefühls herstellen. Der Text ist nur erlebbar, wenn der Zuschauer/Zuhörer/Schwimmgast in des Wasser taucht. Die einzige Möglichkeit, den Fall kontinuierlich aufzudecken, wäre permanent unter Wasser zu sein, was physisch unmöglich ist.

St. Peter in Osttirol
Die performative Annexion San Piedro di Cadore durch Österreich zu St. Peter als Teil von Osttirol mit Volksbefragung, Tausch von Flaggen, Ortstafeln, Kfz-Kennzeichen, Benachrichtigungen der italienischen Regierung, Willkommenheißen des Bürgermeisters St.Peters durch Vertreter der österreichischen Kunst und Politik mit Anerkennung der österreichischen Verfassung etc. 

Neben diesen Ideen befinden sich in ihrem Antrag noch weitere Projekte, die den sozialen Raum thematisieren. Dieser politische Ansatz zeigt ein Bemühen Performance und Theater wieder als politisch zu definieren. Das Verzichten auf herkömmliche theatrale Mittel beziehungsweise das Einsetzen von Mitteln aus der Medienwelt und der Popkultur in einem neuen Kontext vermittelt zwar tiefe Skepsis über die Glaubwürdigkeit von Erzählung. Doch ihre Produktionen sind als kraftvolle Statements zu erleben, die Unmut, Protest und Widerstand glaubhaft zeigen.



Grünbühl, Dominik
Dudes II – Dudes Go Camping
Empfohlene Summe 8.000,
-

Die Produktion Dudes Go Camping hatte ihren Start in einer Performance gezeigt bei crossbreeds im Januar 2009. Diese Arbeit überzeugte sehr durch ungewöhnliche Direktheit, Witz und einer eigenen Phantasie. Die Mischung aus Überraschung und Kalkulation
im Umgang mit Wirkung überzeugte ebenso. Die Elemente von Comic, Film, Performance werden benutzt. Das Benutzen von Masken dient der Verfremdung. Das Ergebnis zeigt den Körper als Reproduktion von Vorstellungswelten. Diese Empfehlung soll den Künstlern die Möglichkeit geben, diese Arbeit weiter zu entwickeln und sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen.



Institut für Jugendliteratur
Karin Haller
Projekt: Schreibzeit III
Empfohlene Summe: 5.000.-

Das von Institut für Jugendliteratur, Buchclub der Jugend, Dschungel Wien und Kaiser Verlag ausgerichtete einjährige Projekt zur Förderung neuer Talente, die kontinuierlich für Kinder und Jugendliche Prosa oder Stücke schreiben wird auch für das kommenden Jahr empfohlen.



IM_FLIEGER 
Anita Kaya, Markus Bruckner, Katharina Weinhuber
Empfohlen Jahresförderung: 50.000.-
Die zentrale Bausteine der Aktivitäten bestehen auch im kommenden Jahr aus dem unkuratierten Format Wilde Mischung, der Öffnung in die Stadt im Schauraum, den interdisziplinären und WUK-übergreifenden Aufführungen im Rahmen von Crossbreedsund dem diskursiven Format im_flieger invites. Alle genannten Reihen und Initiativen haben sich in den vergangenen Jahren bewährt und bieten lokalen – und zukünftig auch KünstlerInnen aus den Bundesländern – eine wichtige Plattform der Präsentation und die Möglichkeit andere Formate der inhaltlichen Auseinandersetzung kennenzulernen. 




KASAL 
Linda Samaraweerova & Karl Karner
Projekt: I think we have a good time
Empfohlene Summe: 18.000.-

Die Tänzerin Linda Sameraweerova und der bildende Künstler Karl Karner haben in den vergangenen Jahren durch ihre originären Umgang mit Bewegung, Video, Text und Objekten auf sich aufmerksam gemacht. Die intelligente Verschaltung der unterschiedlichen Medien kreieren einprägsame Performances. In ihrem nächsten abendfüllenden Stück stellen sie den Körper stärker in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung und befragen diesen als bewusst eingesetztes Propagandamittel – sowohl in Diktaturen als auch in demokratischen Systemen. Mittels einer choreografischen Strukturierung entsteht eine Handlungsebene, in der Objekte, Videos und Körper in bewusst gesetzte Zusammenhänge gebracht werden. So entstehen visuell klare Bilder und eine narrative Ebene, die sowohl Abstraktion  als auch im Moment der Etablierung sofort wieder neu umgeschrieben werden kann. 




Konnex (Verein Gegenwartstanz)
Aurelia Staub
Empfohlene Jahresförderung: 55.000.-

Konnex ist ein Künstlerkollektiv, das in den letzten zehn Jahren acht Tanztheaterstücke und Crossover-Projekte für ein junges Publikum und Erwachsene entwickelte, die noch im Repertoire sind. In den letzten Jahren hatten sie unterschiedliche Arbeitsfelder eröffnet, die über Stückentwicklungen weit hinausgehen und im Bereich der Kunstvermittlung und Kooperationen mit Schulen und Künstlern aus anderen Genres angesiedelt sind. Dies wurde durch die vierjährige Konzeptförderung ermöglicht, ist im Rahmen der Projektförderung aber nicht leistbar. 

Die Kuratoren-Empfehlung für konnex dient daher der künstlerischen Orientierung und Schwerpunktsetzung. 




Normerhöhung – Verein zur Durchführung von Theater-, Medien und Kunstprojekten
Nicole Schuchardt
Projekt: X –Wohnungen – ein Portrait des Stuwerviertels
Empfohlene Summe: 40.000.-

„X-Wohnungen Wien“ ist gewissermaßen als Fortsetzung des 2003 bei Theater der Welt in Duisburg entwickelten Konzeptes, das 2004 in Berlin und danach in vielen anderen Städten wie Fribourg (Schweiz), Istanbul oder Warschau mit großem Erfolg fortgesetzt wurde. „X-Wohnungen“ arbeitet an der Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichen Raum. Künstler aus den Bereichen Theater, Performance, bildende Kunst und Architektur inszenieren in Privaträumen und intervenieren im öffentlichen Raum. Die Idee ist, einen Theaterparcours mit einer Vielzahl von Mini-Inszenierungen bzw. Rauminstallationen in Privatwohnungen zu schaffen, deren Inhalt und Geschichten in enger Verbindung mit den Räumen und BewohnerInnen stehen, in denen sie gezeigt werden. In 2er Gruppen bahnen  sich die Zuschauer ihren Weg drei Stunden lang durchs Stuwerviertel, folgen Wegbeschreibungen und Pfeilen wie bei einer Schnitzeljagd, um bei den entsprechenden Hauseingängen und Türen zu klingeln. 

Das Stuwerviertel ist den meisten Wienern hauptsächlich als Rotlichtviertel und den damit verbundenen Schwierigkeiten für die Anrainer bekannt und deshalb ein unbekanntes Terrain nahezu mitten in der Stadt. Das erhöht die Neugier und den Reiz für dieses Projekt. Wesentlich ist, dass vor allem in Wien arbeitende KünstlerInnen beteiligt sein werden, die auf einige internationale und Gäste aus den Bundesländern treffen. 




Mediated Meetings
Anat Steinberg
Things
Empfohlene Summe  19.000,-


Things soll eine site specific Performances werden. Ausgangspunkt ist eine Wohnung im 16. Gemeindebezirk und deren Bewohner. Die Wohnung und deren Gegenstände und ihre Verbindungen zu den Bewohnern: ein Rahmen aus Erinnerungen, Phantasien und Pläne. Die Performance will die Verbindung der Bewohner mit ihrem Eigentum untersuchen, wie diese Beziehung Identität konstruiert. Things/Think....Erinnerung und Vorstellungen erzeugen
eine Realität von uns selber....Die Art und Weise wie wir  denken, wer wir sind.... Diese Arbeit soll das untersuchen.
Schon in ihrer Arbeit „Loop“ überzeugte Anat Steinberg durch ihr Vermögen einen installatorischen Rahmen zu erzeugen, der sowohl Erlebnis als auch Reflektion ermöglicht. Ihre Arbeit "Loop" gehört zu den interessantesten Produktionen der Wiener Performanceszene der vergangenen Spielzeit. Frei von modischen Trends untersucht sie sehr genau Bezüge zwischen den Phänomen eines Ortes und ihren Gegenstände gegeben durch Geschichte und ihren Wirkungen auf den Menschen. Erinnerung und Vorstellung werden zu handelnde Kräfte eines Schauplatzes.



MOKI Mobiles Theater für Kinder
Stefan Kulhanek
Empfohlener Jahreszuschuss: 30.000.-

MOKI ist eine Gruppe, die nicht im kleinen Stil, sondern mit Bühne und Ensemble und verschiedenen Ausdrucksformen (Spiel, Figurenspiel, Objekttheater, Maskenspiel, Erzähltheater…) zu den Kindern in Schule usw. kommt und somit auch Kinder mit professionellem Theater erreicht, die nicht in ein Theater kommen. Dabei kann man die Aufführungsbedingungen, z.B. im Turnsaal, nicht mit denen in einem Theater vergleichen. 

Bühnenbild, Kostüme und Requisiten müssen clever durchdacht und wandlungsfähig sein. 

Gerade auf dem Gebiet des Figuren- und Objekttheaters in Kombination mit dem Spiel wird Wert auf technisches Handwerk gelegt, das Stephan Kulhaneks eigentliches Metier ist.





performancereviewcompany – Verein für performative Kunst
Christoph Ernst
Empfohlene Jahresförderung: 50.000.-

prc finden mit den Mitteln des Freejazz zu ihren theatralen Perfomances. Theorieversatzstücke werden von den Akteuren, gestützt durch eine Materialsammlung, frei improvisierend einander zugespielt. Jede Vorstellung ist ein gewagtes Spiel, auf das sich die Zuschauer einlassen müssen, denn prc arbeitet risikoreich und nicht immer auf demselben Niveau. Trotzdem ist der Weg zu ihrer Inhalt-Form-Symbiose einzigartig und nach der erst dritten Produktion in einer Phase, wo die Frage nach Methode und Weiterentwicklung virulent wird. Die drei bisherigen Produktionen beschäftigten sich mit Gegenwartsspiegelungen. Mit Hölderlins „Hyperion“ betritt prc Neuland, indem ein historischer und literarischer Text Basis für die heutigen Fragestellungen ist. Die spannende Frage ist, wie lässt sich die Arbeitsweise von prc mit diesem Text vereinbaren? Neben den „Befragungen“ – ist eine kleinere Intervention in brut geplant. Die Jahresempfehlung soll der Gruppe die Möglichkeit geben ihre Arbeitsweise weiterzuentwickeln und damit präsenter zu werden



STADTTHEATER WIEN 
Anne Mertin & Fred Büchel
Empfohlen Jahresförderung: 40.000.-

„Eine Versuchsanordnung zum Gesamtwerk der österreichischen Autorin Marianne Fritz“ nennt das Kollektiv um Anne Mertin und Fred Büchel ihre profunde und langjährige Beschäftigung mit den Texten der, im vergangenen Herbst verstorbenen, Schriftstellerin. Die kommenden Vorhaben beinhalten die Realisierung der Teile 5-7 des Projektes „Die Festung“, bei denen die Methode Firtzpunkt in das Betriebssystem der Bildenden Kunst eingespeist wird. Die theatralen Ausformungen oszillieren zwischen inszenierten und realen Gegebenheiten, zwischen Rauminstallation und Handlungsszenarien. Teil 5, geplant im Frühjahr 2010, entsteht in Kollaboration mit der Secession. Die originale Inschrift Der Kunst ihre Freiheit über dem Eingang des Gebäudes wird überschrieben mit Der Freiheit ihre Zeit und das Leitmotiv Ver Sacrum von einem Sag Warum konterkariert, während die Gruppe eine täglich wechselnde Installation mit den Texten von Marianne Fritz im Eingangsbereich anfertigt sowie im Untergeschoß eine Galerie der primären Bedürfnisse einrichtet. Dort halten sich die Fritzpunkt-Protagonisten auf und können von den internationalen Besuchern jederzeit für eine Ausstellungsführung gebucht werden. Teil 6 mit dem Titel „Rührmichnichtan“ erfolgt, so wie bereits im vergangenen Jahr, in Kooperation mit dem Steirischen Herbst. 






Schall und rauch agency
Janina Sollmann, Gabriele Wappel
Projekt: Mein Toaster spinnt
Empfohlene Summe: 12.000.-

Die Tänzerinnen Janina Sollmann, Gabriele Wappel und Harald Sickah arbeiten nach ihrer Researchprojkt „FLOP“, das in verschiedenen Phasen präsentiert wurde und das Scheitern zum Thema hatte, das paradoxerweise (in der Aufführung) zum Scheitern verurteilt ist (wenn es gelingt, ist das Thema gescheitert). Unter dem Coaching der Performers Frans Poelstra war das Resultat durchwachsen, aber auch bizarr und eigenständig. 

„Mein Toaster spinnt“ ist ein Tanzstück und ein philosophischer Thriller für Menschen ab 9. 

Das Thema ist Identität gezeigt an hand von zwei Menschen, die unabhängig voneinander den selben Ort bewohnen, die selben Dinge tun, wobei unklar bleibt ob sie eine Person oder Antipoden sind. 

Die Tanzsprache entspringt dem persönlichen Bewegungsrepertoire der Tänzerinnen (research durch authentic movement), die sich in der Aufführung der Intimität des Publikums, das aktiv werden darf, aussetzten. 

Schall und Rauch arbeitet kontinuierlich an Themen-Darstellungs-Raumbezügen und setzt bewegt sich auch über scheinbar sichere Grenzen hinweg.





Sirene operntheater
Jury Everhartz
Empfohlene Zweijahresförderung: 120.000.- per anno

Uraufführungen und Opern flexibel und risikofreudig zu produzieren ist das Credo des Sirene Operntheaters. Für das Projekt „Nachts“, nach den Erzählungen von Leo Perutz haben Jury Everhartz und Kristine Tornquist die Anker Brotfabrik als Spielort entdeckt und eine 8-teilige Serie von Kompositionsaufträgen an unterschiedliche zeitgenössische Komponisten zu Libretti von Kristine Tornquist erteilt. Diese „erste Runde eines großen Kammeropernfestivals“ findet zwischen Mai und Juli 2009 statt in partieller Zusammenarbeit mit Chor im Hemd und den Improvisationstheatergruppen „Carpa Theater“ und “urtheater – ein Zeichen der genreübergreifenden Offenheit von Sirene. 

Diese Vergleichbarkeit zeitgenössischer (Kammer)Oper zw. Operellen (in der Vergangenheit) macht einen Reiz von Sirene aus, vor allem weil mehrere interessante Komponisten gewonnen werden, ganz gezielt für eine freie Operngruppe, die den dramaturgischen Rahmen vorgibt, zu arbeiten. 

Auch in den zukünftigen Projekten plant Sirene wieder in Räume vorzudringen, sei es in einen Echtzeitboxkampf in einem Boxclub oder in Internetblogs, die als Librettovorlage für eine Kammeroper dienen. Mit dem ensemble on_line, das sich ebenfalls durch eine große Neugier am Brennpunkt zeitgenössischer Musik sowie durch Flexibillität in der Kooperation mit anderen Kunstformen auszeichnet, hat Sirene einen kongenialen Aufführungspartner. 

Die Zweijahresförderung wird wegen der Umstellung von Spielzeit- auf Jahresförderung schon Ende 2010 auslaufen, und hoffentlich bis dahin wesentliche Projekte realisieren können.



TANZTHEATER PERFORM 
Barbara Kraus
Empfohlen Jahresförderung: 50.000.-

Barbara Kraus hat in ihren jüngsten Arbeiten immer wieder gesellschaftspolitisch relevante Themen aufgegriffen oder Abende inszeniert, in denen sie ihre Biografie in den Mittelpunkt gestellt hat. Dabei bediente sie sich unterschiedlicher Genres, wie etwa einem – inszeniertem – Hörspiel oder einem klassischen Talk-TV-Format. Auch im kommenden Jahr beschäftigt sie sich vorwiegend mit sozial brisanten Fragestellungen, die sie dann mittels unterschiedlicher Formate in performative Abende überträgt. Vorrangiges Ziel ist der Aufbau einer künstlerischen Aktionsplattform „shelter“, einer temporären, solidarischen Denk-, Arbeits- und Präsentationsplattform für KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen zum Thema gesellschaftliche Solidarität und Nachhaltigkeit. Von shelter beherbergt soll eine „Bühne der Notwendigkeit“, mit Stand-Up-Acts bespielt werden. Weitere bekannte Formate werden weitergeführt und ausgebaut. 




Tanztheaterverein DIVERS
Paul Wenninger
2 Jahresempfehlung 70.000,- (per anno)

Paul Wenningers Arbeit hat sich in den letzten Jahren als eine leise aber sehr eigenständige  Note in der Wiener Performance und Tanzszene präsentiert. Seine Produktionen können auch  durchaus als choreographisches Theater bezeichnet werden. Erzählungen aus dem Moment einer Bewegung, aus dem Versetzen eines Gegenstandes, dass das Vor- und Nachher  in der Phantasie des Betrachters/Betrachterin erweckt, vermitteln gestalterische Phantasie, Suche nach neuen Erzählwiesen und hohes musikalisches Empfinden. In unserer 2 Jahresempfehlung möchten wir dem Künstler Paul Wenninger die Möglichkeit geben, seine Arbeit längerfristig weiterzuentwickeln, unterschiedliche Ansätze zu verfolgen und sich mehr noch als unabhängiger Künstler zu etablieren.



Theater FOXFIRE
Lilly Axster, Corinne Eckenstein
Empfohlene Jahresförderung: 55.000.-

Foxfire hat während der letzten Jahre viele verschiedene Produktionen herausgebracht, mit unterschiedlichen Zugängen und Erzählformen, mit Profis und/oder Jugendlichen, mit Autorenauftrag oder Stückentwicklung – immer mit dem Versuch am Nerv des jugendlichen Publikums zu sein. Das ist durchwegs gelungen, wenn auch mit Blick auf Jugendtheatermoden und mitunter auf Kosten von künstlerischen Kriterien, wie Tiefe und Differenziertheit. 

Am bemerkenswertesten, weil mit konsequenter genuiner Handschrift, waren Lilly Axsters Kinderstück „Nins Arvchiv“, und das Resultat der Schreibwerkstatt für junge Menschen zwischen 14 und 21, geleitet von Lilly Axster. In Corinnes Eckenstein Regie wurde es als „Schrilles Herz“ für Jugendliche auf die Zuschauertribüne des Dschungels gebracht und von den Jugendlichen mit Herz und Verve gespielt. 

Das Projekt soll zu einem neuen Thema „Teenagestories“ weitergeführt werden und im Frühling 2010 findet die Aufführung aus den daraus entstandenen Texten statt. Daneben ist eine theatrale Installation für größere Kinder nach dem Schweizer Film „Vollmond“, in dem Kinder verschwinden, geplant. Foxfire hat aber zudem noch eine Reihe von Produktionen im Repertoire, die gespielt werden können.



Theater ISKRA
Nika Sommeregger
Empfohlene Jahresförderung: 60.000.-

Theater ISKRA hat ein gesellschaftspolitisches Bewusstsein, das in den Produktionen konkret Individuen, die - oft politisch gemachte - Außenseiter in den Mittelpunkt stellt. Die Figuren stehen nicht stellvertretend für „die Jugendlichen“ in den Gefahrenzonen der Gesellschaft, sondern stehen für sich und geben etwas von sich preis. Dabei schafft Nika Sommeregger in ihren Inszenierungen eine Spannung zwischen Distanz und Nähe, zwischen Beobachtung und Mitgefühl. 





In einem der nächsten geplanten Projekte zum Thema „Asyl“ greift ISKRA die Situation illegaler Minderjähriger auf. Anhand von workshops in Schulen und mit Betroffenen entsteht eine Vorlage (Hubertus Zorell) und im Endeffekt eine Politrevue mit Profidarstellerinnen.  Auch die Produktion „Ayscha“, die wieder aufgenommen wird, beruhte auf einem ähnlichen Konzept; Endresultat war hier eine Theaterausfführung. 

Weiters geplant ist die Ko-Produktion der Kinderoper „Brundibar“ mit dem Wiener Jeunesse Orchester und ESRA, dem psychosozialen Dienst für Shoa-Opfer. 

Theater ISKRA ist im Wiener Jugendtheater eine wichtige Stimme für einen politischen Diskurs, wo trotzdem die künstlerische Umsetzung im Vordergrund steht. Mit einer Jahresförderung soll dieser Prozess unterstützt werden.





Theaterverein Theater.Punkt/Sabine Mitterecker                       
Frost - eine Szenische Insatllation“ nach dem Roman von Thomas Bernhard
Empfohlene Summe               42.500,-

Überzeugend an dem Konzept ist die Lesweise der Regisseurin und die Wahl eines Museums als Aufführungsort. Mit „Frost“ will sie eine Reflexion über die Krise der Kunst in der Moderne versuchen.  Die Romankonzeption von Bernhard soll stilistische Konsequenzen in den schauspielerischen Erzählweisen haben. „Dementsprechend wird die Bearbeitung die einzelnen Gedankenstränge, Stimmen und Gegenstimmen des Romans herauspräparieren und zu einer Partitur für drei Sprecher und Sprecherin zusammensetzen...So fügt sich das Sprechen als temporäre Installation in die räumliche Situation des Museums ein. Das Museum ist nicht Bühne, die Werke der Bildenden Kunst sind nicht Dekoration.“ 

Sabine Mitterecker hat sich schon mehrfach auf interessante Weise mit dem Werk Bernhards auseinander gesetzt. Die Auseinandersetzung mit Bernhards erstem veröffentlichen Roman Frost im Kontext einer Ausstellung gibt die Möglichkeit die Musikalität und Inhalt in Bernhards Prosasprache neu zu reflektieren. Die Verwendung des Prosatextes Frost kann auch für eine Ablehnung in der Rezeption seiner Theaterstücke als Boulevard  gesehen werden. 




THEARTE
Alexandra Hutter/Yvonne Zahn
Projekt: Das Mädchen auf den Dächern
Empfohlene Summe: 25.000.-

Yvonne Zahn und der Drehbuchautor Reinhold Stumpf haben mit der 6-teiligen Soap „Zeitlos schön“ (für Jugendliche) ein Fernsehformat mit Theatermitteln in unterschiedlichen Bühnenräumen gezeigt. 

Da der Fokus bei den überzeichneten, aber präzise ausgearbeiteten Darstellern und einer Fernsehstudiosituation lag, wurde sowohl die inhaltliche als auch formale Überzogenheit aufs Korn genommen. Gleichzeitig wurden die „Cliffhänger“ nach jeder Folge so gesetzt, dass sich tatsächlich auch eine Spannung einstellte. 

Das Stück „Das Mädchen auf den Dächern“ – wieder ein Auftrag an Reinhold Stumpf – 

ist nun für Kinder ab elf Jahren gedacht und erzählt von der Anziehung zwischen Realität und Poesie, von Freiheit und Träumen. Es geht um Dinge, die sich vermeintlich über unseren Köpfen abspielen – im übertragenen Sinn und im wahrsten Sinn des Wortes, denn ein Geschwisterpaar landet auf einem Dach und damit im „Heim“ eines jugendlichen Mädchens. 

Das Projekt ist ein ungewöhnliches Theaterstück mit ungewöhnlichen Blickwinkeln auf Situationen Heranwachsender; Yvonne Zahn ist eine ideenreiche und genaue Regisseurin, 

die diese Blickwinkeln vor allem mittels Figurenarbeit und der Spannung zwischen den Figuren weiter auslotet. Fantasie spielt eine große Rolle und die Übertragung der Intensität der Figuren in einem kargen Raum auf die Vorstellungskraft der Zuschauer.



Verein Chimera
Daniel Aschwanden
1 Jahrsempfehlung   50.000,-

Urbane Performen/urbane Monologe. Daniel Aschwanden stellt ein Container in eine Landschaft, die als Bebauungsland für eine Zukunftsstadt dienen wird. In Aspern wird in den nächsten Jahren auf dem ehemaligen Flugfeld ein neuer Stadtteil entstehen. Direkt angrenzend ans Gelände der Zukunftsstadt steht sein Container, der Ausgangsort und Fluchtort seiner Arbeit sein wird. „Zukunftsstadt und Industriekomplex als gegensätzliche Erzählungen von der Utopie der neuen Stadt beruhend auf Nachhaltigkeit, postindustrieller Produktion im Naheverhältnis mit Wohnen,..“ Aschwanden versteht sich als „embedded artist“, der die komplexen und zunehmend sichtbar werdenden Kommunikationsvorgänge, welche den Ort informieren und verändern beobachet, dokumentiert und als Ausgangsmaterial für seinen kreativen Prozesse nimmt.   Der Schweizer Daniel Aschwanden gehört zu den am längsten aktiven Tanz- und Performancekünstlern der Wiener Szene.  In den letzten Jahre spezialisierte sich seine Arbeit im Bereich von „side specific“, Research und performativen Interventionen.  Die Empfehlung unterstützt Aschwandens Versuch mit Hlfe seiner theoretischen Ansätzen und Forschungen Kommunikationsangebote zu entwickeln. Wir sehen unserer Empfehlung aber auch als eine Unterstützung für einen Künstler, der sich seit vielen Jahren für die Wiener Szene verdient gemacht hat



Verein Immoment
Claudia Bühlmann
Projekt: Zeit
Empfohlene Summe: 40.000.-

Claudia Bühlmann hat in der letzten Saison zwei sehr unterschiedliche Projekte verwirklicht:  „Immer zweite“ (die 2. Prinzessin) überzeugte durch eine gute Adaptierung eines Kinderbuches, ebenso einer handwerklich gekonnten, differenzierten Inszenierung in einem kongenialen Bühnenbild und den Musiker ideal einbindend. 













Das Projekt Schuhe – ein Tanz war durch eine lange Recherchephase und einige Präsentationen für verschiedene Altersgruppen und Erwachsene an die Grenzen seiner Machbarkeit gelangt. Das dies nicht von Beginn an geplant war, sprengte dies vor allem den vorhandenen finanziellen Rahmen. Trotzdem war der Blickwinkel mit dem die Geschichte von Cinderella fragmentarisch erzählt wurde (die Produktion hieß im Endeffekt „Touching Cinderella) und der Zusammenhang zwischen Schuhen, Material (Haut) und Berührungen für eine Kindertheaterproduktion ungewöhnlich und herausfordernd. 

Das neue Projekt zum Thema „Zeit“ wird wieder ein „Research-Projekt“ mit mehren Darstellern und Mitwirkenden aus anderen künstlerischen Bereichen. Die Empfehlung basiert auf der Schlussfolgerung, dass die Produktion diesmal in dem ihr notwendigen zeitlichen Rahmen entstehen kann und dies auch finanziell für alle Beteiligten tragbar ist.



VEREIN FÜR MODERNES TANZTHEATER 
Elio Gervasi
Empfohlen Jahresförderung: 60.000.-

Cartes Postales betitelt Elio Gervasi sein kommendes Gruppen-Tanzstück. Dabei verfolgt er eine emotionale Dramaturgie, welche keine vorgeprägten Geschichten erzählt, sondern durch Assoziationen dem Zuschauer einen individuellen Einblick ermöglicht. 

Ebenfalls in Planung ist die Kreation Space 2. Über Licht. Im Licht. Mit Licht. Ein Stück für fünf Tänzerinnen und eine Musikkomposition. Schatten, Silhouetten, choreografierte Figuren, vom Licht reflektierte Körperphrasen tauchen immer wieder als strahlender Fokus aus dem Dunkel auf. Grelle Lichtbegrenzungen liefern Impulse für das Aufgreifen einer dynamisch vitalen Tanzsprache. Homogen strukturierte Bewegungssequenzen stehen im Kontrast zu individuellen Spurensuchen.



VEREIN SALTO 
WILLI DORNER
Empfohlen Jahresförderung: 80.000.-


Willi Dorner hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit öffentlichen und halbprivaten Räumen beschäftigt und diese Orte auf ihre performativen Qualitäten untersucht. Diese choreografischen Studien verschalten soziale, architektonische und urbane Parameter miteinander und schaffen ortsspezifische Bewegungs-Skulpturen. Mit above under inbetween entledigt er, gemeinsam mit einer Set-Designerin und dem Komponisten Bernhard Lang Elemente, die von Modulen und einzelnen Versatzstücken des Wohnens ausgehen, ihrer stereotypen Funktionalität. In der Live-Umsetzung werden Bewegungsgewohnheiten unseres sozialen Handelns ad absurdum geführt und geben so ein differenzierte Sichtweise auf alltägliche Lebens-, Verhaltens- und Bewegungsgewohnheiten wider.  Weiters kommt es zu einer Fortsetzung der erfolgreichen und auch international gezeigten Reihe Tanzkaraoke.



VIENNA BODY ARCHIVES 
Corpus – Internetmagazin
Empfohlen 2 Jahresförderung: 35.000.- (per anno)

Das Internet-Magazin Corpus hat sich seit seines Bestehens auch außerhalb Wiens erfolgreich etabliert. Die profunden Texte und Berichte beinhalten Themen-Schwerpunkte zu aktuellen Diskursen und Fragestellungen zu allen Bereichen des zeitgenössischen Kunst-Schaffens, Rezensionen zu Aufführungen und Festivals sowohl in Österreich als auch im benachbarten Ausland, Porträts und Interviews, weiterführende Literatur zu Techniken und Methoden im Tanz- und Performancebereich sowie einen gut recherchierten Service-Teil mit Informationen und Hinweisen für alle, die Sparte, relevanten News. Darüber hinaus leistet Corpus einen wichtigen medialen Beitrag zu den lokalen Aktivitäten der Wiener Tanz- und Performancelandschaft.



Vienna Magic/Oleg Soulimenko             
Post Pop, Pop Post
Empfohlene Summe 27.000,
-

Als Jahreseinreichung mit drei Projekten beantragt, empfehlen wir daraus ein Projekt. Oleg Soulimenkos bisher in Wien gezeigten Arbeiten zeichnen sich neben ihren unterschiedlichen konzeptionellen Überlegungen durch  Humor aus, der eine Reflexion über formale Strukturen von Bühnenpräsenz und ihren Wirkungen erlaubt, „Das Ende von ... , der Abschied von ..., Post -Kommunismus, Post - Kapitalismus, Post -Individualismus ist sein konzeptionellen Ausgangspunkt. Seine unprätenziöse Art wichtige   Fragestellungen als choreographische Figur herauszufiltern und in einen szenischen Dialog zum Publikum zu stellen, macht ihn zu einer wichtigen künstlerischen Stimme Wiens.



WIENER TANZ- UND KUNSTBEWEGUNG 
Anne Juren
Empfohlen 2 Jahresförderung: 70.000.-  (per anno)

Die gebürtige Französin Anne Juren, seit Jahren in Wien beheimatet, zählt zu den herausragenden Choreografinnen der Stadt. Mit ihren jüngsten Stücken konnte sie sich auch international erfolgreich platzieren. Die kommenden Projektvorhaben bestehen zum einen in einer Weiterführung des Solos Magical, einer revuehaften Show. das sie letzten Herbst erstmals gezeigt hat. Ausgehend von den Begriffen Maskerade und Illusion widmete sie sich dem Phänomen des Multitaskings: das Publikum musste sowohl den Tanz als auch parallel dazu die Geschichte dekodieren. In dem neuen Solo sollen beide Vorgänge verborgen bleiben und einen dritten freisetzen: die Performance selbst. Die zweite Produktion, Tragedie, entsteht in Kollaboration mit dem bildenden Künstler Roland Seidel. Darin bedienen sie sich der Tragödientrilogie Orestie von Aischylos, in dem der Text des Dramas ausgelöscht wird. In der Dekonstruktion des Textes entsteht eine Choreografie, die sich zwar auf den Text bezieht, diesen aber ausschließlich mit tänzerischen Mitteln präsentiert. 




Wuk/Theater
Johannes Maile
die basis
2 Jahresempfehlung   130.000,- per anno


Das wuk ist wohl historisch der Ort, wo die Freie Szene ursprünglich ihre Heimat und einen ihrer wichtigsten Ursprünge hatte. Der Veranstaltungsraum des wuk gehört zu den größten und gut ausgestatteten Räumen der Stadt. Seit Johannes Meile die künstlerische Leitung im wuk für den Sektor Theater übernommen hat,  ist spürbar eine Wiederbelebung dieser Spielstätte zu erkennen. Seine Zusammenarbeit mit „im flieger“, seine Bemühungen Tanz, Performance und Theaterproduktionen gleichermaßen zu programmieren, gibt dem Ort wieder eine Chance. In seinem Shakespeare - Projekt  (Nov. 2008) bewies Johannes Maile, dass er sowohl veranwortungsvoll als auch künstlerisch effektiv programmieren kann. Seine hohe Akzeptanz bei den mit ihm arbeitenden Künstlern ist dabei ebenso von Bedeutung wie sein glaubwürdiges Bestreben neue künstlerische Akzente zu setzen. Durch die künstlerischen Erfolge der  brut, des Tanzquartier und dem Wiener Schauspielhauses soll das wuk durch diese substantielle Förderung eine Chance erhalten, ebenso mit Eigenproduktionen sich künstlerisch stärker zu behaupten.  Besonders wichtig erscheint uns dabei auch seine Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Künstler/innen. Wuk hat so die Chance in den nächsten zwei Jahren Heimat für einige wichtige Künstler und Künstlerinnen der Freien Szene zu werden.


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