Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Anmerkungen zu den Empfehlungen zum Einreichtermin 15. Jänner 2010

"Da hoffen viele KünstlerInnen (auf den Subventionsgeber)!" Das meinte eine Ex-Kuratorin im Gespräch mit uns, als sie erfuhr, dass sich 291 Einreichungen für Projekt- sowie Ein- und Zwei-Jahresförderungen auf den Tischen der Kulturabteilung der Stadt Wien/MA7 türmten.

So viele Einreichungen zu einem Termin hat es wohl noch selten gegeben. Die große Zahl spricht unserer Meinung nach in erster Linie für den Standort Wien. Es ist zunächst einmal großartig, wie viele Konzepte für zeitgenössische Theaterarbeit in der Stadt entwickelt werden. Die benötigte Fördersumme für alle Einreichungen hätte jedoch eine Gesamtsumme von rund 16,9 Millionen Euro ergeben. Im Bereich Projektförderung für den Zeitraum von 1. September bis 31. Dezember 2010 steht uns allerdings nur eine Gesamtsumme von 513.000 Euro für Empfehlungen zur Verfügung. Für Ein- und Zweijahresförderungen 2011/2012 konnten wir Gruppen, KünstlerInnen und Projekte in der Höhe von insgesamt 1.100.000 Euro pro Jahr empfehlen.

Im Bewusstsein, dass die vorhandenen 2,5 Millionen Euro pro Jahr für Empfehlungen von Zwei- und Einjahresförderungen und für Projektempfehlungen für freie Projekte in zeitgenössischem Theater, Tanz und Performance sowie Sparten übergreifende Projekte bei einem solch massiven Bedarf nicht ausreichen können, haben wir bei Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny schriftlich um eine Erhöhung von 1,5 Millionen Euro angesucht. Mit 4 Millionen Euro pro Jahr - ein Betrag, der auch von der IG Freie Theaterarbeit als Bedarf zur finanziellen Besserstellung der freien Wiener Theaterlandschaft genannt worden ist - wäre es etwas leichter, das freie performative Aufkommen finanziell zu "bedecken". Nicht zuletzt hat die Stadt selbst in den letzten Jahren im Sinne ihrer 2003 initiierten "Theaterreform" einige Standorte mit künstlerischen Leitungsneubesetzungen "aktualisiert" und etwa das Theater am Petersplatz als "Garage X" neu eröffnet.

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny schrieb uns sehr freundlich zurück. Er weiß, dass es sich nicht "ausgeht", bekräftig aber, dass Wien wohl immer noch die Stadt ist, die im europäischen Kontext am meisten Geld für Kultur ausgibt. Er verweist auf die insgesamt 25 Millionen Euro, die der freien Theaterlandschaft zur Verfügung gestellt werden. Von diesen stehen jedoch nur 2,5 Millionen Euro für Projekt- sowie Ein- und Zweijahresempfehlungen in ganz Wien durch das Kuratorium Theater, Tanz und Performance zur Verfügung. Der größte Teil des Geldes geht in die Konzeptförderung (Vierjahresempfehlungen). Weitere ca. 8 Millionen sind im so genannten Standort- und Strukturfördertopf gebunden, der direkt von den Mitarbeitern der Kulturabteilung der Stadt Wien verwaltet wird. Kulturstadtrat Mailath-Pokorny schlug uns daher auch vor, mit den Beamten der MA7 Synergien für effizientere Förderung zu suchen. Wir bemühen uns darum.

Wir wissen, dass die allgemeine wirtschaftliche Lage nicht rosig ist und versuchen deshalb in den zahlreichen Gesprächen, die wir mit KünstlerInnen führen, darauf hinzuweisen, dass neben der Kulturabteilung der MA7 weitere inländische wie internationale PartnerInnen immer notwendiger werden. Wichtig ist auch, die Einreichung und das Vorhaben so transparent wie möglich darzustellen. Inhaltlich sind uns vor allem zwei Punkte wertvoll: Zeitgenossenschaft und Sichtbarkeit.

Beim aktuellen Fördervorgang sind wir davon ausgegangen, dass auch 2011 und 2012 mindestens 2,5 Millionen Euro für freie Projekte zur Verfügung stehen. Wir haben erfahren, dass es derzeit (Stand: 19. April) noch keine definitiven Zahlen seitens der Stadt gibt und dass mit Einsparungen gerechnet werden muss. Deswegen konnten wir leider auch keinen veritablen Schwerpunkt im Bereich zeitgenössisches Musiktheater setzen, obwohl es dazu einige spannende Einreichungen gibt.

Bei den Einreichungen fiel durchgehend auf, dass ein großer persönlicher Bedarf seitens der KünstlerInnen an Strukturen herrscht: Einerseits sind es nach wie vor Probenräume und Studios (vor allem im Tanz- und Performancebereich). Andererseits hört man bei Nachfrage an einzelne KünstlerInnen, dass es im Grunde genug Räume gibt, aber die Abwicklung (z. B. Buchungsmöglichkeit über Internet) gemeinsam professionalisiert werden müsste. Auch der Wunsch nach einer unkuratierten Spielstätte war zu hören. Daneben gibt es auch eine Reihe von Vorschlägen für unterschiedlich ausgerichtete Produktionsbüros. Alle diese Initiativen bräuchten die Wahrnehmung und finanzielle Unterstützung seitens der Kulturabteilung der Stadt Wien. Der Auftrag der Projektförderung ist es jedoch, die vorhandenen Mittel direkt den KünstlerInnen zuzusprechen. Von der Projektförderung sind sie daher aufgrund der fehlenden Mittel und Möglichkeiten nicht bestreitbar. Der Bedarf wird jedoch von uns auch weiterhin laufend an die Kulturabteilung der Stadt Wien kommuniziert.

Andrea Amort, Angela Heide, Jürgen Weishäupl
19. April 2010

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Die Empfehlungen für das Jahresbudget 2011 umfassen 2 unterschiedliche Förder-Termine (15. Jänner und 15. Juni 2010), jedoch 4 unterschiedliche Förder-Beträge mit einem vonseiten der Stadt Wien noch nicht bekannt gegebenen Gesamtvolumen (zuletzt für die Jahre 2009 und 2010 gleichbleibend: 2.500.000 Euro). 
Die Zusammensetzung sieht wie folgt aus:

 

  • 2-Jahres-Empfehlungen für die KALENDERJAHRE 2011/2012: siehe dazu die Empfehlungen aus dem Jänner 2010 des Kuratoriums Theater | Tanz | Performance 2009-2011; insg. 600.000 Euro für 8 Empfehlungen (2011 und 2012)
  • 1-Jahres-Empfehlungen für das KALENDERJAHR 2011: siehe dazu die Empfehlungen aus dem Jänner 2010 des Kuratoriums Theater | Tanz | Performance 2009-2011; insg. 500.000 Euro für 12 Empfehlungen
  • Projekt-Empfehlungen für den Zeitraum von Jänner bis August 2011: siehe dazu die Empfehlungen aus dem Juni 2010 des Kuratoriums Theater | Tanz | Performance 2009-2011 (= kommender Einreichtermin!)
  • Projekt-Empfehlungen für den Zeitraum von September bis Dezember 2011: siehe dazu die Empfehlungen aus dem Jänner 2011 des Kuratoriums Theater | Tanz | Performance 2009-2011 (= übernächster Einreichtermin!)

D. h., bisher vergeben wurden aus dem Budget 2011: 600.000+500.000 = 1.100.000 Euro;
UND bisher vergeben wurden aus dem Budget 2012: 600.000 Euro
Wie viel Budget insgesamt für Projekte im Kalenderjahr 2011 zur Verfügung stehen wird, wird von der Stadt Wien voraussichtlich Juni 2010 bekannt gegeben.

Achtung: Durch die notwendig gewordene Umstellung der Förderzeiträume bei ein- und mehrjährigen Empfehlungen von "alt" (seit 2004) Spielsaison (also von August eines Jahres bis September des folgenden Jahres) auf "neu" Kalenderjahr(also Jänner bis Dezember eines Jahres) finden sich in den Empfehlungen für das Arbeitsjahr 2010 eine Reihe durch diese Umstellung bedingte Mehrfach- resp. Konsekutivempfehlungen. 
Diese haben insofern mit der genannten Umstellung zu tun, als dadurch eine Anzahl von für ein Arbeitsjahr (Jahresempfehlung alt: September 2009 bis August 2010) empfohlenen Gruppen und KünstlerInnen konsekutiv für den Zeitraum von September bis Dezember 2010 ein Projekt bzw. deren Herbsttätigkeiten (Budget 2010) sowie darüber hinaus auch für Ein- und Zweijahresprojeke ab Jänner 2011 (Budgest 2011 bzw. Budgets 2011 und 2012) einreichen konnten. 
Um Fehler bei der Berichterstattung zu vermeiden, bitten wir Sie, uns bei Fragen zu konkreten Empfehlungen, Jahresbudgets und Förderzeiträumen etc. zu kontaktieren. Wir stehen gerne für Erklärungen und Erläuterungen im Detail zur Verfügung.


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