Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Begründungen der empfohlenen Ein- und Zweijahresförderungen 15. Jänner 2007,
sowie der Projekte von September bis Dezember 2007

Von 214 eingereichten Konzepten haben wir 45 zur Realisierung dem Kulturamt empfohlen.
 

Artificial Horizon

Milli Bitterli 

Empfohlen: 2-Jahresförderung € 50.000.- per anno 

Die Österreicherin Milli Bitterli ist in den letzten Jahren nicht nur als herausragende Tänzerin und Lehrerin in Erscheinung getreten, sondern hat sich mit ihren Gruppenstücken und Soli einen wichtigen Platz in der lokalen und internationalen Tanzszene geschaffen. Ihre Choreografien lassen sich nur schwer schubladisieren, stellen sie doch extreme physische Bewegung angereichert durch brachialen Sound gerne poetisch-emotionalen Sequenzen gegenüber. In den nächsten beiden Saisonen plant Milli Bitterli ein Soloprojekt mit den bekannten Kolleginnen Jennifer Lacey, Barbara Kraus und Nadia Lauro, ein Duett in Kollaboration mit Liza May Post und Sabile Rasiti sowie eine Gruppenchoreografie für 2009. Dafür baut sie ihre sehr individuelle Tanzsprache, die Bewegungskontrolle mit kalkuliertem Bewegungsfreiraum verbindet, noch weiter aus. Die Auslotung des Universums Tanz in seinen unterschiedlichsten Facetten, Körper, die ihre Stabilität verloren haben, Figuren, die keine Zeit der Reflexion kennen, dienen als Ausgangsfragen für die profunden Recherchen. 

 

Assitej Austria 

Empfohlen 1-Jahreszuschuss zu 20.000.- 


Assitej Österreich ist die österreichische Vereinigung eines internationalen Dachverbandes zur Förderung professioneller darstellender Kunst für ein junges Publikum.
Obwohl die Assitej in unserem Verständnis ein gesamtösterreichischer Verein ist, da sie sowohl national als auch international als solcher auftritt, möchten wir einen Beitrag zu Projekten, die den Nachwuchs, den Austausch innerhalb der Szene und die Weiterbildung empfehlen.
Besonders erwähnenswert ist die Einführung von „Stella“, einem Darstellenden Kunst Preis für junges Publikum, der heuer erstmals in mehreren Kategorien vergeben wurde.
Wir werden ein Förderungsansuchen der ASSITEJ durch den Bund unterstützen. 

 

Club Real

Projekt: „Insektenbelustigung“(Thomas Hauck, Georg Springer, Marianne Sonneck, Christoph Teußl) 


Empfohlene Summe: 25.000.- 

Club Real ist ein für Wien neues Theater. Club Real ist eine österreichische Künstlergruppe, die seit 2000 in Berlin arbeitet. Club real experimentiert mit Berührungspunkten zwischen Kunst und kulturellen Praktiken wie zB. Sport, Totenkult und Arbeitswelt. Ihre Projekte werden für spezielle Orte entwickelt und beinhalten Nutzungsmöglichkeiten und Erzählungen die ein erweitertes Verständnis der Realität des Ortes anstreben. Präsentationsform und Arbeitstechniken werden dementsprechend jedesmal neu ausgewählt, kombiniert und erfunden. Die Spannung zwischen der künstlerischen Form und der jeweiligen Alltagswelt wird im Ereignis selbst zur Darstellung gebracht. Club Real ist bis jetzt beim steirischen herbst 2006 und mit Produktionen vor allem in Berlin (u.a. sophiensäle) aufgefallen. Für den Herbst 2007 konzipieren sie das Projekt „Insekten“ in Zusammenarbeit mit der neuen Leitung des „dietheater“.
Club Real entwickelt einen Rundgang durch den Stadtraum mit 5 szenischen Installationen, die sich an ausgewählten Orten Wiens mit dem verborgenen und imaginierten Leben der Insekten beschäftigt. Die Besucher werden für den Rundgang in kleine Gruppen von 5 Personen eingeteilt die ca. alle zehn Minuten losgehen und etwa eineinhalb Stunden unterwegs sind. Die einzelnen Stationen in Wohnhäusern, Geschäftsräume, Verkehrsmitteln und im öffentlichen Raum verwirklichen Episoden aus dem Leben von Menschen und Insekten und ihren fiktionalen oder mythischen Zwischenformen. 

 

Dis Danse

Doris Stelzer
Projekt: views part one 

Empfohlene Summe: € 18.000.- 

Die Darstellbarkeit und Wahrnehmbarkeit des menschlichen Körpers beschäftigte die österreichische Choreografin schon in ihren vergangenen Arbeiten. Ihre Stücke, präzise Beleuchtungen und mikroskopische Studien der menschlichen Anatomie, stellen an den Zuschauer neue Fragen zum virulenten zeitgenössischen Körperdiskurs. Dabei vertraut Doris Stelzer völlig auf die tänzerische Präsenz und Professionalität und fragmentiert den Tänzerinnenkörper mittels einer puren und minimalistischen Bühnensprache.
In ihrer jüngsten Arbeit views part one geht sie, gemeinsam mit zwei Tänzerinnen, in ihren Fragestellungen noch einen Schritt weiter und konfrontiert Alltags-, Werbe- und Kunstkörper miteinander. Die der Aufführung vorausgehende fundierte Bewegungsrecherche zerlegt, vermisst und kartographiert den menschlichen Körper mit dem Ziel, den Zuschauern ein ungewohnt anderes Körperbild zu eröffnen. 

 

Dreizehnterjanuar

Fanny Brunner/Fiona Liewehr
Projekt: “Nicht, nicht, nicht, nicht, nicht genug Sauerstoff“ von Caryl Churchill 

Empfohlene Summe: 17.000,- 

Die Arbeiten von Fanny Brunner u.a. am schauspielfrankfurt und in der Freien Szene in Wien weisen sie als eine sehr interessante junge Regisseurin aus. Sie nähert sich genau und unverkrampft einem Text aus und kann so einen klaren und frischen Blick für ihre Stücke und Themen schaffen. Wie viele junge Theatermacherinnen arbeitet sie mit spartenübergreifenden KollegInnen. Mit dem ursprünglichen Hörspiel „Nicht, nicht, nicht, nicht, nicht genug Sauerstoff“ (1971) der Autorin Caryl Churchill („Top Girls“, „In weiter Ferne“) bringt sie einer der wichtigsten britischen Autorinnen der letzten 30 Jahre wieder nach Wien. Prophetisch thematisiert darin die Autorin die Zerstörung der Umwelt. Das Stück spielt im Jahre 2010, also in drei Jahren und fragt danach, wohin Hoffnungslosigkeit und Selbstaufgabe führen. 

 

Echoraum

Joseph Hartmann und Werner Korn
Projekte: „Die Nacht/Pasticcio“ und „Salon“
Ein Pasticcio aus Liedern und Vokalkompositonen Mozarts- dramaturgisch zusammengestellt von Einer Schleef 

Empfohlene Summe: 60.000.- 

Weiterführung eines Schleef-Projektes mit „Materialkontrasten“ – aus wechselnden, unterschiedlichen Sichtweisen die handelnden Personen im Raum kritisch und authentisch erscheinen zu lassen.
Der “Echoraum“ schaffte es immer wieder sich schwierigen Texten oder als schwer zu begreifenden Künstlerpersönlichkeiten theoretisch und mit theatral/medialen Mitteln zu nähern (z.B. Arno Schmid, ....Forrester, Rauschenberg) und eine nicht unbedingt leicht konsumierbare, aber intelligente Sichtweise hervorzubringen.
Auch Schleef-Mozart lässt keinen gemütlichen Liederabend erwarten, sondern ästhetisch-musikalische Herausforderung. 

 

Erfolgstheater

Steffen Höld, Katharina Schwarz, Sandra Schüddekopf, Christian Strasser
Projekt: „Wir machen weiter mit Sex und Gewalt“
Ein Traum von einem Fernsehabend 

Empfohlene Summe: 23.000,- 

Die vier Themenblöcke Terrortalk (Steffen Höld, Andreas Jungwirth), Erwartungen und Enttäuschungen (Katharina Schwarz), Das Funktionieren der Körper (Sandra Schüddekopf), Max & Moritz (Christian Strasser) sollen in eigenständigen Teams erarbeitet werden. Jede/r bringt seinen persönlichen Zugang zum Komplex Sex und Gewalt über die Themen ein: Die Wirkung von Statements in Talkshows, Vermischung von Rollenverhalten einer Frau im Widerspruch zu ihrer Umwelt und dem Fernsehformat „Tausche Familie“ Frau, der Körperkultwahn ausgehend von „Hände“( Dea Loher) im Stile einer Soap Oper. Die „Show –Live-Band“ Christina& Michael sollen eine Gegenspur in diesem Abend darstellen. Der Charakter ihrer Handlung basiert auf der Anarchie der Figuren Max und Moritz. Es sollen Textzeilen daraus vertont werden.
Der Zynismus der sich durchs Medium Fernsehen im Umgang mit Sex und Gewalt einstellt, soll hier durch eine Bloßstellung der Fernsehmittel im Kontext von Theater thematisiert werden. Ebenso beachtenswert finden wir den Wunsch der Gruppe, den immer wieder im Theater auftauchenden Traum im Kollektiv ohne feste Rollenverteilung zu arbeiten. Dies soll und kann eine Stärke des Freien Theaters sein. 

 

Generationentheater - Erinnerungstheater

Erika Kaufmann/Herbert Adamec/Ulrich Kaufmann
Festival: „Zeitschritte 5“ 

Empfohlene Summe: 20.000.- 

Während der letzten Jahre haben zumeist 3 Gruppen auf Basis von eigenen Erinnerungen der TeilnehmerInnen im Seniorenalter unter professioneller Anleitung Theateraufführungen erarbeitet und jedes Jahr im Rahmen eines Festivals (und zahlreichen Wiederaufnahmen) auf die Bühne gebracht. Dabei entstanden je nach Herkunft der SpielleiterInnen Erzähltheater, Collagen, ein Stück, videounterstützte Erzählungen.
Das diesjährige Vorhaben konzentriert sich auf Museumstheater – Belebung ausgestellter Objekte durch lebendige Darsteller, und auf Bewegungstheater und Film.
„Erinnerungstheater“ hat in vielen europäischen Ländern Einzug gefunden und geht weit darüber hinaus in den Soziokulturellen Bereich. Es ist lebendige Geschichte authentisch erzählt und eine kreative Herausforderung für die älteren bis alten Mitwirkenden. 

 

Gesellschaft für subventionierte Kunst – Casa del Kung Fu

Peter Waldeck
Projekt: Rabenhof Classics 

Empfohlene Summe: 40.000.- 

Casa del Kung Fu steht seit Jahren für trashiges Theater mit vielen schrägen Einfällen und unter Einbeziehung von populärkulturellen Trends. Dazu zählen die Benutzung von Splatter-Movies, Anleihen bei Horror-Filmen und Comics, gepaart mit ihrem skurrilen Humor und surrealistischem Witz. Erfolgreich haben sie in der letzten Spielzeit eine außergewöhnliche Inszenierung von
„Die Räuber“ als Highspeed-Theater mit östlichem Flair geschaffen.
Insbesondere im Rabenhof hat die Gruppe ein Publikum gefunden, bei dem sie Kultstatus erlangt hat. In der kommenden Saison wird ein weiterer Klassiker von ihnen bearbeitet. 

 

Gods Entertainment

Borislaw Ceko/Simon Steinhauser/Lena Wicke
Projekt: Eröffnung für die neue Intendanz dietheater (Nachwuchs) 

Empfohlene Summe: 20.000,- 

Gods Entertainmant schafft es in seinen bisherigen Produktionen ausgehend von einfachen und klaren Grundannahmen den Zuschauer in eine Situation zu führen, die ihre Kraft und ihren Reiz abseits eines traditionellen Dramaturgieverständnis entwickelt. Produktionen wie „Fight Club“ und „Wien ist anders“ sind markante Beispiel dafür. In ihrer neuen Produktion wollen sie weiter das Verhältnis Bühne / Zuschauer thematisieren. Rollenwechsel des Zuschauers von Zeuge zu Mittäter, Theater als Intervention sind ihre Formeln. Ihr unverkrampfter Zugang zum Theater, das immer nah am Rausch der Party stattfindet, und dadurch auch vor Phasen der Stagnation nicht gefeit ist, hat das Potential sich zu einer eigenen und starken Kraft zu entwickeln. Gods Entertainment sehen wir als Nachwuchs, die in ihrem Einsatz und ihrer Themenwahl zu den interessanten Newcomer der Wiener Szene zu zählen sind. Diesen Versuch und ihre Zusammenarbeit mit der neuen Intendanz von dietheater halten wir für förderungswürdig. 

 

iffland&söhne

Leitung/Regie: Anna-Maria Krassnig/Christian Mair
Projekt: Salon 5 im Brick und 2 Produktionen 

Empfohlene Summe:: 1- Jahresförderung zu 90.000,- 

iffland&söhne plant das terminierte aber längerfristige Theaterprojekt Salon 5 im Brick 5, einem Fabriksgebäude im 15. Bezirk in der Nähe zum Gürtel. Geplant ist die kontinuierliche Arbeit mit SchauspielerInnen und mehrere größere und kleiner Projekte, die sich im gesamten Komplex abspielen, und damit einen interessanten und themenbezogenen Rahmen bieten. Im Zentrum stehen die Projekte „Torture the Artist“ nach einem Roman Joey Goebel und „Ich&Kaminski“ von Daniel Kehlmann. Vincent „Torture the Artist“ spielt in einer Welt, in der ein einziger alle großen Popsongs und Filme erschaffen hat, ein geniale aber unglücklicher Künstler. Damit ihm die Ideen nicht ausgehen sorgen „Beschützer“ dafür, dass ihm ständig neues Leid widerfährt. Denn das ist der Rohstoff, aus der wahre Kunst entsteht. Diese Widerspruch erzeugende Aussage soll in dieser Arbeit zu einer Auseinandersetzung über die Funktion von Kunst, Medien und Bedingungen von Kunst führen. Im Roman „Ich&Kaminski“ beschreibt Daniel Kehlmann Sebastian Zöllner, einen Kunstkritiker, „die Zecke“ genannt. Er will seine Karriere endgültig mit einer Biographie des berühmten und sagenumwobenen Malers Kaminski auf die Sprünge halfen. „Berühmt sein heißt jemanden wie mich (die Zecke) zu haben“.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit sieht Anna-Maria Krassnig auch die Ensemblearbeit, nämlich mit SchauspielerInnen eine spezifische auf einander abgestimmte Sprache zu entwickeln. Das verlangt längere Probenphasen und Kontinuität. Die Jahresförderung soll Iffland&Söhne die Möglichkeit geben ihr Unterfangen zu starten und ihre Vorstellungen von Theater umzusetzen. 

 

Il progetto semiserio

Projekt: “Romeo +/- Julia
Kompositionsauftrag an Jörg Ulrich Krak
Nach barocker Opernvorlage von Jiri Antonin Bada
Musikalische Leitung: Mario Aschauer
Inszenierung: Andreas Leiser 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

Ausgehend von der Barockmusik möchte die ambitionierte Gruppe neue Wege für alte Musik entdecken und weiterentwickeln (wie das in der Literatur mit alten Stoffen auch geschieht). Durch den Kompositionsauftrag wird die Musik mit der Gegenwart verbunden, wobei die Musiker auf Originalinstrumenten spielen. 
„Romeo +/- Julia“ verspricht zudem eine dramaturgisch interessante Herangehensweise an den alten Stoff mit neuen Texten, indem mit einem alterndem Paar, dem seine Gefühle füreinander verloren gegangen sind, eine weitere Erzählebene eingeführt wird. Eine Situation der Auflösung, die auch im Bühnen/Kostümkonzept geplant ist und schlüssig wirkt. 

Die Konfrontation von „alt und neu“ hat die Gruppe bereits mit medialen Mitteln erprobt, wie das im positive Sinn polarisierende Projekt „Il Trionfo“ –Film trifft auf Oper gezeigt hat. 

 

Im_flieger

Leitung: Amita Kaya 

Empfohlen: 1-Jahresförderung zu € 60.000.- 

IM_FLIEGER hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 zunehmend als lebendiger, impuls- gebender- und setzender Raum innerhalb des WUK-Komplexes etabliert. Die mannigfaltigen Aktivitäten erstrecken sich nicht nur auf Aufführungen oder Showings im Bereich des zeitgenössischen Tanz- und Performanceschaffens, sondern beinhalten eigens konzipierte Formate und Reihen, welche kontinuierlich stattfinden und einer Vielzahl von lokalen KünstlerInnen eine öffentliche (Aufführungs-)Plattform bieten. In der nächsten Saison werden Im_Flieger die gut angenommenen Formate Wilde Mischung, Crossbreads (in Kooperation mit anderen Bereichen des WUK), im_Flieger invites fortgeführt bzw. ausgebaut. Besondere Wichtigkeit kommt den zahlreichen Aktivitäten in Hinblick auf den lokalen Nachwuchs zu, da im_flieger jüngeren oder noch nicht so etablierten KünstlerInnen eine Möglichkeit bietet, ihre Arbeiten oder Ansätze an einem Ort vorzustellen, der aufgrund seiner Struktur auch kurzfristig bzw. unbürokratisch agieren kann 

 

Jérome Junod

Projekt: „Gesäubert“ von Sarah Kane 

Empfohlene Summe: € 6.400,- (Nachwuchsförderung) 

Jérome Junod ist noch Regiestudent am Reinhardtseminar. Gemeinsam mit KollegInnen möchte er sich dem Stück körperlich nähern. Geplant ist zudem eine Koproduktion mit dem Theater Landungsbrücke Frankfurt/Main und Theatre du Grütli Genf. Diese Empfehlung sehen wir als eine Nachwuchsförderung im Bereich Theater und wir zudem unter der neuen Leitung im WUK gefördert. 

 

KASAL – Linda Samaraweerova

Projekt: karl karner gestorben am.... 

Empfohlene Summe: € 7.500.- (Nachwuchsförderung) 

In ihrem neuesten Projekt karl karner gestorben am.... beschäftigen sich die, bei P.A.R.T.S. in Brüssel ausgebildete Tänzerin und Choreografin, Linda Sameraweerova und der bildende Künstler Karl Karner mit den Themen Perfektion und Kontrolle. Ausgangspunkt ihrer Recherche und ihres interdisziplinären Ansatzes ist, wie bereits in vorangegangenen Arbeiten (vorgestellt beim imagetanz-Festival 07 bzw. bei
x-change im Tanzquartier Wien), der öffentliche Körper. Dabei interessiert die beiden jungen Künstler sowohl der ausgestellte Körper des Interpreten als auch der anonymere Körper des Publikums.
Die konzeptuelle Herangehensweise in ihren Stücken wird durch das Einbeziehen von verschiedenen Medien, das Kreieren von teils absurden Figuren und einer starken visuellen Handschrift zu einem performativen Setting, das sich bewusst einer eindeutigen Lesbarkeit entzieht. Bereits mit ihren jüngsten Stücken hat sich Linda Samaraweerova als ernst zunehmende Nachwuchschoreografin vorgestellt, deren Bild- und Bewegungssprache neue Wege einschlägt. 

 

Kinoki - Verein für audiovisuelle Selbstbestimmung

Leitung/Regie: Tina Leisch
Projekt: Take Your Destiny (Wiederaufnahme) 

Empfohlene Summe: € 9.500,- 

Wiederaufnahme eines Theaterstückes, dass Tina Leisch mit der Autorin Alma Hadzibeganovic verfasst, und mit jugendlichen Insassen der Justizanstalt Gerasdorf und SchauspielerInnen bisher in einigen Justizanstalten aufgeführt hat. Im Herbst 2007 werden alle Insassen entlassen sein. Tina Leischs interessante Theaterarbeit, die sehr glaubhaft mit Themen von sozialer Sprengkraft umgeht, kann so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Tina Leisch ist für Wien eine wichtige und beachtenswerte Künstlerin vor allem durch ihre professionelle und spannende Arbeit im interkulturellen Bereich. Auch finden wir bemerkenswert, dass sie mit professionellen Darstellern mit Migrationshintergrund arbeiten. Daneben überzeugt der Zugang und die Beschäftigung mit der sozialen Situation der Jugendlichen, Straftäter aus Immigrationsfamilien, die schon in der 2. Generation hier leben. Eine fetzige „Tschuschenpower“ – Stück; Theater ganz nah am Leben, wie selten so Thomas Jorda (NÖN).

 

Kunstgriff-Companie Samfu

Leitung: Elisabeth Orlofsky (Choreographie)/Rainer Warrings
Projekt: „Heimat“ 

Empfohlene Summe:€ 30.000.- 

Teil eines interkulturellen EU-Projektes ausgehend von Spielwerk/Augsburg mit 5 Theatern aus EU Ländern
In Zusammenarbeit mit Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren 

Ausgangpunkt dieser Arbeit ist, den Begriff Heimat und Europa zu entdecken, und zwar aus dem Blickwinkel von Wiener Jugendlichen aus langeingesessenen Familien und aus Zuwanderfamilien. Die TeilnehmerInnen aus den verschiedenen Ländern treffen sich auch zum Austausch. Resultat ist eine Performance – choreografiert von Elisabeth Orlofsky mit den TänzerInnen der Companie Smafu.
Die Gruppe hat bereits eine Reihe von sehenswerten Produktionen herausgebracht. „Heimat“ ist durch die Herangehensweise, Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zu dem Thema mit einzubeziehen und die Improvisationen mit Profis basierend auf den Interviews interessant, und lässt einen differenzierten Blick und künstlerisches Niveau erwarten. Dazu soll eine eigene Komposition entstehen.
Die Produktionen werden anscheinend nur in ihren Heimatländern gezeigt.
Eine Ausstellung und Installation zu dem Thema soll an allen Spielorten zu sehen sein. 

 

L8 – Theater im 21. Jahrhundert

Leitung: Romana C. Lakinger
Projekt: „4.48 Psychose“ von Sarah Kane Regie: Julian Klein 

Empfohlene Summe: € 13.500,- (Nachwuchsförderung) 

Wir empfehlen diese Produktion auf Grund unseres Interesses für die Arbeit von Julian Klein. Der junge Regisseur hat vor allem im Theaterhaus Stuttgart (2005) und in Berlin (Hau 2004) auf sich aufmerksam gemacht. In dem Konzept der Gruppe (gemeinsam mit Romana Caren) zu Sarah Kane’s „4.48 Psychose“ spielt die Übertragung von Gehirnwellen als Klangraum die interpretatorische Grundlage. Dieser Ansatz scheint uns für dieses Stück ein interessanter Zugang, zu einem Stück, das psychotische Veränderungen im Gehirn thematisiert. Das Projekt ist als Nachwuchsförderung zu verstehen. 

 

Liquid Loft - Chris Haring 


Empfohlen: 2-Jahresförderung € 70.000.- per anno 

Chris Haring zählt seit etlichen Jahren zu den herausragenden Protagonisten der heimischen Tanzszene. Nach weltweitem Touring mit den Erfolgsstücken D.A.V.E. und Vivisektor, deren originärer Einsatz von Video und Sound ein perfektes Körperspektakel bot, gründete er 2004 das Label liquid loft. Gemeinsam mit der Ausnahmetänzerin Stephanie Cumming, dem Musiker Andreas Berger, dem Regisseur Thomas Jelinek und der Philosophin Katherina Zakravsky entwickelt er choreografische Stücke, die sich intensiv mit anderen zeitgenössischen Kunstgattungen auseinandersetzen. Die – auch international stark gefragten – Produktionen der vergangenen Jahre überzeugten (neben den exzellenten InterpretInnen) durch ein gesamtkompositorisches Formverständnis, das Raum, Sound bzw. Akustik, Text und Bewegung gegeneinander verschaltet und gleichzeitig in Beziehung zueinander stellt.
Posing Projects betitelt Chris Haring die geplanten Projekte der kommenden zwei Jahre, welche auf einer konzeptuellen, kollektiven Recherche gemeinsam mit den Beteiligten basieren. Im Zentrum der Fragestellungen steht die menschliche Kommunikation, die Pose als Ausdruck einer Haltung sowie der soziale Kontext, in dem Kommunikation stattfindet. Liquid Loft wird sich neuerlich verschiedener ästhetischer Verfahren und Mittel bedienen, wobei ein multimedialer Umgang und interaktive Beteiligung des Publikums im Vordergrund stehen. 

 

MOKI

Leitung: Stefan Kuhalka
Projekt: „Versprochen ist Versprochen“ oder „Die Hexenhochzeit“
Commedia dell´arte typisches Märchen mit Masken 

Empfohlene Summe: € 15.000.- 

MOKI – Mobiles Kindertheater – ist eine Gruppe, die nicht im kleinen Stil, sondern mit Bühne und Ensemble in Schulen usw. zu den Kindern kommt und somit eine Atmosphäre von Theater vermittelt.
Wir haben uns deshalb für einen Produktionszuschuss entschieden, da MOKI eine lange Geschichte in der Wiener Kindertheaterszene hat. Es hat ein festes, vielseitiges Ensemble und
arbeitet mit auswärtigen Regisseuren.
Theater an die Kinder zu bringen, denen diese Kunstform sonst verschlossen bliebe, ist wichtig.
Doch muss auch die künstlerische Qualität stimmen, die von LehrerInnen nicht immer wahrgenommen wird. 

 

Musikwerkstatt Wien

Musikalische Leitung: James Huw Rhys James 

Empfohlen: 2-Jahresförderung zu € 130.000.- per anno 

Die „Musikwerkstatt Wien“ ist seit Jahren mit modernen Opernaufführungen in der Stadt präsent gewesen. Seit einiger Zeit kam ein weiterer Schwerpunkt, die bis jetzt unterrepräsentierte Barock- bzw. Rokoko-Oper hinzu, wo vor allem die Wiederentdeckung von „L´Artaserse in der letzten Spielzeit im kongenialen Raumkonzept im Semperdepot zu erwähnen ist, das die ZuschauerInnen nahe an die Mitwirkenden setzte.
Die projektierten Produktionen umfassen „Les Cenci“ ein Musiktheater von Giorgio Battistelli nach Antonin Artaud als österreichische Erstaufführung, ein weiteres Werk aus der Reihe „re-descovering Rokoko“ – „La Diavolessa“ von Baldessare Galuppi und Carlo Goldoni, ebenfalls eine österreichische Erstaufführung, das nach „L´Artaserse“ das Vertrauen in die Musikwerkstatt, vergessene Werke aufzuführen, stärkt.
Ein weiteres Kriterium für die Empfehlung ist die geplante Uraufführung von „Das Mädl aus der Vorstadt“ von Christian Ehrenfellner in der Studiobühne der Universität für Musik- und Darstellende Kunst. Hier ist der Schwerpunkt auf prozessorientiertem Arbeiten mit dem Werk eines jungen in Österreich wirkenden Komponisten. Die „Musikwerkstatt“ arbeitet darüber hinaus auch immer wieder mit jungen RegisseurInnen und DirigentInnen. Und findet Co-Produktionspartner wie die „Berliner Kammeroper“ und „Music Theatre Wales“, London Contemporary Opera oder K.L.A.S. 

 

NOMAD.theatre

Leitung: Thomas J.Jelinek 

Empfohlen: Jahreszuschuss zu € 50.000,- 

Die Arbeit des NOMAD.theatre versteht sich als LABfactory auf medialem Gebiet und fußt im Wesentlichen auf drei Säulen: kontextlab, performinglab und camp.LAB. Neben den zuletzt gezeigten Kontextlabs in ihrem Raum in der Praterstraße, die themenspezifische Serien (z.B. „Utopie“) zu Grunde lagen, sollen nun in den Feldern performingLab und camplab weitere Schritte unternommen werden. NOMAD.theatre arbeitet an der Entwicklung zeitadäquater Kommunikations- und Ausdrucksformen wie transdisziplinärer Projekte im performativen und situationbsbezogenen wie dem als theatral bezeichneten Kontext. Die bis jetzt von uns wahrgenommen kontextLAB Abende – Filmausschnitte, Video, Internet, elektronische Musik usw. im Kontext zu theoretischen und literarischen Texten waren im Ablauf erstaunlich konventionell. Trotzdem sehen wir in ihrem Ansatz die Möglichkeit einer tiefergehenden Verschmelzung unterschiedlicher Präsentationsformen. Ihr Versuch Arbeitsprozesse neu zu definieren, ihre mediale Vermittlung und der diskursive Austausch soll über einen einzelnen Abend hinaus weiterentwickelt werden können und ihren Intentionen entsprechende Ergebnisse erzielen. 

 

Palast Theater Wien

Ali M. Abdullah
Harald Posch
Projekt: Drama X 2007/2008 - „Labor der Niederlagen“ 

Empfohlen: 1- Jahresförderung zu € 150.000,- 

1. Stufe:
Firmengeschichten und Bilanzen gescheiterte Unternehmen, Interviews dienen als Materialiensammlungen für Autoren (erwähnt u.a. Robert Woelfl, Kathrin Röggla, Bernhard Studlar, Albert Ostermaier, Ulrike Syha, Lukas Bärfuss, Karla Ernst),
2.Stufe:
Tryouts für die Regisseure
Als Regisseure u.a. genannt: Tom Kühnel, Samuel Schwarz, Philine Velhagen&Barabara Te Kock, Sandra Schüddekopf, Alexander Kubelka, Harald Posch, Ali M. Abdullah, Christoph Ernst, Antje Thoms, Andrea Huegli, Angela Richter 

Motto: Unterschiedliche Formentwickungen
Kooperationen mit verschiedenen Häusern in Deutschland und Österreich sind angestrebt. ! 

Die Arbeit von Drama X gehört derzeit zu den wichtigsten Theaterunternehmungen der Freien Szene. Hervor sticht die Arbeit mit AutorInnen, die Qualität der Auswahl der RegisseurInnen und DarstellerInnen und ihr Anliegen sich mit der gesellschaftlichen Funktion von Theater durch ihre Themenwahl auseinander zu setzen. So in ihrer letzten Unternehmung „Drama X 2006 - 5 Regisseure inszenieren 5 Dokumentarfilme für die Bühne“. Durch die Wahl von Dokumentarfilmen als Ausgangsmaterial, (an dem sich die fünf RegisseurInnen auf sehr unterschiedliche Weise abgearbeitet haben) wurde eindrucksvoll die Stärke und Grenze der Wirkungskraft von Theater gegenüber der Realität, wie sie durch die Filme vermittelt wurde, ins Spiel gebracht. Ihre Bemühungen Theater in der öffentlichen Diskussion zu halten, ist wirkungsvoll und künstlerisch interessant. 

 

perForm – Barbara Kraus 


Empfohlen: 2-Jahresförderung zu € 60.000.- per anno 

Barbara Kraus nimmt mit ihren Performances, Happenings, Improvisationen und Bühnenstücken eine singuläre Position im heimischen Tanzschaffen ein. Die von ihr initiierten Aktionen bieten dem Publikum wenig Gelegenheit sich bequem zurück zulehnen, das direkte und oftmals sehr unvermittelte Adressieren an die ZuschauerInnen ist schon zu ihrer Trademark geworden. Im Zentrum ihres Interesses stehen die Menschen, deren Biografien und persönlichen Erlebnisse, gesellschaftspolitische Ereignisse, soziale Ungerechtigkeiten, die sie seismographisch aufnimmt und teilweise subtil, teilweise vordergründig in ihre Performances einfließen läßt. Für Herbst 2007 plant sie eine fiktiv-reale Erzähl- und Leseperformance, die sich intensiv mit ihrer eigenen Herkunft, der ländlich-städtischen Sozialisation, den Erinnerungen daran, aber auch mit Biografien von FreundInnen und KollegInnen beschäftigt. 2008 holt sie den, von ihr kreierten und fast schon zur Kultfigur gewordenen, Johnny, auf die öffentliche Bühne zurück. Gemeinsam mit dem Musikjournalisten und DJ Fritz Ostermayer initiiert sie ein Talkshowformat, das prekäre Lebenssituationen, zivilen Ungehorsam und künstlerische Wachheit thematisiert und als improvisierte Doppel-Conference auch an nicht theatralen Orten stattfinden wird. 

 

Pop Up Theatre

Leitung/Regie: Zeno Stanek
Projekt: „Live fast die young“ von Susi Wirth 

Empfohlene Summe :€ 28.000.- 

Susi Wirth war Teilnehmerin von SCHREIBZEIT im Dschungel Wien – ein gemeinsames Projekt mit dem Kaiserverlag, dem Institut für Jugendliteratur und dem Buchklub.
Das Stück entstand in mehreren Phasen während dieses Workshops, in welchem die TeilnehmerInnen dramaturgisch von Zeno Stanek und Fachleuten aus dem Theaterbereich begleitet wurden.
Susi Wirth verfasste ein Musik/Theater-Stück in dem beide Komponenten gleichwertig vorhanden sind. Der 19 jährige Protagonist drückt durch die Musik/Lieder aus, „was er sonst nie sagen würde“. Er ist HIV-positiv und will nichts anderes als hier und jetzt leben. Schwierigkeiten mit seiner „Krankheit“ haben die anderen.
Susi Wirth ist ein Stück gelungen, das in rhythmischer Sprache ein verdrängtes Randthema aufgreift ohne ein Sozialdrama daraus zu machen. Das überraschende Ende gibt dem Thema „Endlichkeit“ noch einmal eine weitere Bedeutung.
Es gibt in Wien wenige AutorInnen, die Stücke für das Kinder- und Jugendtheater schreiben, die auch an anderen Bühnen nachgespielt werden können. „Schreibzeit“ ist ein Weg dahin, solche AutorInnen aufzuspüren und zu ermutigen diesen Weg zu gehen. 

 

Sirene Operntheater

Kristine Tornquist und Jury Everhartz 

Empfohlen: 2-Jahresförderung zu € 120.000.- per anno 

Uraufführungen und Opern flexibel und risikofreudig zu produzieren ist das Credo des „Sirene Operntheaters“. Mit ihren Auftragsarbeiten sind sie ein wichtiger Impulsgeber in der Musiktheaterszene. Wie z.B. mit den Auftragwerken „Operellen“ 1 + 2 – in dem eine Reihe zeitgenössischer AutorInnen Libretti verfasste, die von zeitgenössischen KomponistInnen vertont wurden. Dabei entstand abwechslungsreiches Musiktheater, das sowohl literarisch als auch musikalisch interessierten ZuschauerInnen die Vielfalt der teilnehmend Künstler vor Augen und Ohren führte.
Auch in den nächsten Spielzeiten ist ein Kurzopernfestival mit Auftragskompositionen geplant, ebenso u.a. eine Installation von Jacob Schleier – „5 Monochorde“, eine Ko-Produktion mit „Tonwerk“ und „Toxic Dreams“( im Rahmen dessen Zyklus “realistisches Theater“) – „Nadjeschada“ eine Oper von Ahos Banlaky, eine Koproduktion mit dem Tanzverein Erdberg – „7 Tage 8 mal super super“, sowie weitere Zusammenarbeiten, die sich seit den „Operellen“ fortsetzen: Eine Humoreske von Schwertsik/ Tornquist, „Der Wohltäter“ nach Susan Sonntag (Everetz/Tornquist).
Das „Sirene Operntheater“ hat in den letzten Jahren eigenständige und wesentliche Akzente gesetzt, geht über sein „eigentliches“ Genre hinaus und sucht neue Herausforderungen und Zusammenarbeit. Obwohl uns scheint, dass sich hier sehr viel vorgenommen wurde, denken wir, dass die Praxis zeigt, was wirklich realisiert werden kann. 

 

Szene Bunte Wähne

Leitung: Guido Wirth/Johanna Figl
Tanzfestival für Kinder- und Jugendliche im Dschungel 

Empfohlen: 1-Jahresförderung zu € 100.000-.- 

Gegründet 1991 hat das Festival wesentlich zur Entwicklung des Tanzes für Kinder und Jugendliche beigetragen. Es bietet Gruppen, ChoreographInnen, TänzerInnen nicht nur eine Plattform sich zu präsentieren, sondern auch die Möglichkeit sich mit der internationalen Szene auszutauschen . z. B durch Co-Produktionen.
Neben dem eigentlichen Festival gibt es seit einiger Zeit den Schwerpunkt „Nachwuchs“, der in mehreren Stufen - von Amateurauftritten bis professioneller Unterstützung und eigener Produktion – abläuft. Dabei wird mit Ausbildungsstätten zusammengearbeitet und ein „Coaching-System“ aufgebaut, das dramaturgische Unterstützung leistet.
Seit 2007 soll die „Professionalisierung“ des Nachwuchses in der Reihe Aut.dance intensiviert werden.
Das letzte Festival hatte den Schwerpunkt „Wiener. Szene“, 2008 werden wieder mehr internationale Produktionen eingeladen und ein Schwerpunkt auf Dialog und Vernetzung gesetzt, wobei wir vor allem auf einen fruchtbaren künstlerischen Austausch hoffen.
Die Bedeutung von „Szene Bunte Wähne“ für den österreichische Kinder- und Jugendtheatertanz ist unbestritten und es wurde viel erreicht. 

 

Tanztheater Homunculus

Leitung: Nikolaus Selimov 

Empfohlen: 1-Jahresförderung zu € 70.000.- 

Das, 1981 von Nikolaus Selimov und Manfred Aichinger gegründete und geleitete Tanztheater Homunculus zählt zu den traditionsreichsten Kompanien in der freien Wiener Szene. Die ursprünglich literarisch inspirierte Bewegungssprache hat sich über die Jahrzehnte stets weiterentwickelt und stark verändert. Seit Beginn der 90er Jahre widmet sich das Tanztheater Homunculus verstärkt dem Aufbau und der Pflege eines kontinuierlich zusammen arbeitenden TänzerInnenensembles. Die Einladung an GastchoreografInnen und Mitglieder des Ensembles unter dem Label zu produzieren, ist als ein weiterer Schritt der Öffnung zu sehen. Diese „Risikobereitschaft“ hat naturgemäß zu ästhetisch sehr divergierenden Aufführungen geführt. Die Projektvorhaben für 2008 umfassen neben dem Tanzstück Königsspiel / Krone sucht König, erarbeitet von Karin Steinbrugger für Jugendliche ab 13 Jahren ein abendfüllendes Gruppenstück unter der künstlerischen Leitung von Nikolaus Selimov. 

 

Tanztheater Springschuh

Leitung/Choreografie: Isabel M. Nowak
Projekt : „Max und Moritz“ 

Empfohlene Summe: € 20.000.- 

Isabel M. Nowak ist eine vielversprechende, eigenwillige, junge Choreographien, die bereits mit ihren ersten Produktionen aufgefallen ist (z. B. „Plüsch“, „Eisvogel“). Beachtenswert war die Bandbreite und die Tatsache, dass sie sowohl mit Jugendlichen als auch mit professionellen TänzerInnen gut zusammenarbeiten kann.
Das Konzept von „Max und Moritz“ hat viele Ebenen, die auf dem Papier schlüssiger wirken, als in der Umsetzung. Isabel ist eine kreative und aus dem Bauch heraus arbeitende Künstlerin und so warten wir nach einem Gespräch voll Spannung auf die neue Produktion.
Erwähnenswert st außerdem, dass sie sich schon während des Studiums ausdrücklich dem Tanz für Kinder und Jugendliche zugewandt hat. 

 

The Kissinsky Family

Satu Herrala & Paul Neuninger & Lieve de Pourcq
Projekt: Happy failing 

Empfohlene Summe: € 7.500.- (Nachwuchsförderung) 

Lieve de Pourcq (Belgien), Satu Herrala (Finnland) und Paul Neuniger (Österreich) haben sich zu dem Kollektiv The Kissinsky Family zusammengeschlossen. Alle drei sind als TänzerIn bei verschiedenen lokalen ChoreografInnen in den vergangenen Jahren in Erscheinung getreten (u.a. Willi Dorner, Milli Bitterli, Oleg Soulimenko, Doris Stelzer) und stellen nun mit Happy Failing ihr erstes eigenes Projekt vor. Ausgehend von einem Research Projekt bei impulstanz 2005 unter der Leitung von Frans Poelstra und Robert Steijn, inszenieren sie ein performatives Happening, das drei zentrale Bereiche des menschlichen Lebens - Liebe, Arbeit und Tod - thematisiert und das damit einhergehende Scheitern aufzeigt.
Ihr künstlerischer Zugriff ist ein von Humor und Leichtigkeit durchzogener, ein lustvoller „walk on the light side“, ein spielerischer Umgang unter Einbeziehung des Publikums. Die Empfehlung von Happy Failing versteht sich als Carte Blanche in Hinblick auf die Nachwuchsförderung. 

 

Theater Foxfire

Leitung/Regie: Lilly Axster und Corinne Eckenstein 

Empfohlen: 2-Jahresförderung zu € 55.000.- per anno 

“Foxfire” zählt seit Jahren zu den Gruppen, die sowohl mit ihren Themen, als auch mit unterschiedlichen Stilmitteln am Nerv des jungen Publikums sind und mit ihren Produktionen auch noch überraschen.
Besonders im Kindertheater öffnet sie sich brisanten Themen unverkrampft und mit einer sonst nicht zu sehenden Ästhetik und Rhythmik, die über das poetisch-märchenhafte oder Erzähltheater hinausgeht. Auf humorvolle Weise und mit Lilly Axsters eigenem literarischem Ausdruck erleben Kinder die Schwierigkeiten und widersprüchlichen Empfindungen, die sie mit sich – wegen der Erwartungshaltung der Erwachsenen – haben.
Das geplante Projekt für Kinder „Wildes Herz“ – über Sexualität und Lebenslust – ist seit längerem wieder eine gemeinsame Arbeit von Lilly Axster und Corinne Eckenstein und lässt die Erwartung zu, dass die Lust auch über die Bühne springt.
„Fußballfieber“ , ein Jugendtheaterprojekt von Eckenstein mit dem jungen Autor Benedict Thill (dessen erstes Stück „Schwimmer im Treibsand“ durchaus beachtenswert war) ist Teil eines länderübergreifenden Projektes (Schweiz). Foxfire ist es bisher gelungen Profis und Jugendliche auf der Bühne zusammenzubringen, ohne die Jugendlichen amateurhaft wirken zu lassen oder sie zu SchauspielerInnen zu verbiegen. Ebenso variieren ja nach Thema die Stilmitteln, was neugierig auf die nächste Produktion macht.
Darüber hinaus plant Foxfire die Wiederaufnahme ihrer Erfolgsproduktionen („Schwimmer im Treibsand“, ES-eh-IX“, „Darksite“). 

 

Theater Iskra

Leitung/Regie: Nika Sommeregger
Projekt: „Wenn ich wieder klein bin“
Theaterstück nach der gleichnamigen Erzählung von Janusz Korczak von Clemens Berger
Kombination von Schau- und Figurenspiel zum 65. Todestag von Korzcak 

Empfohlene Summe: € 28.000 

Korczaks Erzählung eines Lehrers, der sich wünscht wieder klein zu sein, um die Welt aus den Augen der Kinder zu sehen ist Basis für die Aufführung. Vom Ende her konzipiert folgt der Ablauf in konkreten Kapiteln. Das intendierte Zusammenspiel von Puppen (Peter Kettkurat) unterschiedlicher Größe und einem Schauspieler (Hubertus Zorrell) hat dramaturgischen wie darstellerischen Sinn - es thematisiert den Perspektivenwechsel des „großen“ und „klein gewordenen“ Lehrers. „Groß/klein“ als Kinderblick - „von oben/von unten“.
Überdies geht Nika Sommeregger mit sehr unterschiedlichen Spiel- und Erzählweisen an ihre Themen heran und beweist mit Sensibilität, genauer (Bild-)Sprache und Schauspielerführung, dass man Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung machen kann, ohne belehrend zu sein.
Mit Clemens Berger wurde einem jungen Essayisten und Romancier die Dramatisierung anvertraut, was ein mutiger Schritt ist. 

 

Theater. Wozek 


Empfohlen: 1- Jahresförderung zu € 100.000,- 

Karl Wozeks Arbeit zeichnet sich durch Einsatz und Engagement für Themen in sozialen Randfeldern der Gesellschaft aus. Er arbeitet mit SchauspielerInnen und Laien, besonders erwähnenswert erscheint uns auch seine Beschäftigung mit Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Die Themenwahl seiner Projekte ist ein Ausrufezeichen für ein politisches und soziales Theater. 

Derzeitige Projektvorschläge:
„ Fatima oder Die Völkerwanderung“ ist ein Stück über Fremdenhass, in dem der Sexismus, Chauvinismus, Gewalt und Poesie von Menschen aus unserer Gesellschaft gezeigt werden soll. Zwei weiße Männer und eine dunkelhäutige Frau begegnen einander im Wiener Wald. 

„Öl die Zweite“ nach „Öl die österreichische Literaturshow, ein letztes Stück Heimat“ Vier SchauspielerInnen (darunter ein Conférenciers) und mit einem DJ. Die aktuelle politische Lage und die sog. „Volksbefindlichkeit“ bilden den Hintergrund für kurze Szenen und Songs. 

„Jugend ohne Gott“ nach Ödön v. Horvath; Projekt mit Jugendlichen, die sich auf Grundlage von Interviews und Gesprächen über das Lebensgefühl der Jugendlichen im heute mit dem Roman „Jugend ohne Gott“ auseinandersetzen. 

„Anschlag“ erzählt von zwei gescheiterten Menschen, die aus ihrer Sinn- und Glücklosigkeit einen behinderten Menschen missbrauchen. 

„Armut“ von Anton Wildgans. In einer bearbeiteten Fassung von Karl Wozek. 

Wir sehen allerdings auch, dass die Fülle der engagierten Projekte eventuell einen Spielzeitrahmen sprengen könnten.
theatercombinat
Claudia Bosse 

 

Tragödienproduzenten Teil 2

Projekte: Elfriede Jelinek „Bambiland“ und „Tragödienproduzentenmultihybrid“ 

Empfohlen: 2- Jahresförderung - p.a. € 170.000.- 

Folgerichtig setzt sich Bosse in ihrem Zugang zu den klassischen Texten mit dem Werk Bambiland auseinander. Das Werk von Elfriede Jelinek fußt selbst auf den „Perser“ des Aischylos. 

In „Tragödienproduzentenmultihybrid“ wird Claudia Bosse 2009 alle ihre „Tragödien-Arbeiten“ in einen Gesamtkomplex zeigen. 

Claudia Bosse, die seit 1998 in Wien arbeitet, zählt zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der Freien Szene in Wien. In ihrer Arbeit thematisiert sie durch ihre spezifischen Auseinandersetzungen mit den gewählten Texten deren moralische Schlagkraft für heute. Kaum eine andere Regisseurin im deutschen Sprachraum schafft es derzeit auf eine so profunde Weise die Notwendigkeit von Theater, seinen Stellunwert in unserer Gesellschaft und die Frage nach seinen Wirkungskräften außerhalb von festen Theaterstrukturen zu thematisieren. Ihre Beschäftigung mit Grundtexten wie den Persern oder der Brückenschlag zu Jelineks Bambiland sehen wir als ihren Anspruch sich mit den zentralen Säulen unserer Kultur zu konfrontieren. In ihrer Arbeit ist Theater immer eine Grenzerfahrung, und an dieser Grenze, die unsere Seh-, Hör- und Genusswelten zum Teil extrem fordert, entstehen Momente von Nacktheit, die wenn man dem Theater eine innewohnende Sehnsucht nach Ursprung und Ursprünglichkeit zu schreiben möchte, ein gewalttätigen Ausdruck dessen darstellt. 

 

THEATRE

Leitung: Alexandra Hutter und Helmut Berger
Projekt: „König und König“
Nach dem Bilderbuch von Linde de Haan und Sten Nijand
Regie: Barabara Loibnegger 

Empfohlene Summe: € 19.000.- 

Gleichgeschlechtliche Liebe ist ein Thema, das im Kindertheater eher ausgelassen wird.
Ein Prinz soll heiraten, Prinzessinnen werden „vorgeführt“, er verliebt sich in den begleitenden Bruder einer Prinzessin und schließlich leben die beiden Prinzen glücklich miteinander.
Das Thema wird in eine Märchenhandlung eingebaut, zur Revue erweitert, wenn es um die Brautwerbung geht und endet schließlich in einer Hochzeit zum Mitmachen.
Abgesehen davon, dass es im Kindertheater immer auch notwendig ist, sich mit Randthemen zu beschäftigen, könnte hier ein Weg sein, dies in vertraute Erzähl- und Handlungsstrukturen einzubauen, sodass nicht das „Anderssein“ als Konflikt, sondern als Teil des „Menschseins“ behandelt wird. Durch die Teilnahme an der Hochzeitszeremonie wird das gesellschaftliche Akzeptiert sein gleich ins Spiel eingebaut.
Hier wird nicht das Theater neu erfunden, aber der Versuch gemacht, Mitteln gezielt der Handlung entsprechend einzusetzen. Abzuwarten ist, wie die Regisseurin in ihrer ersten Arbeit Klischees umschifft, aber die positive Erwartung überwiegt.
Dazu kommt, dass die DarstellerInnen eine gute Ausbildung haben, was auch im Freien Kindertheater möglich sein soll. 

 

Tiyatro Brücke

Leitung/Regie: Hakan Yavas
Projekt: „Nach der Grenze“ (Arbeitstitel) von Julya Rabinowich und Rhea Krcmarowa 

Empfohlene Summe: € 40.000,- 

Thema der Theaterproduktion „ Nach der Grenze“ ist das Zusammenleben verschiedener Kulturen, Religionen und Generationen in den modernen Gesellschaften. Die beiden Autorinnen Julya Rabinowich und Rhea Krcmarowa wurden beide durch die „Wortstätten“ gefördert. Julia Rabinowich ist St. Petersburg geboren und emigrierte als 7-jährige mit ihrer jüdischen Familie nach Österreich. In ihrem Text „die Hunde von Ostia“ beschreibt sie Stationen dieser Migration, aber es werden auch andere Erfahrungswelten von Frauen berührt. Dies spielt für das Projekt „Nach der Grenze“ eine wichtige Rolle. Rhea Krcmarowa kam auch sehr jung nach Österreich, und zwar aus der damaligen Tschechoslowakei. Ihr Text „Staatenlos“ thematisiert die Schwierigkeiten der Entwurzelung für sehr junge Menschen. Die Suche nach Orientierung sowie das „Zwischen den Kulturen“-Stehen stehen bei ihr im Zentrum. Für „Nach der Grenze“ erarbeiten beide einen gemeinsamen Text. 

Die Arbeit der Gruppe Tiyatro Brücke um den Regisseur Hakan Yavas zeichnet sich auch durch ihre Professionalität aus. Bereits mit der Produktion „Fremde Monologe“ hat sie mit dem literarischen Umgang mit authentischem Material und eine gelungene formale und lyrische Inszenierung geschaffen. Besonders erwähnenswert erscheint uns die Arbeit mit SchauspielerInnen mit Migrationshintergrund. So kann dieses Theater sowohl künstlerisch als auch thematisch Erfahrungen von MigrantInnen unmittelbar und überzeugend zur Umsetzung bringen. 

 

Verein Chimera - Daniel Aschwanden

Projekt: Das Pathosbüro 

Empfohlen: 1-Jahreszuschuss zu € 40.000.- 

Die künstlerische Biografie von Daniel Aschwanden ist durchzogen von einem pionierhaften Schaffen, das ständig nach neuen und noch unverbrauchten Methoden und Ausdrucksformen in der zeitgenössischen Performance sucht. Mit der Gründung des Labels Bilderwerfer, das Menschen mit und ohne Behinderung in ein theatral-performatives Miteinander brachte, des weiteren beschäftigte er sich – längst vor dem eigentlichen Boom – mit dem Einsatz und der theatralen Nutzung von Neuen Medien. Für 2007/2008 unternimmt er nun, gemeinsam mit in Wien ansässigen, jungen KollegInnen, eine Forschungsreise, welche bei der Geste als Ausdruck des Pathos als Untersuchungsschwerpunkt ansetzt. In Form einer temporären Akademie untersucht das fünfköpfige Kollektiv in Theorie und Praxis das Phänomen der Geste, operiert mit Praktiken von medialer Übersetzung und Vernetzung und unternimmt regelmäßige Exkursionen in den urbanen Raum. Der für die Öffentlichkeit zugängliche Output der Pathosakademie soll die gewonnenen Erkenntnisse mittels eines Open Source - der Publikation eines Katalogs und einer Website - an das Publikum zurück speisen. 

 

Verein Imeka - Akemi Takeya 


Empfohlen: 2-Jahresförderung zu € 40.000.- per anno 

Das künstlerische Schaffen der gebürtigen Japanerin besticht durch eine ästhetische Vielfalt und inhaltliche Heterogenität. Die zukünftigen Planungen für 2007 bis 2009 beinhalten die zwei abendfüllenden Stücke 31 Shots und Pieces sowie die work-in-progress-Serie vol.1-vol.3. Wie bereits in den vergangenen Jahren interessiert Akemi Takeya eine formale tänzerische Präsenz, die sie einerseits durch ihre eigenwillig-individuelle Bewegungssprache, andererseits durch musikalisch-kompositorische Motive herstellt. Die Kollaboration mit zeitgenössischen Musikern, wie z.B. Electric Indigo oder Fritz Hautzinger, wird auch bei den nächsten Projekten ein zentrales Element bilden. Darüber hinaus plant die Choreografin die Wiederaufnahme von feeler und Weathering, zwei Solo-Stücke, welche durch ihre stringente Choreografie, den perfekten Umgang mit Raum, Rhythmus und Licht und eine hohe Musikalität überzeugt haben. 

 

Verein Mumbling Fish – Philipp Gehmacher 


Empfohlen: 2-Jahresförderung zu € 60.000.- per anno 

Seit 2003 lebt und arbeitet der am Laban Center in London ausgebildete Philipp Gehmacher wieder in Wien. Das künstlerische Werk des erst 32-jährigen Choreografen besticht durch eine unverwechselbare Handschrift, welche Bewegung, Raum und Zeit in sehr spezifischer Weise miteinander verschaltet und in Bezug setzt. Die jüngsten abendfüllenden Stück wie incubator, das überkreuzen beyder hände oder das im Frühjahr 2007 Premiere habende like there’s no tomorrow sind weit mehr als formal-stringente, aber abstrakt bleibende Bewegungs-Kompositionen. Vielmehr gelingt es Philipp Gehmacher lediglich durch das Choreografieren, Positionieren und Rhythmisieren des stummen TänzerInnen-Körpers Geschichten zu erzählen und oft auf berührende Weise Emotionen und Gefühlszustände der heutigen Zeit herzustellen. Für die kommenden zwei Saisonen erarbeitet Philipp Gehmacher u.a. eine Produktion für eine grössere DarstellerInnen-Gruppe, entwickelt eine Lecture-Performance und die Wiederaufnahme von like there’s no tomorrow 

 

Verein zur Förderung von Theaterkunst und Kulturprojekten

Projekt: „Generation Express“ (Theaterpädagogik)für Jugendliche
Simone Weis, Christian Rainer, Gerda Schorsch, Peter Kettkurat 

Empfohlene Summe: € 10.000.- 

Aufbauend auf die theaterpädagogischen Pilotprojekte mit Jugendlichen „Klein und Groß“ (Recherche) und „Express yourself“ (Abschlusspräsentation).
Auf dem Weg zur Abschlussaufführung durchlaufen die TeilnehmerInnen Workshops zu Theater, Tanz-Bewegung, Musik-Stimme, Objekttheater.
Solche Projekte animieren die Jugendlichen sich selbst künstlerisch auszudrücken, aber auch zu erkennen, dass Spielen auf der Bühne mehr bedeutet, als imitieren oder in eine Rolle schlüpfen. Die Empfehlung basiert auf der professionellen Begleitung, die im besten Sinn nachhaltig für das Theater werben kann. 

 

Verein zur Zeit – Christian Bochdansky

Projekt: „Faust-spielen“
R: Jana Marakowa Tumina 

Empfohlene Summe: € 15.000.- 

Nach dem gelungenen Projekt „Sommernachtstraum-reorganised“ arbeitet Christoph Bochdansky wieder gemeinsam mit dem Figurentheater „Wilde und Vogel“ an einem Faust. Dabei wird der Stoff in die Gegenwart übertragen, was sich bei den existentiellen Themen darin anbietet. Grundlage fürs Figurenspiel ist der Kasperl-Faust von Christopher Marlowe.
Der „Sommernachtstraum“ hat eine dichte, poetische, witzige und vor allem eigene Handschrift in der Zusammenarbeit ergeben, darum ist die Erwartung in den „Faust“ hoch. Mit einer neuen Regisseurin mit einem anderen kulturellen und handwerklichen Hintergrund ist auch keine bloße Reproduktion der Mitteln zu erwarten.
Insgesamt ein interessanter und verfolgenswerter Weg, zudem gutes Figurentheater für Erwachsene auch eine Rarität ist. 

 

Verein zur Zeit – Rose Breuss

Projekt: Paradies Lost – Exit Edit 

Empfohlene Summe: € 25.000.- 

Paradies Lost – Exit Edit betitelt Rose Breuss die kommende Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen. Gemeinsam mit dem Komponisten Hannes Löschel begibt sich die Choreografie mit Live-Orchestrierung auf die Spuren des Textes John Miltons aus dem Jahr 1667, um den gefallenen Engel Satan und die menschlichen Urahnen Adam und Eva. Acht Tänzerinnen, zwölf MusikerInnen und ein Sänger collagieren Ereignisse, Zeiten und Räume zu einem opulenten Abend, der Bewegung und Musik gleich berechtigt neben- und gegeneinander stellt. Wie auch in ihren letzten Stücken interessiert sich Rose Breuss für einen Tanz, der zwischen poetischen Bildern und formaler Choreografie oszilliert und keinesfalls nur bebilderndes Beiwerk zu Musik oder Text darstellt Der Großteil der sehr jungen TänzerInnen kommt aus der Nachwuchs-Schmiede X.IDA in Linz und wird durch erfahrene KollegInnen komplettiert. 

 

Wiener Klangwerkstatt

Projekt: „Celestina“
Partizipative Kinderoper ab 6 Jahren
Musik: Bruno Liberda
Libretto: Galahad 

Empfohlene Summe: € 39.000.- 

Zeitgenössisches Musiktheater für Kinder ist rar und vor allem ein Komponist, der gerne mit modernen Klangwelten experimentiert. Hier verspricht die Kombination von Traditionsinstrumenten mit neuerster Computertechnologie und live elektronischer Interaktion ein sensuelles Hörerlebens, das auch herausfordert. Dazu folgt das Libretto einer Geschichte, die in der Inszenierung die bekannten Interaktionen mit dem Publikum einbaut. Interessant ist der Ansatz, die Kinder die Geschichte weiterspinnen zu lassen und aus Zusendungen ein neues Libretto/Musikwerk zu schaffen, das als 2. Teil geplant ist.
Wir erwarten, dass das Projekt eine Bereicherung im Theater für ein junges Publikum sein wird und sind gespannt, ob es inhaltlich/inszenatorisch ebenso zeitgemäß sein wird, wie musikalisch. 

 

ZOON Musikensemble

Projekt: „Crux Video“
Mediales Musiktheater von Thomas Deszy (Komposition/Inzenierung) und David Haneke (Videographie) 

Empfohlene Summe: € 25.000.- 

In ihrer zweiten Zusammenarbeit (nach „Closed Concert Tele Vision“, Konzerthaus 2005) planen Deszy und Haneke ein Medien-Musiktheater auf zwei Ebenen, die gleichzeitig ablaufen, sich kreuzen und vermischen. Die komponierte Musik, die Bühnenebene, die Filmebene (bzw. Videoebene) und die Erzählebene sollen gleichberechtigt neben- und miteinander stehen. Erzählt wird die Geschichte einer Frau, sie sich in einer existentiellen Notsituation zurückzieht, innerhalb derer sie Opfer eines religiösen Fanatismus wird.
Ein einleuchtendes Raum- und Inszenierungskonzept im 3-Raum Anatomietheater mit experimentellem Charakter: aus einem Live-Video, dessen Herstellung das Publikum miterlebt, eine nicht narrative Bühnenhandlung entstehen zu lassen, und Musiktheater als Stimmentheater (extended voice und Gesang) zu erforschen. Macht neugierig!


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