Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Alle wollen vieles aus der Projektförderung

von Andrea Amort

Sparen ist angesagt. Trotzdem hat die Sparwelle das bislang jährlich mit 2,5 Millionen Euro dotierte Förderungsinstrument der Stadt Wien für freie Projekte sowie Ein- und Zweijahresförderungen (Vereinssitz Wien) derzeit "nur" indirekt erreicht.

Die Aufgabe, das Budget so zu verteilen, dass sowohl Innovation und Zeitgenossenschaft als auch die immer mehr werdenden soziokulturellen Anträge aber auch die Generationen-Frage berücksichtig werden können, wird nicht nur komplexer, sondern auch immer schwieriger. Von "zufriedenstellend" kann keine Rede sein.

Dazu kommt, dass sich nicht nur die freien Künstlerinnen und Künstler generell unterdotiert fühlen, sondern auch die Mittelbühnen teils von dem bisher erhaltenen, teils mit Mitteln der MA7 nachgebessertem Budget ihren Spielplan nicht eine Saison lang ohne zusätzliche Mittel aus der Projektförderung erstellen können.* 

Alle schielen auf die Projektförderung!

Das aktuelle Kuratorium wird weiterhin Vorschläge für Möglichkeiten der finanziellen Umverteilung bei der Stadt einbringen. Vielleicht lässt sich doch aus den insgesamt 25 Millionen Euro jährlich für freies Theater, Tanz und Performance ein interessanter Vergabe-Vorgang herausfiltern, welcher der platzenden Projektförderung zugute kommen könnte.

Zur aktuellen Fördervergabe: Aus einer Gesamtanzahl von 185 Einreichungen (zwei wurden zurückgezogen) empfehlen wir der Stadt 54 Projekte (somit 29 Prozent) in einer Gesamthöhe von 949.500,- Euro zur Förderung im Zeitraum von Jänner bis August 2012. Nach ausführlicher Bedenkzeit und vielen Gesprächen haben wir Empfehlungen generiert, die in TQW (7), brut (6), Dschungel (4) - den drei stadteigenen Häusern - sowie in WUK (4 sowie 3 Abschluss-Showings), TAG (2), Garage X (5), Kosmostheater (2), Theater Nestroyhof Hamakom (3), Salon 5 (1), Theater Drachengasse (2), Lilarum (2), Kabelwerk (2) und Rinderhalle (1) stattfinden werden. Neun Projekte haben weitere, unterschiedliche Spielorte, auch der Export-Kubus und die Anker-Expedithalle sind als Spielorte vorgesehen.

Noch wichtiger als die Orte sind aber die künstlerischen Inhalte: Während im Schauspiel-Bereich nach der Periode des postdramatischen Theaters ein Interesse an alten und neuen Texten zu beobachten ist (13 Schauspiel-Projekte), gleich zwei Horvath-Neuinszenierungen sind angesagt, scheint der mehr als zehn Jahre währende, international beobachtete Aufbruch der Tanz- und Performance-Szene zu kritisch-sensiblen Fragen zur Gegenwart und deren wissenschaftlichen Verfasstheit (Erzählweisen, Ästhetiken, Wahrnehmungstheorien, Philosophie und natürlich Gesellschaftskritik) ungebrochen. Das lebendige Zusammenspiel etablierter und nachkommender Künstlerinnen und Künstler (14 Tanzprojekte, 18 Performanceprojekte) mit Musik und Bildender Kunst sowie den vor Ort agierenden Veranstaltern und internationalen Partnern, aber auch mit Pionieren der Wiener Tanzszene ergibt ein pulsierendes Bild. Theater für junges Publikum ist mit sechs Einreichungen vertreten, zeitgenössisches Musiktheater mit zwei Projekten in der Wiener Kammeroper, die künftig auch freien Projekten offen stehen soll.
Wie auch schon bei den letzten Förderperioden wird Einreichungen zu den Themen Postmigrantisches Theater sowie inklusivem Theater (Tanz-Theater von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Theater mit Gefangenen) Rechnung getragen.

26 Frauen und 20 Männer sind jeweils mit der künstlerischen Leitung der Projekte befasst, acht Leitungen bestehen aus Frauen und Männern.

Trotz der Kritik am vergangenen Nestroypreis (über das Auswahlverfahren), freuen wir uns, dass für die diesjährige Preisvergabe im Herbst 2011 das von uns mit geförderte Projekt von Jacqueline Kornmüller & Peter Wolf (Festival 100) Ganymed Boarding als auch Frederic Lions Theater Nestroyhof Hamakom mit seinem Gesamtkonzept für den Off-Theater-Preis nominiert worden sind. Die Integration der Tanz- und Performanceszene in ein Auszeichnungsverfahren steht noch aus.

Wien im Herbst 2011 

* P. S.: Nach wie vor wird in Wien kein Spielstättennachweis bei der Einreichung verlangt. Die Begehrlichkeiten vieler, vor allem junger Künstlerinnen und Künstler nach passabel bis technisch gut ausgestatteten Auftrittsorten wird immer größer, sodass viele nach passenden Häusern Ausschau halten; mitunter streiten sich auch Veranstalter um die Künstler.


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