Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Politische Themen im Vormarsch

Anmerkungen zu den Kuratoriums-Empfehlungen (Einreichfrist: 15. Juni 2012)
von Andrea Amort und Andreas Hutter


Zeitgenössisches Kunstschaffen reagiert immer auf Druckwellen gegenwärtiger gesellschaftlicher Veränderungen. Betrachtet man in diesem Sinne die eingereichten  Projekte als seismografische Karte, so zeigt sich ein signifikantes neues Epizentrum. Nach einer Phase, in der die konzeptionellen Überlegungen stark von den großen Motivpaaren Krise/Untergang und Vision/Utopie geprägt waren, treten jetzt konkrete politische Themen in den Vordergrund, die sich auch konkret in Umsetzung, Ästhetik und Form niederschlagen.

Im Bereich Performance sind einmal mehr kollaborative Handlungsansätze, Plattformen und politische Inhalte zu beobachten. So zum Beispiel bei nadaproductions (Amanda Piña, Daniela Zimmermann), nomad theatre (Thomas Jelinek), Performance Art Network Vienna (Noah Holtwiesche u. a.), Polymorph Performance (Otmar Wagner), raw matters – Ein ungeschliffener Performanceabend (Deborah Hazler, Nanina Kotlowski), Tanztheater Perform (Barbara Kraus) oder Verein Luster (Fanni Futterknecht).

War im Schauspiel der Blick zuletzt sehr stark auf das astronomische Ablaufdatum 21.12.2012 und das ökonomische No-Exit-Phänomen gerichtet, öffnet er sich nun wieder analytisch für präzise Themenfelder und politischen Diskurs, was sich auch in Überlegungen zu neuen Herangehens- und Spielweisen niederschlägt. Dahingehend konzipiert sind etwa die neuen Projekte so unterschiedlicher Gruppen wie  aktionstheater ensemble (Martin Gruber), Armes Theater (Krista Pauer), artfusion (Bärbel Strehlau), dark city (Gerhard Fresacher), Izy Kusche, reschen.see (Maike Sasse, Julia Burger) oder dreizehnterjanuar (Fanny Brunner).

Die Empfehlungen für Tanz-Produktionen tragen einmal mehr ein Bekenntnis zur aktuellen Themen- und Ästhetik-Vielfalt unter Wahrung der Inklusion in sich, ohne beliebig zu sein. Das Thema des politischen Handelns ist auch hier ablesbar. Zahlreiche in Wien und Österreich ausgebildete KünstlerInnen sind dabei vertreten, Etablierte und RückkehrerInnen, aber auch internationale in Wien wohnhaft gewordene KünstlerInnen und auch solche, die ihren Karriere-Verlauf auf Grund der künstlerischen und finanziellen Situation im Dialog mit zwei oder mehreren Städten/Produktionsorten zu bauen versuchen. Dazu gehören etwa An Kaler, Raul Maia und Simon Mayer. Unter den erstmals Geförderten sind Waltraud Brauner & Steffi Sternig u. a., Agniezska Dmochowska, Florentina Holzinger, Anna Knapp & Steffi Wieser sowie Lina Maria Venegas. 

Von den insgesamt 164 Einreichungen, zwei wurden zurückgezogen, wurden nach gemeinsamer Sitzung mit der Stadt Wien 48 Projekte zur Förderung weiter empfohlen. Davon entfallen 15 auf den Bereich Schauspiel, neun auf den Bereich Tanz, eines auf den Bereich Musiktheater. Sechs Projekte liegen an der Schnittstelle von Schauspiel und Performance, dreizehn Projekte an der Schnittstelle von Tanz und Performance. Neun Projekte lassen sich dem Bereich Theater für junges Publikum bzw. unter Beteiligung Jugendlicher zuordnen.
23 Projekte stehen unter weiblicher Leitung, 15 unter männlicher Leitung. Neun Projekte werden unter gemischter Leitung und von Kollektiven erarbeitet. Elf Projekte fallen unter den Bereich Nachwuchsförderung.

Der nächste Einreichtermin für Projekte (für den Herbst 2013) sowie Ein- und Zweijahresförderungen (ab 2014) wurde wegen der für Jänner 2013 angekündigten Ergebnisse für die Vier-Jahres-Förderungen mit 15. Februar 2013 festgelegt.


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