Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Begründungen der Projekte von Januar bis August 2008
Einreichtermin: 15. Mai 2007  

 

Aktionstheater

Martin Gruber und Martin Ojster
Projekt: Platzen Plötzlich 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

„In Platzen Plötzlich trifft sich eine kleine Gesellschaft in einem Gewächshaus. Wie die Pflanzen in diesem Glashaus auch wachsen die Menschen über sich hinaus und bemerken nicht, dass sie von der Wachstumslampe des Glashauses und dessen Sprühapparate, zunehmend bis ganz außer Gefecht gesetzt werden (Verbrennungen, Vergiftungen, Durchnässung, hysterische Anfälle, Ohnmacht)“ Gerd Jonke 

Martin Gruber und Martin Ojster neuestes Projektvorhaben ermöglicht eine Zusammenarbeit mit dem Autor Gerd Jonke. Die Herausforderungen die Gerd Jonkes Sprachkunst für das Theater darstellt, schafft Respekt für das Vorhaben des Aktionstheater. Die Theatersprache der Formation steht für Musikalität und eine kräftige und wirkungsvolle Bühnensprache. Nun treffen Gerd Jonke und das Aktionstheater aufeinander. Welche Theatersprache wird gefunden um Jonkes Sprache-Räume zu schaffen, und wie wird sich Jonkes Text in dieser Begegnung entfalten. Die Arbeit des Autors soll eng mit der des Regisseurs verknüpft werden. Eine Kostprobe gibt die Lesung von Martin Gruber in einer Pressekonferenz zu dieser Arbeit:

Die vom Aktionstheater initiierte Zusammenarbeit mit dem Autor Gerd Jonke markiert eine weitere Entwicklung der Gruppe. Das Wesen dieser Zusammenarbeit beschreibt einen wichtigen Kern von Theaterarbeit und ist jenseits aller Institutionsformen eine Quelle für Theater. Das Aktionstheater nimmt damit wieder einmal eine besondere Position innerhalb der freien Theaterlandschaft ein. 

 

Artificial Horizon

Frans Poelstra
Projekt: Maria Theresia entdeckt die zeitgenössische Kunst 

Empfohlene Summe: € 20.000.- 

Der in Wien lebende Performer Frans Poelstra, der Dramaturg Robert Steijn und der bildende Künstler Roland Seidl begeben sich mit diesem Side-Specific-Projekt nur scheinbar auf historische Spuren und unternehmen einen augenzwinkernden Ausflug in das – ebenfalls nicht mehr ganz junge - Zeitalter der Postdramatik. Dafür haben sie sich einen der touristischen Hauptattraktionspunkte in Wien, nämlich die imposante Statue von Kaiserin Maria Theresia zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum liegend, ausgewählt. Und laden Ihre Majestät (und selbstverständlich die ZuschauerInnen) ein, ihre Aufmerksamkeit doch endlich auf das virulente zeitgenössische Kunstgeschehen im gegenüber¬liegenden MuseumsQuartier zu lenken. Das bewährte Team Poelstra & Steijn, welches sich ihren Projekten zumeist durch eine sehr lust- und humorvolle Herangehensweise und Präsentationsform annähert, zählt längst zu den Fixstartern im europäischen Performance-Zirkus. Auch in ihrer neuesten Unternehmung Maria Theresia entdeckt die zeitgenössische Kunst verstecken sie ihre Bäuche nicht, sondern thematisieren mit ihrer Live-Darbietung im öffentlichen Raum das weite Feld des aktuellen Kunstdiskurses mit etwas anderen Mitteln. 

 

Atti Impuri

Georg Blaschke 
Projekt: körper.bauen.stellen 

Empfohlene Summe: € 15.00.- 

An der Schnittstelle von Architektur-Raum-Performance siedelt der Wiener Georg Blaschke die Weiterführung seiner prozesshaft angelegten Recherche, die in anschließenden öffentlichen Aufführungen mündet, an. Dabei operiert er – wie schon in seiner vorangegangenen Arbeit – mit einem konzeptuellen Choreografie¬begriff, der mit Wahl und Einsatz der theatralen Mittel bewusst sparsam umgeht und sich im Wesentlichen auf die vorhandenen Gegebenheiten der jeweiligen Räume stützt. Trotz dieser offensichtlichen Reduktion verzichtet er aber nicht auf den Einsatz einer starken physischen Präsenz, welche die Elemente Schwer¬kraft, Körper und Raum fokussiert. Nach der vorangegangenen solistischen Phase werden nun weitere TänzerInnen – wie etwa Adriana Cubides oder Andrea Stotter – das Team komplettieren und gemeinsam den menschlichen Körper zwischen Erinnerungsdepot und sich ständig neu definierendem Kommunikations¬raum hinterfragen. 

 

Co labs

Arne Forke
Projekt: Deserteur 

Empfohlene Summe: € 13.000.- 

In der künstlerischen Arbeit wirken militärische Begriffe wie Desertation, unerlaubte Entfernung oder eigenmächtige Abwesenheit fremd. Die Theater-Performance Deserteur recherchiert am Bespiel nicht mehr aktiver/noch lebender Künstler den Abbruch, die Krise, die produktive Verweigerung, die Fort¬führung des Kampfes mit anderen Mitteln. Co labs recherchiert gemeinsam mit einem Dokumentar¬¬filmer in einer ersten Arbeitsphase das Phänomen des Aussteigers in der darstellenden Kunst. Auf dieser Grundlage und unter Verwendung von Interviews, Filmen, Berichten, Bildern etc. entsteht das Stück Deserteur über Verweigerung und Verschwinden des Künstlers. Arne Forke wird mit dem Autor und Dramaturgen Christoph Klimke an diesem Projekt zusammenarbeiten. Diese Erstempfehlung für Arne Forke trägt neben dem zeitrelevanten Thema seines Antrages auch seiner bisherigen Arbeit Rechnung. Der bisher vor allem in Nürnberg agierende Regisseur galt ursprünglich als Grenzgänger zwischen Stadttheater und Freien Theater. Er hat sich jedoch in letzter Zeit vom Interpretieren von Theaterstücken abgewandt und vermehrt mit Tänzern, Performern und Choreo¬grafen gearbeitet. Seine Theaterarbeit hat dadurch eine neue Richtung bekommen und in dieser auch formalen Umwälzung erscheint uns seine Arbeit empfehlenswert. 

 

DARK CITY e.V

Gerhard Fresacher
Projekt: Boing Boing 

Empfohlene Summe: € 12.000.- 

Diese Erstempfehlung für den Kärntner Bühnenbildner und Regisseur Gerhard Fresacher unterstützt die interessante Idee die Komödie Boing, Boing mit den Mitteln des Trash Theaters zu bearbeiten. Fresachers zum Teil anarchistisch wirkende und chaotische Arbeit Dark City lebte von starken Momenten der Veräußerung und Überschreibungen von Raum und Aktion. Der Stoff Boing, Boing ist berühmt durch den gleichnamigen Film, der von einem Reporter (im Film von Tony Curtis gespielt) handelt, der drei Verlobte hat, die alle Stewardessen sind. Die Hauptfigur gerät durch den Besuch seines Freundes (gespielt von Jerry Lewis) und durch die Veränderungen des Flugplanes in unauflös¬bar scheinende Schwierigkeiten sein Privatleben zu organisieren. Erst die Abkehr von dieser Lebens¬weise kann eine oberflächliche Befriedigung, des zuvor chaotischen Verlaufes garantieren. Dieser Stoff bietet durch seine witzigen Dialoge und der ausdauernden Situationskomik das Potential hinter der Oberfläche dieser Komödie den tragischen Aspekt solcher Fluchtwelten aufzudecken ohne den Aspekt der Komödie zu verlassen. Diese Projekt¬idee von Gerhard Fresacher verknüpft auf interessante Weise unterschiedliche Aspekte von Theater und ist daher empfehlenswert. 

 

Das Kunst

Asli Kislal
Projekt: Das Experiment 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

Das interkulturelle Ensemble DasKunst hat in der Regie von Asli Kislal dieses Jahr bereits mit zwei sehr unterschiedlichen Arbeiten, der Theaterproduktion No Man´s Land und dem revueartigen Kultur mich doch am Arsch ihre Fähigkeit gezeigt, für Stoffe, die ihnen wichtig sind, adäquate Formen und Umsetzungen zu finden. Mit großer Energie, die sich auf das Publikum überträgt, packt das Team gesellschaftlich relevante Themen unkonventionell an, überhöht Klischees oder führt sie (mit schwarzem) Humor ad absurdum. Besonders gut versteht es die Gruppe den hier lebenden Menschen unterschiedlich¬ster Kulturen eine künstlerische Sprache zu geben, die sich über Spielfreude und differenzierte Sichtweisen definiert. Mit Das Experiment hat sich DasKunst einer psychologischen Fragestellung angenommen: einem Experiment, das Mitspieler in Opfer, Täter und Wächter teilt und auf freiwilliger Basis stattfindet. Für die DarstellerInnen sollen ihre persönlichen Gefühle während der Proben der Humus für die Inszenierung sein. Das Publikum soll in der Rolle von „Big Brother“ beobachten, und hat dadurch die Zeit und Möglichkeit für sich selbst durchzuspielen wie es auf welcher Seite reagieren würde. Asli Kislal und ihr Team lassen sich mit diesem Projekt auf ein realistisches Theater-Experiment ein, welches durch Projektionen, filmisch eingesetzte Musik und „kalte Zellen“ gebrochen und überspitzt werden soll. Ausgangspunkt für Das Experiment ist die Tatsache, dass Folter und verbotene Meinungsäußerung in Gesellschaften, aus denen die Mitwirkenden stammen, an der Tages¬ordnung sind. Die Erfahrung zeigt, das Das Kunst persönliche Erfahrungen durch den Arbeitsprozess auf verschiedene Ebenen auflösen kann. Zudem ist dieser Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Freien Theaterszene auch dadurch interessant, dass Das Experiment (nach einem amerikanischen Gefängnis-Experiment) kein spezifisch „interkulturelles“ Thema zugrunde liegt. 

 

Enterprise z

Mia Zabelka
Projekt: Women of the Ruins 

Empfohlene Summe: € 13.000.- 

Das Projekt ist eine Auseinandersetzung mit Frauen in Kriegssituationen und zugleich eine Referenz an die unglaublichen Leistungen, den Aufbauwillen und die Überlebenskraft der Frauen in Nachkriegszeiten, aber auch kritische Durchleuchtung der Rolle der Frau als „Mit-Täterin“. Das experimentelle Musiktheater-Projekt findet in einer Baulücke in der Kandlgasse im 7. Bezirk statt, dabei werden Videoprojektionen von der Künstlerin Valie Export und Live-Performance mit Lydia Lunch, Mia Zabelka, Zahra Mani und der eigens für das Projekt gegründete Frauenschrei-Chor unter der Leitung von Anneliese Pongratz. Die internationale Erfahrung des Teams, die politische Relevanz des Themas in Verbindung mit der Örtlichkeit, welche sinnbildlich für Zerstörung steht, sprechen für das Projekt. Bemerkenswert ist auch die Setzung eines experimentellen Musiktheaters im öffentlichen Raum. 

 

Ernst Christoph

Projekt: Wir Rufen Auf! Das war das Glück der Mittelschicht 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

Ausgangspunkt für dieses Projekt sind die gestrandeten linken Utopien und Hoffnungen stehen. Christoph Ernst interessiert sich für die „verunsicherte von Angst besetzte Mittelschicht.“ „Von ihr geht alle revolutionäre Energie aus (oder nicht?), zu ihr kehren die Veränderungssehnsüchtigen, etabliert oder gebrochen, zurück“. Polemische gesetzte Spielsituationen wie RAF-Mitglieder in Gruppen¬therapie, Benimm-Unterricht für Kinder, kulinarische Wohlfühloasen, initiiert von ehemaligen Straßenkämpfer thematisieren gesellschaftliches Verhalten im Jetzt. Christoph Ernst Arbeit für die Doku-Reihe von drama X (Enron – The smartest guy in the room) fiel vor allem durch die offene szenische Anordnung auf. Seine Arbeitsweise ist eine Herausforderung für die Schauspieler, da er sie zwingt, sich ganz der Situation und dem Jetzt einer Aufführung zu stellen und den Text als Rangier¬material zu benutzen. Seine Weigerung, inszenatorische Verabredungen als Pfad durch den Dschungel von Textinterpretation, Stilfragen und dramaturgische Bögen zu begreifen, öffnet den Raum zum Befragen der Aussagekraft szenischer Vorgänge. Die Arbeit am Schauspieler kann immer noch als eines der zentralen Kriterien von „Sprechtheater“ gesehen werden. Ernst Arbeit beschreibt die Grenzen dieses Kontinentes neu, und was in ihm zum Thema gemacht werden soll. Was für eine Rolle spielt der Text für den Schauspieler? 

 

FUP

Miki Malör
Projekt: SUR-PLUS
Empfohlene Summe: € 40.000.- 

Seit mehr als zwanzig Jahren versteht es die Wienerin Miki Malör ihr Publikum durch ihre – oftmals radikalen und gerne auch frech-provokanten – künstlerische Aktionen zu verstören, zu irritieren, aber auch zu begeistern. Die von ihr aufgegriffenen Themen und deren Umsetzung unterliegen keinen gängigen Moden und folgen nie zeitgeistigen Trends, sondern sind gern unbequem und konfrontieren das Publikum durch ihre rigorose Darstellung und oft auch unbequeme Thematik. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich die Wiener Performerin inhaltlich mit dem weiten Feld des (weiblichen) Begehrens. Für die theatrale Interpretation desselbigen operiert Miki Malör mit selbstentworfenen-, gebauten und live bedienten Wunsch¬maschinen, welche bereits in dem absurd-schrägen Duett Die Frau, die 100 Kuchen ass auf skurrile, humorvolle und kreative Weise zum Einsatz kamen. Für SUR-PLUS gibt es nun die konzeptuelle Überlegung, die bereits vorhandenen Wunschmaschinen nicht nur zu variieren, sondern die Kollektion noch weiter auszubauen und damit auf eine Gesellschafts-Maschine zu verweisen, die ein enormes subversives Potential entfaltet. 

 

Garage e.V.

Peter Stamer
Projekt: FORWARD VIENNA – For Widespread Artistic Reflection and Development 
Empfohlene Summe: € 25.000.- 

Dieses ehrgeizige Projekt versucht die unterschiedlichsten Künstler der Freien Szene in einen Arbeitsaustausch jenseits ihres eigenen Kontextes zu bringen. Anliegen des Projektes ist u.a.
„die Schaffung und der Austausch von Begegnung, die Entwicklung gemeinsamer Denk- und Arbeitsprozesse, dramaturgische Praktiken, künstlerische emergente Wissensproduktion“. Der Versuch vor allem die Trennungslinien der Wiener Performance- und Tanzszene mit der Theaterszene neu zu bemessen, erscheint uns ein wesentliches Merkmal für dieses Projekt zu sein. Bei aller Schwierigkeit diskursive und spartenübergreifende Arbeitsräume zu installieren, interessiert hier der Ansatz die Arbeit der einzelnen KünstlerInnen aus dem Kontext der eigenen Aufführung herauszunehmen, diese wiederum in einen fremden Denk-, Arbeits- und Kommunikationsraum zu stellen und so ein „theatrales Nachdenken“ über Formen, Wesen und Wert der Kunstproduktion zu initiieren. FORWARD VIENNA will einen Arbeitsraum schaffen, in dem die Nachhaltigkeit der Kunst¬produktion nicht am Ergebnis einer Aufführung gemessen wird, sondern einen Fokus für künstlerische Prozesse schaffen, die nicht bereits zur „Verfügung von Verwert– und Sichtbarkeit“ gestellt sind. Das dieses Projekt dies mit dem Blick auf die gesamte Theater, Tanz und Performanceszene versuchen will, halten wir dies für einen längst überfälligen Versuch künstlerische Prozesse in dieser Stadt gedanklich in einen öffentlichen Rahmen fassen zu können und sie historisch auszuloten.

 

God’s Entertainment

Projekt: EUROPA- Schön das sie hier sind! 

Empfohlene Summe: 15.000.- 

„Diese Performance kennzeichnet Europa als dialektische Dystopie-/Utopie-Bewegung von der rauen politischen Wirklichkeit mit ihren maßgebenden Begriffen wie Unsicherheit, soziale Ausgrenzung, Arbeits¬losigkeit, freie Marktwirtschaft usw., bis hin zu den neuen Mythologien und ihren friedens¬stiftenden Möglichkeiten. In dieser Bewegung gefangen, lebt eine große Zahl an Einwohner mit dieser Spannung.“ 

Anhand einer Analogie zu dem Film Blow up von Antonioni, wird diese definierte Wirklichkeit Europas als Fotovergrößerung, in einen Aggregatzustand des Rausches verwandelt. Das überdimensionierte Detail eines Fotos, das Grobkörnige als Bild des Rausches soll Europas soziale Wirklichkeit durch Auflösung thematisieren. God’s Entertainment versucht in ihren Arbeiten mit Hilfe einer von ihr heran¬gezogenen poltisch-sozialen Realität Theater mit Spielanordnungen und rauschhaften Zuständen als einen dionysischen Ort zu begreifen. Die Aufführungen genügen sich selber. In dieser auf sich selbst bezogenen Spielrealität wird jegliche Aussage ihrem Wert entzogen: sie wird zu einem Moment des Rausches. Die gezeigte Realität verschwimmt in dieser Auflösung und geht verloren. Die Abwesenheit einer Entsprechung, diese Leerstelle einer Aussage wird so zu einer umso deutlicheren und schmerz¬haften Erfahrung von Wirklichkeit. God’s Entertainment ist dadurch politisches Theater. Diese noch junge Künstlerformation um Boris Ceko ist durch ihre Einladungen zu internationalen Festivals inzwischen auch eine im deutschsprachigen Raum sehr gefragte Theatergruppe geworden. 

 

Lisa Hinterreithner

Projekt: In the Wave of Affects 

Empfohlene Summe: € 7.000.- (Nachwuchsförderung) 

Eine einschneidende persönliche Erfahrung bildet den thematischen Ausgangspunkt für das choreografische Solo-Projekt In the Wave of Affects. Der unfreiwillige Sturz von einem Dach vor elf Jahren, welcher anlässlich Proben für ein Side-Specific Projekt passierte, veranlasst die Salzburgerin Lisa Hinterreithner – sowohl mental als auch real – wieder an den Ort des Geschehens (ein Kalkwerk bei Salzburg) zurückzu¬kehren. Sie zieht dafür das Sich-Erinnern als (Arbeits)-Methode heran und will mit ihrer künstlerischen Umsetzung sowohl eine physische als auch eine emotionale Differen¬zierung des tragischen Ereignisses heraus¬kristallis¬ieren. Die als Solo angelegte Live-Interpretation soll in einem gänzlich leeren Raum stattfinden, der allerdings keine Trennung von Publikum und Interpretin vornimmt und mittels der Zuschauer gefüllt wird und an einem bestimmten Moment durch zahlreiche weitere DarstellerInnen unterstützt wird. 

 

IMMOMENT

Claudia Bühlmann
Projekt: Schuhe – Ein Tanz 

Empfohlene Summe: 25.000.- 

Claudia Bühlmanns letzte Inszenierung Ich entdecke dich im Dschungel Wien ist sowohl handwerklich als auch durch Imagination, Überraschung und Humor aufgefallen. In Schuhe – Ein Tanz versucht sie mit den Mitteln des Tanzes, der Bewegung, sowie der Animation das Objekt Schuh visuell, akustisch und psychologisch zu dechiffrieren. Ihr Ziel ist, Signale zu setzen, welche die Betrachter und Zuhörer in ihrer Imagination individuell vervollständigen. Dabei möchte sie zwei Rezeptionsebenen schaffen: Schuhe als strukturelles Objekt, wie sie kleine Kinder betrachten, darüber hinaus als psychologisches Objekt, die sie auch für Erwachsene bedeuten. In der künstlerischen Arbeit für Kinder eine weitere Bedeutungsebene für Erwachsene mitzudenken, noch dazu an einem so alltäglichen und doch symbol¬haften Gegenstand ist ein ambitioniertes Unterfangen. Überzeugend sind das Bühnenkonzept mit dem sich füllenden Raum, und die visuell und akustisch angedachte Spielanleitung, die den akustischen Signalen der Objekte denselben Stellenwert, wie deren Sichtbarkeit, einräumt. Die Lust am Spiel, die wir bei Ich entdecke dich erfahren konnten, lässt sich bereits herauslesen. 

 

Insert

Doris Uhlich
Projekt: Spitze 

Empfohlene Summe: 14.000.- 

Mit ihrem geplanten Projekt will Doris Uhlich, bekannt als langjährige und hervorragende Protagonistin bei der Formation theatercombinat, gegebene Körperbilder aufbrechen und sich auf die Suche nach einer neuen Physis begeben, die mit herkömmlichen Sehgewohnheiten spielt, sie bricht und neu definiert. Ausgehend vom Solo Der sterbende Schwan (1907) oder aus Coppelia (1870) versucht sie, sich an den jeweiligen Originaltanz anzulehnen. Statt der zierlichen Ballerina wird aber eine frauliche Figur auf Spitzen tanzen und austesten, was dieser „andere“ Körper mit der Wahrnehmung und der Erwartungshaltung bei den Zusehern tut. Im Duett mit einem klassisch ausgebildeten Tänzer wird der strenge Codex des Pas de deux untersucht, und gemeinsam mit PerformerInnen nach ähnlichen Kommunikationscodes im Alltag geforscht. Doris Uhlich ist es innerhalb von zwei Jahren gelungen, mit ihren Performance-Arbeiten auf diffizile, genaue und humorvolle Weise das „replacement“ von Körpern und den Diskurs von Körpern an der Schnittstelle von Alltagskörper/Kunstkörper zu thematisieren. Mit Spitze wird sie nun buchstäblich die herrschenden Körperkonzepte auf die „Spitze“ treiben. 

 

Thomas Kasebacher

Projekt: blackout 

Empfohlene Summe: € 7.000.- (Nachwuchsförderung) 


Die Momente der Selbstaufgabe und die, in diesen Augenblicken erlebten, Geschichten nimmt sich der in Liverpool ausgebildete Österreicher Thomas Kasebacher zum Thema seiner nächsten Performance. Gemeinsam mit Laia Fabre und einer weiteren Darstellerin durchleuchtet er das Phänomen der Nicht-Erinnerung von unterschiedlichen Blickwinkeln und Positionen. Dabei stehen die Ebenen von Erzählung und Text gleichberechtigt neben jener von Bewegung und durch die Live-Darbietung soll es gelingen, eine persönliche Affinität und Intimität zwischen Darsteller und Zuschauer herzustellen. Kase¬bacher, der seit zwei Jahren als Puppenspieler fixes Mitglied des Kabinetttheaters Wien ist, verfolgt in seinen eigenen Stücken einen konzeptuellen Ansatz, der aber nicht einer dogmatischen Formensprache verhaftet ist, sondern es versteht, das Publikum subtil und auf unaufdringlich charmante Weise in das Live-Geschehen zu integrieren. 

 

Koproduktionshaus Wien

Projekt: imagetanz-Festival 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

In den vergangenen Jahren gelang es dem Festival, das den lokalen choreografischen Nachwuchs in den Vordergrund rückt und wesentlich in ihren ersten Produktionen unterstützt, sich innerhalb der Stadt hervorragend zu etablieren. imagetanz bietet jungen KünstlerInnen eine ideale Präsentations-Plattform um ihre ersten eigenen Kreationen oder noch unfertige Arbeiten einem größeren (Fach)-Publikum vorzustellen. Erfreulicherweise findet das Festival auch unter der neuen künstlerischen Leitung von brut seine Fortführung. Unter der Kuratierung von Bettina Kogler werden im März zahlreiche Premieren von mehr oder weniger bekannten, in Wien lebenden, KünstlerInnen stattfinden. Geplant sind u.a. Arbeiten von Radek Hewlet, Amanda Pina & Daniel Zimmermann, Gabri M. Einsiedl und Leopold Kessler u.v.m. Darüber hinaus hosted das Festival auch 2008 das veranstalter¬über¬greifende Format „TURBO junger Tanz in Wien“. TURBO widmet sich ChoregrafInnen, die ganz am Beginn ihres Arbeitsschaffens stehen und die im Rahmen von imagetanz mit einer Residence in brut ausgestattet werden und ebenfalls ihr künstlerisches Schaffen im Festivalprogramm zeigen können. 

 

Kulturverein Feinsinn

Elke Pichler
Projekt: Homo space-iens? 

Empfohlene Summe: 12.000.- 

„Muss der Mensch ins Weltall ausschwärmen um in der Zukunft zu überleben?“ Wie in ihrer vorangegangenen Arbeit Die sieben Jahreszeiten verknüpft Feinsinn Bewegung mit Video und Live-Musik. Ihre vorhergehende Arbeit, die ein Teil der Nachwuchs“-Schiene des letzten Szene Bunte Festival darstellte, lies eine emotionelle Kraft und einen geradlinigen Zugang zur Bewegung erkennen. Der inhaltliche Ausbau ihres tänzerischen Ansatzes und die genaue Interaktion der drei Elemente Bewegung, Video und Musik sind die künstlerisch interessanten Versprechungen des neuen Projektes. Die Bereitschaft von Feinsinn sich weiterzuentwickeln, und wie in diesem Projekt mit 
Milli Bitterli zusammenzuarbeiten, ist entscheidend für unsere Empfehlung. 

 

Kunstverein upside_down

Moravia Naranjo
Projekt: skin, voice and memories of someone else... 

Empfohlene Summe: € 14.000.- 

Spätestens mit ihrem präzis choreografierten und interpretierten Solo alien.able setzte die, aus Venezuela stammende, Moravia Naranjo ein starkes künstlerisches Zeichen. In ihrer neuen Arbeit, 
die ebenfalls solistisch interpretiert wird, beschäftigt sie sich mit einem gleichermaßen aktuellen wie zeitlosen Thema: den Erfahrungen des Exils und der Einsamkeit in der Fremde. Dafür befragt sie vorwiegend Sängerinnen, welche selbst ihre Heimat verlassen haben und die in ihren Liedern ebendiese (schwierige) Erfahrungen aufgreifen und thematisieren. Anhand der Dekomposition von fünf Songs kreiert Moravia Naranjo einen fremdartigen neuen Klang-Raum, der durch das choreografische Konzept und die tänzerische Umsetzung einen dehnbaren Raum schafft, der unterschiedlich fungieren kann und differenziert lesbar ist: ein Raum, der als Körper, an Stelle von Körper oder aber auch als Erweiterung von Körper fungieren kann. Für skin, voice and memories of someone else konnte sie den etablierten kanadischen Choreografen Benoit Lachambre, die französische Set-Designerin Nadio Lauro und den österreichischen Lichtgestalter Krisha als Kollaborateure gewinnen. 

 

Luna Arts

Josef Maria Krasanovsky 
Projekt: Die Luftgängerin – ein absurdes Lustspiel mit Film 

Empfohlene Summe: € 25.000.- 

Der Salzburger Regisseur Josef Maria Krasanovsky und die SchauspielerIn Joana Müller und Wolfgang Oliver gründeten im Herbst 2006 die Compagnie Luna, deren weitere Mitwirkende unterschiedliche professionelle Hintergründe mitbringen. Die Gruppe präsentierte mit ihrer selbst finanzierten dadaistischen Komödie Der Tag an dem Dada in seinen Kopf stieg eine überraschend leichte, slapstickartige, zeitgeistlose, und doch den Dada-Geist erfassende Arbeit im Projektraum des WUK. Mit sieben DarstellerInnen, dem Musiker Johann Krasanovsky und Christoph Parzer vom ZiErKuSs/Film war das Team für eine Produktion im freien Theater ungewöhnlich groß und das Zusammenspiel ungewöhnlich gut gelungen. Der Gruppe gelang es die Stilmittel – Spiel, Tempo, Musik, Licht, Schattenspiel und Film – zu einem Gesamtwerk zu verbinden, das trotzdem Raum lässt, die Geschichte im eigenen Kopf entstehen zu lassen. Im Mittelpunkt des neuen Projektes steht die Frage: Bejahung oder Verneinung? Welchen Preis zahlt das Individuum für jede der beiden Geistes¬haltungen? Eine traut sich ja zu sagen – die Luftgängerin - einer traut sich nicht. Welche Wege nehmen sie? Auch in diesem Projekt wird sich der Stilmix aus der Handlung ergeben, der Texte verschiedener absurder Autoren zu Grunde liegen, die als Ausgangspunkt für eigenes Material dienen. Nachdem wir in der vorigen Produktion viel Potential entdecken konnten, ist für uns die Empfehlung der Compagnie folgerichtig, um die weitere Entwicklung des Teams zu unterstützen. 

 

shock body

Anna MacRae 
Projekt: survival of a solo 

Empfohlene Summe: € 7.000.- (Nachwuchsförderung) 

Die beiden jungen Tänzer Anna MacRae und Abraham Hurtado – beide Ensemble-Mitglieder der Kompanie der bekannten Choreografin Meg Stuart – hinterfragen das Format des Solo-Tanzes und damit die (Un)Möglichkeit, ob und inwieweit eine gemeinsame Identität überhaupt darstellbar ist. Die Probenphase bringt Fragen zu künstlerischer Symbiose, Hybridität und Individualität in den Vordergrund. Dabei experimen¬tier¬¬en MacRae und Hurtado mit Verschmelzung und Wandlung, um dadurch jeweils in die Rolle des anderen zu schlüpfen. Die tänzerische Umsetzung erinnert an eine Tandemfahrt, bei der sich die beiden Protagonisten mittels einer einfach strukturierten Handlung ergänzen. Bereits mit ihrem ersten eigenen Stück shock body, aufgeführt 2006, überzeugte die gebürtige Neuseeländerin durch ihre starke physische Präsenz mittels der sie energetische oder emotionale Zustände kommuniziert. Eine ähnlich körperlich kraftvolle Umsetzung strebt das Duo auch in survival of a solo an. 

 

Szene Bunte Wähne Tanzfestival

Projekt: Nachwuchsprojekte 
Empfohlene Summe: € 25.000.- 

Dieses wichtige Tanzfestival für Junges Publikum hat sich inzwischen zu einem nicht mehr wegdenk¬baren Bestandteil der Wiener Kulturlandschaft entwickelt. Nachwuchsförderung ist für uns grund¬sätzlich ein unverzichtbarer Aspekt der Projektförderung. Für Kinder und Jugendliche sind die Mittel des Tanzes und der Performance vielleicht noch viel geeigneter. Diese Empfehlung ist eine Unterstützung des Festivals und soll dazu beitragen, dessen Rolle in der Stadt auch für die Zukunft zu festigen. 

 

Tanztheater Verein Divers

Paul Wenninger
Projekt: tubed 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

Gemeinsam mit vier lokalen TänzerInnen befragt der Wiener Choreograf das konditionierte Gedächtnis des Erkennens und die wechselseitige Konditionierung zwischen dem Menschen und seinem Umfeld. In tubed zeichnet die Gruppe ein System von zeitlich nicht linear dargestellten Bildfolgen, welche sich erst durch den Akt des Betrachtens und im Kopf des Betrachters zu einem Ganzen zusammen¬setzen. Somit knüpft dieses aktuelle Stück an jenes thematische Feld an, welches Paul Wenninger bereits in dem vorangegangenen imbue (gemeinsam mit Rotraud Kern und Daniel Zimmermann) durchleuchtet und mittels einer – formal klar strukturieren – Abfolge von kurzen performativen Sequenzen dargestellt hat. Sein primäres Interesse gilt dabei den Zusehern und der Herstellung von Sinnzusammenhängen beim Betrachten der Choreografie. Ausgehend von zahlreichen Erkenntnissen der Neurologie entwirft die stringent choreografierte Bewegungsabfolge eben nur scheinbar kausale Zusammenhänge, welche sich aber durch die ständige Veränderung von Details für den Betrachter nicht bestätigen und somit wiederum neue Räume an Möglichkeiten eröffnen. 

 

THEARTE

Alexandra Hutter/Yvonne Zahn
Projekt: Zeitlos schön 

Empfohlene Summe: € 25.000.- 

Zeitlos schön ist das zweite Projekt, das die Produktionsleiterin Alexandra Hutter im Rahmen ihrer Plattform RAU („Running Artists Unite“) einreicht, mit dem Ziel jungen RegisseurInnen mit profes¬sio¬neller Begleitung zu unterstützen und mit KünstlerInnen aus anderen Bereichen zu vernetzen. In diesem Fall handelt es sich um eine Kollaboration mit der Dramaturgin Bettina Hering und Autoren des Drehbuchforums Wien. Zeitlos schön ist eine mehrteilige Theatersoap, die für einen nicht theatralen Raum konzipiert und nach den Regeln des Soap-Genres inszeniert wird. Die Regisseurin Yvonne Zahn hat für ihre Inszenierung Mia den „Stella“ in der Kategorie herausragendes Konzept erhalten. Auch dabei war ein Merkmal, dass die Inszenierung an einen Ort kommt, der kein Theater¬raum ist. Zeitlos schön wird in sechs Spielserien jeweils einmal wöchentlich in adaptierten Orten in vier Bezirken statt¬finden, wobei jede Folge mit einem „Cliffhänger“ enden soll. Die Theatersoap spielt bewusst mit sozialen Unterschieden und soll einen emotionalen Resonanzboden für ein sozial heterogenes junges Publikum bilden. Das Konzept verspricht eine über die Fernsehsoap hinaus¬gehende Unterhaltung, die in sich die Möglichkeit birgt Wahrnehmungsphänomene auszuloten. Mit ihren Reaktionen und der Nähe zu den Protagonisten können auch Jugendliche, die theaterfrei leben, in ihrem Umfeld und Ambiente mit einem Genre angesprochen werden, das ihnen bekannt ist, um „live“ eine neue Wirkung zu zeigen. 

 

Theater Ceroit

Christian Suchy
Projekt: Bosch, H. Ein Weltgerücht 

Empfohlene Summe: € 28.000.- 

Hieronymus Bosch porträtierte in seinen Gemälden die Grausamkeit seiner Gesellschaft. Seine Monster und Chimären sind auch noch fünfhundert Jahre später unheimlich, und humorreich zugleich. Die Auswüchse der Moral und die ätzende Schärfe des Erziehungskodeces der Kirche spiegeln seine Werke. Der Ausgangspunkt des Projektes ist das Triptychon Das Weltgericht, dessen Original in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste in Wien hängt. In der zeitent¬rückten Werkstatt des Restaurators fallen Dämonen, Teufel und Nachtgestalten des Herrn Bosch aus dem Rahmen. Der Restaurator ist vertieft und stößt dabei auf Geheimnisse und Hinweise im Pan¬dämonium des Gemäldes. In den Winkeln und Ecken der Werkstatt tauchen Chimären und Ungeheuer auf, um die „Torheit“ zu loben. Die Szenen, Anspielungen und Figuren des mittelalterlichen Bildes werden in der erwachten neugierigen Suche des Restaurators nach den Bezügen und Spuren lebendig. Sie lassen vor dem Publikum Szenen entstehen, die die alltägliche Einübung und Gewöhnung an zeitgemäße apokalyptische Zustände zeigen.Die Arbeiten von Christian Suchy und Eric Amelin beeindrucken in ihren Inszenierungen durch eine Musikalität, deren Wurzeln sowohl im Wiener Lied als auch im Jazz zu finden sind. Frei von jeder Glorifizierung und Folklore schaffen sie ein modernes Volkstheater, das vor allem mit musikalischen und dem Figurentheater entstammten Mitteln arbeitet. Ihr Theater entfaltet seine Bedeutung in der Wirkung von Details, und ist seiner Unverwechselbarkeit ein interessantes Gewächs in der Wiener Theaterlandschaft. 

 

Theater im Ohrensessel

Stefan Libardi
Projekt: Metamorphosen XXL – „Von Männern und Frauen“ 

Empfohlene Summe: € 24.000.- 

Ein Erzähltheater-Objekt-Art-Stück mit Live Musik für Jugendliche und Erwachsene ist diese Fort¬setz¬ung von Als das Wünschen noch geholfen hat nach Motiven von Ovid, ebenfalls mit Stefan Libardi als Erzähler, Nika Sommeregger als Regisseurin, Peter Ketturkat für Objektbau und Bühne und Tommy Nawratil für die Musik. Themengemäß richtet sich Von Männern und Frauen an Jugend¬liche. 
Das Material stammt von Ovid in verschiedenen Übersetzungen und wesentlich auch aus Christoph Ransmayrs Roman „Die letzte Welt. Mit einem ovidischen Repertoire“. Erzählt werden Geschichten von Männern und Frauen, Göttern und Göttinnen, deren Gegensätzlichkeiten, Sehn¬süchte, erfüllbaren und unerfüllbaren Leidenschaften und großen Enttäuschungen. Neben- und Mit¬spieler von Stephan Libardi werden von Peter Ketturkat angefertigte überlebensgroße „Stelen“ – Eisenrohre mit masken¬artigen Köpfen, die sich verstellen lassen und für eine permanente Verwandl¬ung des Bühnenraumes sorgen. Die neben den antiken Texten moderne literarische Auslegung als Textvorlage, die Raum¬gestaltung und das bei der letzten Produktion erreichte Gleichgewicht von direkter Erzählung und poetisch sinnlichen Momenten sprechen für die Fortsetzung dieser Team¬arbeit. 


 

Verein aus heiterem Himmel

Natascha Gundacker und Joachim Berger
Projekt: Ein Baum geht durch den Wald 

Empfohlene Summe: 15.000.- 

Natascha Gundacker ist Puppenspielerin, Mimin (z. B. Theater Ceroit) und schuf die Kult-Kunstfigur Agatha Notnagel. Gemeinsam mit dem Musiker Joachim Berger ist sie in Österreich und im Ausland mit ihren Produktionen unterwegs. Ihr erstes Kinderstück Birne Helene hat durch Skurrilität, Witz und Handwerk überzeugt. Letzteres veranlasste uns auch Ein Baum geht durch den Wald – nach dem gleichnamigen Ausspruch eines fünfjährigen Mädchens – zu empfehlen. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Baumes, der sich seinen Weg durch den dichten Wald bahnt um seinen Platz zu finden.
Mit der Verwendung von Aussprüchen aus dem „Kindermund“ in Dialogen, dem Einsatz des Puppen/ Figuren/Objektspiels als Theaterform mit hohem Identifikationspotential und der humorvollen Umsetz¬ung relevanter Themen möchte das Team das junge Publikum in eine angstfreie Atmosphäre erzeugen. Neben der Geschichte spielen Materialien und Musik eine wesentliche Rolle und nicht zuletzt das mimische und komödiantische Spiel von Natascha Gundacker. Auf der inhaltlichen Ebene sollen trotzdem soziale Ungerechtigkeiten aufgezeigt, sowie Mut zur Zivilcourage und eigener Meinungs¬äu߬erung gemacht werden. Durch ihre Auftritte in Kindergärten und Schulen finden sie auch den sozialen Resonanzboden. 

 

Verein Chimera

Daniel Aschwanden
Projekt: 15-20 Arten erschossen zu werden 

Empfohlene Summe: 20.000.- 

In diesem Solo möchte Daniel Aschwanden „den seltsamen Choreografien eines Körpers, die durch den Schuss aus seinem Gleichgewichtszusammenhängen gerissen werden“, nachspüren. Zu den inhaltlichen Fragestellungen, welche dem Probenprozess vorangehen: Wie fällt ein Körper? Steckt hinter dem Faktischen eine Poesie? Welchen Ausdruck findet die Endlichkeit, wenn sie vor Augen ist? versucht der erfahrene Künstler ein performatives Stück zu kreieren, das als Ausgangspunkt die Gegenüberstellung des „fallenden“ Körpers und die Pose des „zielenden“ Körpers. Die Darstellung operiert mittels Rollenwechsel und Spiel mit Sichtweisen, Blickwinkeln und der Auflösung des Raum-Zeitverhältnisses. Formal nähert er sich der Fragestellung nach der Kombination verschiedener narrativer Strukturen und der Aufsplittung der eingesetzten Medien. Das Thema ist durch die Medien ein fast vertrautes. Man kann sagen: Schüsse begleiten uns durch das Leben, ohne dass man sich je eine Frage stellt. Gerade diese „Vertrautheit“ lässt Lust an dem Projekt entstehen. Die Fragstellungen machen neugierig. 

 

Verein Kinoki

Tina Leisch 
Projekt: Roma Schlurfs 

Empfohlene Summe: € 37.000.- 

Gemeinsam mit dem Choreografen Zoran Bogdanovic hat Tina Leisch bereits mit Roma-Darstellern aus Ex-Jugoslawien und dem Musiker Harry Stoika das Projekt Liebesforschung realisiert. Die dabei aufgetretenen Reibungen, da die Regisseurin keine Romni war, sollen in Romaschlurfs thematisiert werden. Eine Romatheatertruppe möchte ein Stück über das Leben der Zigeuner zur Zeit Maria Theresias spielen, darin brechen Konflikte auf, die mit der gegenwärtigen Realität der Darsteller zu tun hat. Dabei stellt sich auch die Frage nach Darstellungskonventionen von Roma, die sogar eintreten, wenn Roma sich selber spielen. Tina Leisch arbeitet für diese Produktion mit dem oben genannten Team, einer Wiener Darstellerin und Roma- Laien und Profidarstellern, die aus Österreich und den Nachbarländern kommen, um auch hier eine Kommunikationsebene einzuziehen. Gemeinsam erarbeiten sie über einen längeren Zeitraum in Workshops eine Materialsammlung, woraus ein dreisprachiges Autorenteam (Deutsch, Romanes, Serbisch) eine Textfassung erstellt. Tina Leisch hat in den letzten Jahren einige spannende Theaterprojekte, die im soziokulturellen Bereich angesiedelt sind, verwirklicht. Wobei die Spanne von Profi-Theater mit Laienmitwirkenden (Mein Kampf) bis zur speziellen Bedingung im Frauengefängnis Schwarzau reicht. Es gelingt ihr sowohl bei den Mitwirkenden als auch bei den Zuschauern Klischees aufzubrechen und ein Thema auf mehreren Ebenen mitzudenken und umzusetzen.Kinoki steht somit für ein Freies Theater, das seine Wurzeln im politischen Anspruch und der sozialen Intervention sieht, und das mit der künstlerischen Herkunft der Initiatorin/Regisseurin vereint. 

 

Verein Theater Transformation

Gerhard Naujoks
Projekt: Der Flug des Ikarus 

Empfohlene Summe: 5.000.- 

Der Flug des Ikarus ist eine Koproduktion von theater transfomation unter der Regie von Gerhard Naujoks und der Frankfurter Off-Theatergruppe red park, 2002 gegründet, um die Zuschauer in Bewegung zu setzen und um allgemeine und außergewöhnliche Praktiken zu nützen Wahrnehm¬ungs¬modi zu hinterfragen. Lars Schmidt von red park ist für die Dramaturgie und das Setting verant¬wort¬lich. Erwarten kann man ein Zusammentreffen von „inszeniertem Theater“ und performativen Live-Art- Ansatz, in dem die Zuschauer zu aktiven Koproduzenten des theatralen Ereignissen werden.
Folgerichtig finden die Aufführungen sowohl in Kunsträumen als auch in öffentlichen Räumen vor wenig Publikum statt. Die Geschichte von Ikarus (von Raymond Quenau) wird von einem Performer, der Schauspieler ist, an und zwischen den Tischen eines Restaurants erzählt, wobei keine der 74 Szenen und 39 Figuren auszulassen sei, vor keiner Wendung in der Story zurückgeschreckt werden darf und dabei die ganze Spanne zwischen Lecture-Performance und theatraler Aktion zu durchmessen sei. Max Mayer kämpft mit dem Roman und ihm stehen viele Möglichkeiten offen. Naujoks/Schmidt vermitteln schlüssig die Idee, das Setting und die Form der geplanten Umsetzung. Sie haben bereits Erfahrung in der guten Zusammenarbeit am Mousonturm in Frankfurt/Main. 

 

ViennaBodyArchives

Projekt: Internetmagazin Corpus 

Empfohlene Summe: € 20.000.- 

Das Internet-Medium Corpus hat sich seit seinem Online-Gang im Oktober 2006 als diskursive Plattform sowohl national als auch international äußerst erfolgreich etabliert. Das übersichtlich gegliederte und grafisch anspruchsvolle Webmedium bietet wissenschaftlich fundierte Texte zu Schwerpunktthemen, profunde Kritiken aus ganz Österreich (sowie dem benachbarten Ausland), Interviews und Porträts, eine Künstler-Residenz, Literaturtipps, einen informativen und hilfreichen Serviceteil sowie Kooperationen mit Institutionen und Festivals. Die inhaltliche Ausrichtung fokussiert zwar die Sparte zeitgenössischen Tanz und Performance, eine Ausweitung in Richtung bildender Kunst, Film, Theater usw. ist aber intendiert und wird durch zahlreiche Beiträge bereits Rechnung getragen. Das ambitionierte Redaktionsteam und die individuell zugezogenen Autoren aus dem In- und Ausland garantieren einen adäquaten Diskurs auf intellektuell hohem Niveau, dessen Fortsetzung unbedingt wünschenswert erscheint. 

 

violet lake

David Subal & Michikazu Matsune
Projekt: One hour standing for 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

Performance – Fotografie – Video: in ihrer neuen Arbeit zielen die beiden Performer auf eine Irritation beim Betrachter und einer bewusst vorgenommenen Vermischung der Formate. In 24 Hauptstädten positionieren sie sich – jeweils für eine Stunde – vor deren signifikantesten Gebäuden und hinter¬fragen Tourismus, Kapitalismus, Nationalismus, Geschichte, das menschliche Ego, den städtischen Fetisch, die Zeit und die Unmöglichkeit absoluter Stille. Für David Subal und Michikazu Matsune, die seit 2004 für zahlreiche Projekte kollaborieren und mit ihren performativen Aktionen, Installationen und Bühnenstücken inzwischen auch international reüssiert haben, gilt es stets, die Grenzen der einzelnen Genres zu überschreiten und mit den Rezeptionsmöglichkeiten des Publikums zu spielen. In ihren künstlerischen Arbeiten, die unleugbar stark von der bildnerischen Kunst beeinflusst sind und sich bei allen Sparten Anleihen holen, jonglieren sie durchaus humorvoll und spielerisch gleichermaßen mit Ingredienzien des Kunstbetriebs wie des Alltags. Mit One hour standing for positionieren sie sich wiederum abseits des klassischen Black Box-Aufführungsformates und reisen mit ihrem Publikum quer durch Kontinente, Städte und Genres. 

 

Wiener Tanz- und Kunstbewegung

Kroot Jurak 
Projekt: Maybe not now 

Empfohlene Summe: € 7.000.- (Nachwuchsförderung) 


Die in Wien angesiedelte Estin Kroot Jurak hat in den vergangenen Jahren nicht nur als Interpretin in zahlreichen lokalen und internationalen Produktionen – beispielsweise mit Mart Kangro und Manuel Pelmus oder Milli Bitterli und Anne Juren – auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch mit ihrem ersten eigenen Solo once upon eine erste Talentprobe als Künstlerin abgegeben. Für das kommende imagetanz-Festival entwickelt sie eine Performance, welche die gängige Herangehensweise an eine künstlerische Arbeit – nämlich Bewegungsmaterial in den Proben zu kreieren um aus diesen dann ein Stück zu bauen – unterwandert. Für maybe not now durchleuchtet sie einen existierenden Gesell¬schafts¬tanz, den Tango, auf seine soziale Tauglichkeit hin und dekonstruiert das Bewegungsmaterial soweit, dass am Ende kein Tanz im herkömmlichen Verständnis zu sehen ist. Das Publikum wird also Zeuge von fragmentierten, losgelösten Bewegungen, die vielleicht einmal ein Tanz waren. 

 

Wiener Tanz- und Kunstbewegung

Anne Juren
Projekt: Komposition 

Empfohlene Summe: € 30.000.- 

Anne Juren, seit Jahren in Wien lebende gebürtige Französin und gerade mal 29 Jahre jung, hat bereits mit ihren ersten Soli A, Code Series und den Duetten J’aime und look look zahlreiche Proben ihres herausragenden choreografischen Talentes abgegeben. Für die kommende Gruppen-Produktion Komposition lädt sie erstmals eine größere Anzahl von Kollegen aus dem In- und Ausland ein, mit denen sie bereits im Vorfeld eine längerfristige Recherchephase absolviert hat. Dieser fundierte, theoretische Austausch bildet das Ausgangsmaterial für den eigentlichen choreografisch-dramaturgischen Stückprozess. Dabei operiert die Gruppe streng mit einer empirischen Heran¬gehensweise an und untersucht, wie mittels Bewegung eine Idee transportiert werden kann. Formale Klarheit, stringente Struktur und ein feiner Rhythmus haben Anne Jurens bisherige Arbeiten ausgezeichnet und werden wohl auch in Komposition eine maßgebliche Rolle spielen. 

 

WUK – Verein zur Schaffung offener Kultur- und Werkstatthäuser

Johannes Maile
Projekt: Shakespeare – nunc sanz droict (Projekt zur Förderung des Nachwuchs) 

Empfohlene Summe: 40.000.- 

“Nicht ohne Recht“ ist der Wahlspruch auf dem Familienwappen, das Shakespeare zugesprochen wird. Es ist auch der programmatisch gewählte Arbeitstitel einer von Johannes Maile, dem künstlerischen Leiter des WUK Theater/Tanz geplanten Bewerbes für freischaffende NachwuchskünstlerInnen/Ensembles im Sprechtheater. Die Überlegung dabei ist, dass Shakespeare im Moment den Staatstheatern überlassen wird, an kleinen Häusern und im freien Schaffen Gegenwartsdramatik und „Selbstentwickeltes“ bevorzugt wird.
Dieses Nachwuchsprojekt soll junge freischaffende RegisseurInnen und Ensembles in Wien und bundesweit animieren sich mit klassischen Werken auseinander zu setzen. Mit den Fragestellungen: Was hat ein Dichter wie Shakespeare heute zu sagen? Welche Mittel und Wege finden junge KünstlerInnen seine Dramen ins Hier und Jetzt zu transferieren? Welche Konfrontationen gibt es? Was ist gesellschaftlich relevant? Was geschieht mit der Sprache? Diese Fragestellungen finden wir interessant und nachgehenswert. Das freie Sprechtheater befindet sich im Moment oft eher auf der gesellschaftspolitischen Themensuche als auf der Suche nach einer ästhetischen Sprache.
Am Projekt überzeugt, dass der formale Zugang zu den Stücken frei wählbar ist, aber ein eigener Zugang von einer eigenen Sicht auf die Welt, Gesellschaft geprägt sein soll. Und vor allem die Supervision, die Probenmöglichkeit und geplanter Austausch, Kommunikation und Konfrontation der KünstlerInnen während der Probenphase. abschließend zum Shakespeare-Areal, in dem die Ensembles ihre Arbeit jeweils 3-4 mal zeigen können. 


vorige Seite Seite 3 / 44 nächste Seite Drucken