Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Begründungen der Projekte von Januar bis August 2009 
Einreichtermin: 15. Mai 2008

 

Aktionstheater
Paradiesseits

Empfohlene Summe 30.000,-

Das Aktionstheater gehört zu den wichtigen freien Theatergruppen der österreichischen Szene. Diesmal widmen sie sich dem Schicksal von PensonistInnen. In einer Verkaufsshow soll den ProtagonistInnen Hochzeitskleider angedreht werden, es entwickeln sich Liebesgefühle, und sie schicken sich an, die ihnen angedrehten Hochzeits-Kostümierung mit Wirklichkeit zu füllen. Aus einer halblustigen Animation für Pensionisten wächst eine exzessive und skurile Hochzeitsfeier.




Company TWO In ONE
Akos Hargitay
Projekt: Freerunnung & Bodyparkour
Empfohlene Summe:  18.000.-

Akos Hargitay lebt und arbeitet seit 2007 in Wien im intensiven Dialog und künstlerischem Austausch mit anderen Performern, Choreographen, visuellen Künstlern und Musikern. 

Mit einem Team aus bekannten Performern aus Österreich und Ungarn und Livemusikern aus der Beatbox-Szene möchte er Freerunning nicht als Sportart, sondern als zeitgenössische  Bewegungs- und Spielform verstanden wissen und dessen kreatives und künstlerisches Potential nutzen. 

Erforscht werden neue Spielformen und deren fließenden Übergänge zwischen neu entstehenden Sportformen, Performance und Musikformen, die im urbanen Raum entstehen. 

Dabei soll mit Holz- und Metallgerüsten gearbeitet werden, um den Bühnenraum zu erweitern und den Performern Bewegungsfreiheit auf mehreren Raumebenen zu ermöglichen. 

Akos Hargitay und sein Team bringen mit ihren Performances, im von realistischen Problemstücken dominierten Theater und Tanz für Jugendliche, auf der visuellen, darstellerischen, energetischen Ebene zeitgenössische darstellende Kunst, die an die Lebens- und Erfahrungswelt junger Menschen reicht, auf die Bühne.




daskunst
Asli Kislal
Projekt: Warum das Kind in der Polenta kocht
Empfohlene Summe: 37.000.-

Das Kollektiv daskunst trägt zur kulturellen Vielfalt in der Wiener Off-Theaterszene bei, indem es sowohl die gegenwärtig bunte Gesellschaft innerhalb Österreichs/Europas widerspiegelt, als auch politisches Theater präsentiert, das an persönlichen erlebten Abgründen interessiert ist. Unabhängig von Kulturkreisen, hat daskunst einen Platz in der Wiener Theaterlandschaft  gefunden. Das neue Projektvorhaben unterscheidet sich, auch das ist wesentlich für die Gruppe, vom vorhergehenden „Das Experiment“, das zwanglos ein westliches wissenschaftliches Experiment aus den 60erJahren mit der heutigen multikulturellen Gesellschaft verbindet. „Warum das Kind in der Polenta kocht“, hat ein brisantes Thema, das in Form eines Märchens die Geschichte eines Kindes aus einer rumänischen Artistenfamilie schildert, das in mehreren Welten aufwächst und verzweifelt seinen Platz im Leben sucht. 

Das Stück handelt von verlorenen Träumen, Illusionen, verklärter Heimat und Verheißungen des Westens – eine Geschichte des Scheiterns, erzählt aus den Augen eines Mädchens. 

In die Produktion eingebunden werden Fenfire – Feuer& UV-shows, die Familie Flötz (Clownerie), und für die Bühne das Künstlerkollektiv collabor, welches für alle Arten von Medien arbeitet. Das verspricht mit der Intensität, dem schwarzen Humor und dem starken Ensemble von daskunst eine starke Symbiose.




Foxfire
Lilly Axster
Wiederaufnahme: Es-E-IX. Kinderfragen. Klebebilder
Empfohlene Summe: 7.000.-           

Das Projekt setzt sich aus einem aufgeführten Theaterstück und einem begeh- und spielbaren Archiv zusammen. Nin – Bub oder Mädchen, das hat es noch nicht entschieden, sammelt alle Antworten auf seine Fragen in einem Archiv. 

In Lilly Axsters Stück und unter ihrer Regie stellen Massud Rahnama, Grace M. Latigo und Elisabeth Leopold in ihren Rollen sämtliche „Fakten“ zu Geschlechtsidentität, Herkunft, rollenadäquate Besetzung und Alter auf den Kopf. Ein erwachsener Mann spielt Nin, er und seine „Schwestern“ kommen alle drei aus unterschiedlichen Kulturkreisen und all das ist selbstverständlich. Das Archiv – erst in geheimnisvollen Schachteln verpackt - kann nach der 

Aufführung an Hör- und Spielstationen erkundet werden. 

Es-E-IX ist eine der außergewöhnlichsten Kindertheaterproduktionen der letzten Zeit. Da das Bühnenbild (Archiv) und Installation aufwendig sind, kann die auch von uns gewünschte Wiederaufnahme nur mit einer neuerlichen Förderung zustande kommen.




Kulturverein Dachtheater
Cordula Nossek
Projekt: Miss Missing  (1+)
Empfohlene Summe: 13.000.-

Theater für die Allerkleinsten ist ein nicht unumstrittener künstlerischer Bereich. Cordula Nossek beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Theorie und Aufführungspraxis von Theater für die Allerkleinsten. Aufgrund gesellschaftlicher Realität – Kinder kommen immer früher in den Kindergarten – steigt der pädagogische, emotionale, sozial- und kulturpolitische Bedarf an kultureller Unterstützung für die Kindergartenpädagogen. 

Obwohl der Ansatz dieser Theaterform ausschließlich pädagogisch motiviert wirkt, empfehlen wir „Miss Missing“ im WUK als Theaterprojekt, das unter der Regie von Martin Staes-Polet und der Dramaturgin Charlotte Fallon eine fruchtbare Zusammenarbeit mit international anerkannten Künstlerinnen auf dem Gebiet des Theaters für die Allerkleinsten   verspricht.




Notfoundyet/Thomas Kasebacher   
Sometimes I apparently do those things
Nachwuchs 6.500,-

Thomas Kasebacher gehört zu den interessanten Nachwuchskünstler der Performanceszene Wiens. In seiner zweiten Arbeit widmet er sich wieder.Um den Umgang mit Erinnerung. Betrachten, Suchen nach Erinnerung sind wesentliche Aktionen seiner theatralen Konzeption. „Mich interessiert die Idee des Erinnerns in der Definition als Suche, Sammeln und Finden im Sinne des englischen Wortes „Recollection“ (Erinnerung - aber auch wieder-zusammen-sammeln) und cih möchte in dieser Arbeit mit dem Sammeln von Geschichten die rekonstrueirt werden umgehen.“ Diese Arbeit schließt sich an seine zuvor geförderte Arbeit „Blackout“ an




Oper Unterwegs
Helga Utz
Projekt: Undine geht in der S45
Empfohlene Summe: 28.000.-

Helga Utz war jahrelang an der Staatsoper Stuttgart, einem der führenden Häuser für moderne Oper und am Staatstheater Darmstadt als Musikdramaturgin tätig. Außerdem realisierte sie gemeinsam mit Wolfgang Mitterer und Olga Neuwirth eine Reihe von freien Musiktheaterprojekten im öffentlichen Raum. Nach Wien zurückgekehrt, findet „Undine geht in der S45“ nach Bachmann mit der Musik Wolfgang Mitterers, getreu der Konzeption von Oper unterwegs, in einem Raum, der im städtischen Alltag vertraut ist, statt. Dieser vertraute Raum soll durch die Musiktheater-Realisation verändert wahrgenommen werden, das heißt die Eigenheiten des Raumes werden theatralisiert, man muss sich auf das Fahren in einer Bahn der Vorortelinie einlassen, unterwegs sein. Darin dringt Undine als Inbegriff des unbehausten Wesens ein, reist ein Stück mit, muss wieder aussteigen. Wenn die Bahn am Nordbahnhof still steht, erreicht der Text seine Klimax. Die Grenzen zwischen den realen und den inszenierten Bildern verfließen, das Außen, die Bahn und das Stück werden zu einem ganz eigenen Erlebnis. 



„Undine geht“  im öffentlichen Raum zu setzen, ist konzeptionell schlüssig und macht neugierig. Auf Grund der künstlerischen Biografien und Erfahrungen der Mitwirkenden erwarten wir ein außergewöhnliches Musiktheaterereignis.




Playbackdolls/Tini Trampler/Madm‘S Factory                                               
Empfohlene Summe  23.000,-

Tini Trampler bekannt durch ihre Musikcombo will in diesem Projekt auf Elemente des Theaters, der Musik, der Performance und des Films zurückgreifen. „Playbackdolls steht für ein Subjekt, das sich gezwungen sieht, mit dem eigenen Leben und seinen Erwartungen zu spielen, und zugleich dieses Spiel selbst als allzu reale Verknotung mit der Realität begreift. Was als Realität übrig bleibt, ist das Wissen um den unauflösbaren Zusammenhang der Fäden, ungeachtet der Autonomie, mit der sie in diese oder jene Richtung gezogen werden.“ Akteure sowie Requisiten sollen gleichermaßen Objekte dieses Welt werden. Ein Mikrophon wird zur handelnden Person; Verschiebungen von Werten ermöglichen andere Einblicke: Ein tragikomisches Märchen. Die Person Wilma von Dovestone und ihre Liebesgeschichte mit einem Mikrophon.




Julius Deutschbauer                                                                                                           
Schreiben austreiben/Theater des Verhinderns
Empfohlene Summe 20.000,-

Julius Deutschbauer will mit einem unterschiedlichen Ensemble, das Laien ebenso umfasst wie erfahrene Performancekünstler/innen auf Grundlage seiner Arbeit an  „Schreiben austreiben“  Theaterformen zu entwickeln. Es geht bei ihm um eine „Technik des Verhinderung:  Erschwerung, Hemmung, gewachsene Hürden und Hindernisse, innerliche und äußerliche Blockaden und Sperren“. In diesem Koordinatensystems kreist sein Denken, das Ausgang für Textversuche und szenischen Anstrengungen sein wird.




Verein für dramatische Kunst/Die Schwimmerin/Katrin Schurich                                    ,-
Elephant Island
Empfohlene Summe 30.000,-
-
Sir Ernest Shackleton versuchte 1913/14 die Antarktis von West nach Ost zu Fuß zu überkehren, ein Versuch der scheiterte und trotzdem gehört diese Expedition zu den spektakulärsten und berühmtesten Antarktisfahrten. Die Motive des Entdeckers, extreme Erfahrungen bzw. Grenzerfahrung für Mensch, Fortschrittsgrenzen werden Voraussetzungen für eine Stückentwicklung für ein Schauspileensemble unter der Führung von Katrin Schurich. Aufführungsort soll das Naturhistorische Museum werden. Die Idee diesen Stoff mit zeitgemäßen Fragestellungen in Zusammenhang zu bringen, wie Spielort und Ensemble waren Grund für diese Empfehlung.




FAR A DAY CAGE
Thomas Schweigen
PATE I-III                       
Empfohlene Summe 30.000,-

Der Wiener Thomas Schweigen gehört zu den interessantes Regisseuren seiner Generation. Mit seiner Freien Gruppe FAR A ADY CAGE schafft er es aktuelle Theaterabende zu entwerfen. Er vereint darin geschickt  perfromative Ansätze mit komplexe dramaturgischen Überlegungen über soziale Gegebenheiten unsere Alltagswelt. Eine Mafia-Story, ein Familiendrama und die Entstehungsgeschichte eines Kultfilms, einer Kultfilm-Trilogie: Aus diesen Zutaten entsteht eine dramatisch-performatives, musikalisch-kulinarisches Mammut-Stück über die informellen Netzwerke, die Familie, Handel und Kultur – kurz unsere Gesellschaft – zusammen halten. FAR A DAY CAGE erzählt, schlüpft in die Rollen von Marlon Brando, Al Pacino und Co., kommentiert, analysiert, verrät Insiderwissen, lädt Gäste ein, kocht sizilianische Gerichte, isst gemeinsam mit den Zuschauern zu Abend, diskutiert und plaudert, spielt und experimentiert, musiziert und hört zu, erinnert sich, wagt einen Blick in die Zukunft und untersucht wie es möglich ist, dass die Menschen – bei all ihrer Schlechtigkeit – meist so scheinbar schwerelos aneinander vorbeikommen. Anhand des Filmplots, der weltbekannten und vielzitierten Kultszenen, der unzähligen spannenden, kuriosen, verrückten und dramatischen Geschichten rund um die Entstehung der Filmtrilogie will also FAR A DAY CAGE gemeinsam mit dem Publikum hinter die Geheimnisse gesellschaftlicher Physik kommen, will einen mikroskopischen Blick in das Räderwerk werfen, das zwischen den ewigen Polen Familie, Business und Kunst seine unablässige Arbeit tut.




NEWCOMS
Planet der Slums Gramatik der Metropole II           
Empfohlene Summe 17.000,-           
I
n den letzten Jahren wurden unter den verschiedensten Kontexte die (Stadt-) Entwicklung von Groß- Städte neben architektonischen Überlegungen Zielpunkt künstlerischer Fragestellungen. „Von den Favelas Buenos Aires bis zu den Banlieues von Paris bringen explosionsartige Revolten di Problematik der Marginalisierten auf die internationale Tageordnung.“ Dieses Projekt geht von der simplen Tatsache aus, dass jeder achte Mensch unsere Welt in Slums lebt, und wir trotzdem gleichzeitig wenig darüber wissen. Das Projekt „Planet der Slums“ geht von folgenden Fragestellungen aus: Wie wird sich diese Fluchlinie in der Zukunft fortsetzen? Wie werden Architektur und Poilzei agieren und reagieren...und in der Folge Was heißt das für Wien mit seiner prognoszierten Einwohnerzahl über 2 Millionen um 2050 herum. Wie schauen die Ränder unsere Stadt dann aus?..... Das Projekt wählt das Format einer „Schule“, in der zwei Performer uns (den Zuschauer) In einen Kurs über Wien im mittleren 21. Jhdts informieren. Wir sollen die Möglichkeit als Kursteilnehmer/in zu reagieren bzw. die Möglichkeit einer Stellungnahme haben. Eine narrative Fiktion über einen noch nicht existierenden Gegenwart. Neben der Thema überzeugen bei diesem Projekt auch seine handlenden Personen. Fahim Amir, Djana Covic, Samuel Schwarz, Ralo Mayer, Christian Töpfer und ambient.tv. Es soll eine Koproduktion mit dem wuk-Theater sein.




FUP
Miki Malör
Projekt: 100 Objects to represent theater
Empfohlene Summe: € 40.000.-

Zu ihrem 25-jährigen (!) Bühnenjubiläum gestaltet die Wiener Performerin eine ganz persönliche Schau: ein Theater-Universum bestehend aus 100 Objekten. Das reiche künstlerische Schaffen von Miki Malör hat über die Jahre nichts von seiner gesellschaftspolitischen Brisanz eingebüsst und ihre Stücke überzeugen immer wieder durch ihren schrägen Humor sowie durch ihren ironischen Zugang, was gerade in ihrer letzten Arbeit Tigerbalsam (November 08 im Kosmos) zu überprüfen war. 







Für das neue Stück wählt Miki Malör gemeinsam mit ihrem Team 100 Objekte aus, die ihrer – subjektiven – Meinung nach das heutige Theater und seine Praxis reflektieren und schafft ein absurdes Panoptikum der Dinge. Der Erarbeitungsprozess erstreckt sich auf mehrere Phasen: zuerst diskutiert eine heterogen zusammengesetzte Runde aus ExpertInnen, welche Gegenstände in Frage kommen und reflektiert deren Einsatz auf einer theoretischen Metaebene. Der zweite Schritt konkretisiert die Liste, die dritte Phase beschäftigt sich mit der Herstellung beziehungsweise dem Besorgen der Objekte. Die finale Phase besteht in der dramaturgischen Umsetzung für die Aufführung, dem Arrangement und dem Einsatz der verwendeten Objekte. Ein Theaterabend als Minidrama.




INSERT THEATERVEREIN
Doris Uhlich
Projekt: so
Empfohlene Summe: € 20.000.-

Mit den beiden abendfüllenden Stücken und und Spitze hat die, am Konservatorium der Stadt Wien ausgebildete, Doris Uhlich innerhalb kurzer Zeit im In- und Ausland reüssiert. In beiden Produktionen verbinden sich Inhalt und Form mit überzeugenden ProtagonistInnen und überzeugen somit als stimmig gestaltete Abende. 



Ausgangspunkt für das neue Stück von Doris Uhlich ist wiederum die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und die thematische Befragung, warum es für sie schon immer diese unbändige Lust am Tanzen gab. Diese persönliche Spurensuche wird begleitet von einer Recherche, welche dem Phänomen des Glamours nachspürt. Dabei spielen die 80er Jahre und hier im Besonderen der Durchbruch der Pop-Ikone Madonna eine Schlüsselrolle. Die von ihr kreierte unverwechselbare Mischung aus Gesang und Tanz wurde rasch weltweit stilprägend und tausendfach kopiert. In so nähert sich die junge Choreografin gemeinsam mit der Dramaturgin Andrea Salzmann mit ihrem Körper an die Kunstfigur Madonna an und wirft einen kritischen Blick auf mediale und gesellschaftliche Phänomene der Vergangenheit und Gegenwart.




ROTRAUD KERN
Projekt: The definition is me
Empfohlene Summe: 8.000.- (Nachwuchsförderung)

Die junge, am Salzburger SEAD ausgebildete, Tänzerin Rotraud Kern ist in den vergangenen Jahren zum einen als Protagonistin in den Stücken von Paul Wenninger in Erscheinung getreten. Darüber hinaus hat sie aber mit ihrem ersten abendfüllenden DuettPlay (gezeigt im WUK) eine beachtenswerte Nachwuchsarbeit vorgestellt, welche durch ihre formale Umsetzung und stringente Dramaturgie überzeugt hat. In ihrer neuen solistischen Arbeit, widmet sie sich dem Verhältnis von Interpret und Zuschauer, Präsentation und Rezeption, dem Körper und seinen Lesbarkeiten. Das primäre inhaltliche Interesse richtet sich auf die Aus­einander­setzung mit der Bedeutung von Wörtern und in weiterer Folge mit dem Kreieren von lesbarer Bedeutung im Zusammenhang mit dem performenden Körper. In kurzen Bildern und Episoden, in denen der Darsteller entweder allein oder im Kontext mit Objekten des Alltags agiert, soll das Publikum zu einer eigenen Übersetzung des Geschehens verführt werden.




KUNSTVEREIN LADY CHUTNEY
Gini Müller
Projekt: Transkatholische Vögel
Empfohlene Summe: € 30.000.-

Regisseurin Gini Müller untersucht, ausgehend von Motiven aus Pasolinis Film Große Vögel, kleine Vögel, Hermes Phettbergs Predigtdienst-Texten und Literatur von Antonio Negri und Michael Hardt, politische und religiöse Themen.  Die zentrale Frage „Wohin geht der Weg“ reflektiert der Abend in kurzen Possen, angereichert von Musik, Sound- und Videomontagen, erzählt über die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren, nähert sich über spirituelle und politische Diskurse den (gemein­schaftlichen) Wegen, Systemen, Lebewesen, Parasiten und Wunsch­maschinen an. Nach der erfolgreichen Musiktheater-Revue Orlanding the Dominant (präsentiert im Jänner ´08 in brut), einer humor- und lustvoll gestalteten und interpretierten Zeitreise auf den Spuren von Virginia Woolf,  begibt sich das Kernteam Gini Müller, Sabine Marte und Peter Kozek – flankiert von einem ideologisch sprechenden Raben - räumlich auf eine kleine Drehbühne und inhaltlich auf die Suche nach einem kollektiven Weg im spät­kapi­ta­listischen Leben. Linksintellektuelle Weisheiten treffen auf profanes Alltagsuniversum und versprechen eine orgiastische Passion in bester (Post)-Brecht Manier.




LUX FLUX 
Projekt: Filzen (In die Fussstapfen der Hand)
Empfohlene Summe: € 27.000.-

Das KünstlerInnenkollektiv Lux Flux, 1994 von Inge Kaindlstorfer, Jack Hauser und David Ender gegründet, zu dem seit einigen Jahren auch Sabina Holzer als fixes Mitglied zählt, positioniert seine Arbeiten an der Schnittstelle zwischen darstellender und bildender Kunst. In ihren transdisziplinären Performances stehen Tanz, Bewegung, Aktion, Geräusch, Installation und Alltag gleichberechtigt nebeneinander. Die Produktions- und Präsentationsformen des Labels unterscheiden sich durch ihre langfristige prozesshafte Entwicklung und eine - fast ausschließlich - improvisierte Struktur sehr bewusst von herköm­mlichen Stücken. Somit nimmt die Gruppe eine gleichermaßen originäre wie singuläre Position in der Wiener Performancelandschaft ein. 







In Filzen (in die Fussstapfen der Hand) nimmt sich das Team fünf - bereits existierende -Werke aus verschiedenen Kunstsparten als Ausgangspunkt für ihre Recherche. Dabei wird nicht nach deren zentralen Aussagen gesucht oder die Arbeiten im klassischen Verständnis analysiert, sondern vielmehr sollen die verschiedenen Themen miteinander verwoben werden und sich darüber ein inhaltlicher und formaler Dialog bilden. Die fünf künstlerischen Referenzen kommen von dem Maler Siegfried Anzinger, dem Choreografen Benoit Lachambre, der Pop-Sängerinnen Björk und PJ Harvey, der Autorin Kathy Acker und der Film-Tetralogie Alien. Das Ergebnis dieser intensiven Befragung wird im Tanzquartier Wien im Mai 09 präsentiert.




Nadaproductions
Amanda Pin
Projekt: Them
Empfohlene Summe: 10.000.-

Die letzte choreographische Arbeit der Tänzerin Amanda Pina und des mixed-media-Künstlers Daniel Zimmermann „We“ wurde von Elias Canettis Beschreibung des Verhaltens der Masse im Theater beeinflusst. Die Produktion bestand aus einer Videoanimation, in der sich das Publikum selbst widerspiegelte und mit geschriebenen und projizierten Gedanken, dwelche einzelnen Zuschauern unterlegt wurden, konfrontiert. Fokus lag auf den Gedankenprozessen, des Publikums selbst und auf dessen passiven Verhalten. 

Die Produktion, wirkte verspielt, warf aber den Zuschauer auf sich zurück, der/die sich nicht sicher sein konnte, aus der geborgenen Menge herausgehoben zu werden und Teil des dramaturgischen Gedankenspiels der anderen Anwesenden zu werden. 

„We“ wurde als österreichischer Beitrag zum nächsten „Freischwimmer“-Festival, dem jährlich stattfindenden deutschsprachigen Nachwuchstheater/Performance-Festival eingeladen. 

 „Them“ soll eine Forstsetzung dieser Arbeit auf einer mehr körperlich-physischen und dennoch abstrakten Art und Weise den Anderen als Individuum, aber auch als Gruppe erforschen. In drei von einander unabhängigen Elementen und Arbeitsweisen entstehen ein Solo, ein Duett und ein Teil für eine Gruppe von 5 Tänzern. Ausgangspunkt ist das lineare Verständnis von Zeit und Entwicklung in Frage zu stellen und eine Tanzperformance zu entwickeln, die dem Publikum eine kinästhetisch-sinnliche Erfahrung ermöglicht, die an die rechte Gehirnhälfte appelliert




Szene Bunte Wähne
Markus Miko
Projekt: Übermorgen
Empfohlene Summe: 20.000.-

Holländische Kinderstücke zählen zu den besten, sind aber in letzter Zeit rar auf Wiener Bühnen. Szene Bunte Wähne hat den holländischen Regisseur Joost Koning engagiert um dieses Schauspiel mit Livemusik in Kooperation mit TAG – Theater am Kirchplatz (Lichtenstein) mit zwei interessanten heimischen Darstellerinnen – Claudia Kottal und Martina Ambach - zu realisieren.

„Übermorgen“ ist ein modernes Märchen über Geschwisterliebe und -kämpfe, über Mut und die Kraft des Zusammenseins. 

Die Zusammensetzung des Teams verspricht eine Produktion, die zur Poesie, zur Leichtigkeit und dem Humor des Autors Roel Adam die adäquate szenische Umsetzung findet.




Tanzverein Erdberg
Andrea Bold
Projekt: Gesäänge
Empfohlene Summe: 25.000.-

Die choreographischen Arbeiten der vielseitigen Künstlerin Andrea Bold gehören zu den humorvollsten in diesem Bereich. Mit großer Präzision werden die skurrilen Seiten von alltäglichem Verhalten erforscht und als Spiel mit Versatz und Zitaten, immer mit dem besonderen Gefühl für Timing, Phrasierung und Dynamik im Tun performed. Dieser akustische Eindruck ist für Andrea Bolds Arbeiten wesentlich und rückt in „Gesäänge“ ins Zentrum: was bisher Beiwerk war, bestimmt selbst, Physisches folgt. Ein Gesangsverein ergibt sich der Schwere und verliert auch seine Contenance in der Hingabe. Schnulzen, Hymnen, Jungschar, Heimat – alle große Themen in Liedverpackung werden gesanglich gebannt und ermöglichen so das Große im latent lächerlichen. Allen Sängen werden Handlungen unterlegt, die das Gesungene konterkarieren, brechen, verschieben. Die Auswahl umfasst Sänger, wie Nichtsänger, im Können wie in konzentrierter Dilettanz zeigt sich das Besondere. Das Ergebnis der Arbeit, die auf der Bühne weitergären kann, wird dies im brut tun




Thearte
Alexandra Hutter
Wiederaufnahme: König & König
Empfohlene Summe: 9.000.-

Die von uns 2007 empfohlene Produktion hat sich nach einem unerwarteten rechtspolitischen Aufreger zu einem Publikumshit entwickelt. Obwohl die Aufführung einen gewissen Retro-Charme versprüht, ist das Thema  um zwei Prinzen, die zueinander finden, in eine revuehafte Märchenhandlung eingebettet, die ohne Konfliktbetonung und ohne Erklärungsbedarf des Beitrages zu Toleranz auskommt. 

Aufwendige Kostüme und Bühnenbild und die oben erwähnte unkonventionelle Handlung (die Gastspiele der Produktion wahrscheinlich unmöglich macht) lassen  die Wiederaufnahme nur mit einer weiteren Förderung zu




Theater wozek
Anschlag  
                                                                                                                    
Empfohlene Summe            30.000,-

Karl Wozeks Stärke liegt im Entdecken sozialer Themen. Er vermischt sie entweder mit literarischen Stoffen  oder schreibt eigenen Stücke wie in diesem Fall. Wie schon bei einem seiner früheren Stücken   „Fatima - oder die Völkerwanderung“ handelt es sich um eine Dreier-Konstellation. Ein Arbeits- und Obdachloser, ein Ex-Künstlerin und Prostituierte und ein von einem Unfall Behinderter. Sie planen einen Anschlag. Er soll gelingen und der von ihnen benutzte Täter(Behinderter) stirbt dabei. Die Polizei tappt im Dunkeln. Die beiden Planer feien ihren ersten Sieg. Nicht ohne Klischees und auch mit vordergründig wirkenden Parolen vermittelt sich doch auch eine existentielle Unruhe in diesem Werk, die als eine Kritik an unserer Zeit zu verstehen ist. Karl Wozek ist ein umtriebiger Wiener Theatermacher, dessen Suchen nach Stoffen und sein Bemühen um Inhalt immer wiedereine Empfehlung verdient.




VEREIN SHOCK BODY
Anna MacRae
Projekt: Do want to subtitles my movement?
Empfohlene Summe: € 12.000.-

Das Experimentieren mit der Interpretation von gleichen Bewegungen oder gleichem Sound stellt für die gebürtige Neuseeländerin Anna Mc Rae einen zentralen Aspekt in ihrer eigenen künstlerischen Arbeit dar. Im Mittelpunkt des Recherchen- und Probenprozesses steht die Vermittlung von Ausgangsmaterial und die verschiedenen Möglichkeiten wie die generierten Informationen originär interpretiert werden können. Bereits in dem Duett Survival of a solo hat Anna Mc Rae (gemeinsam mit Min Kyoung Lee) mittels Tanz, Video und Musik die (Un)-Möglichkeit eines gemeinsamen Körpers  und dessen Vokabulars befragt. Mit dem nachfolgenden Stück vertieft sie ihr Interesse und untersucht Bewegungscodes, welche aus den unterschiedlichen Disziplinen (wie etwa Ballett, Kampfsportarten oder Volkstänzen) kommen und diese emotionalisieren, abstrahieren und ausdehnen. Die Tanzsequenzen werden mit Texten, Kostümen, Objekten und Tonspuren versetzt und schaffen neue Situationen, in denen sich die InterpretInnen zurechtfinden müssen. Mit Raul Maia und Kyoung Lee und dem Experimentalmusiker Wolfgang Fuchs wird die Frage „Was bleibt vom Original über“ beantwortet.




VIOLET LAKE
Mitchikazu Matsune und David Subal
Projekt: Around Life
Empfohlene Summe: € 20.000.-

Für ihre neue Arbeit nehmen sich David Subal und Mitchikazu Matsune ein zentrales Thema unserer Gesellschaft vor: den Tod und das Ereignis des sterbenden Körpers. Mit einer großen Menge von Beteiligten soll ein Umfeld kreiert werden, das sowohl Themen der Gemeinschaft als auch des Einzelnen umfasst. Ihre Recherche führt sie in unterschiedliche Institutionen wie Spitäler, Altersheime, Kasernen, Schulen und Kindergärten, in denen die beiden Künstler Ansichten rund um das Leben sowie zur Vorstellung des eigenen Todes befragen. Neben den Gesprächen werden aber auch körperliche Aufgaben gestellt, die während der Treffen performt werden. Matsune & Subal, welche in den vergangenen Jahren die Grenzen zwischen Installation, Film und Performance in zahlreichen Projekten (StoreOne Hour Standing forI am the 100%winner) auf erfrischende Weise neu ausgelotet haben,  begeben sich mit Around Life ins Private, befragen individuelle Lebensmodelle und stellen die Beziehungen von Körper und Zeit in unterschiedlichen Formaten (Porträts, Foto-Texten, privaten Life Shows) und Orten (Krankenhäuser, Privatwohnungen, Theater) vor.




WIENER TANZ- UND KUNSTBEWEGUNG
Anne Juren
Projekt: Piece sans parole
Empfohlene Summe: € 25.000.-


Eine Erzählung ohne Worte nennt die, seit Jahren in Wien angesiedelte, Französin Anne Juren  ihre nächste Choreografie. Dafür wird eine bereits existierende Handlungsanweisung, entweder aus einem Theaterstück oder aus einem Filmscript, sprachlich entkernt und als Arbeitsmaterial für die daraus entstehende Choreografie verwendet. Der Zuschauer wird darin mit Charakteren und einer Szene konfrontiert, welche ihre Wirkung nicht in der Psychologie des Moments suchen, sondern den Körper und dessen Zusammenspiel mit dem Raum in den Vordergrund rücken. Gestische Details transportieren komplexe Gemütszustände und differente Handlungen und erzeugen eine umfassendere Präsenz von Bewegung sowie eine neue Lesart des tänzerischen Geschehens. Mit dem Gruppenstück Komposition, den Duetten look look und J’aime sowie den Soli und Code Series hat die gerade 30-jährige Anne Juren ihr herausragendes Talent schon des Öfteren unter Beweis gestellt. Für piece sans parole holt sie sich die bekannte Amerikanerin DD Dorvillier als Bühnenpartnerin, dazu kommt eine atmosphärische Komposition, welche die Intensität des Tanzes unterstreicht sowie ein Chor, der nicht singt, sondern nur summt.




VIenna Magic
Oleg Soulimenko, Andre Andrianov
Projekt: Made in Russia
Empfohlene Summe: 15.000.-

Oleg Soulimenko und Andre Andrianov arbeiten regelmäßig zusammen und waren zuletzt im Mai 2007 in ihrer erfolgreichen Performance “The Distribution of Similarities…” im Tanzquartier zusehen. Dieses Stück handelte von den verschiedenen Lebensrealitäten der beiden russischen Künstler, von denen einer in Moskau, der andere in Wien lebt. 







„Made in Russia“ nimmt diesen Faden wieder auf, spinnt ihn aber eine andere Richtung weiter: Ausgehend von ihrer jeweils „gefakten“ Biographie, erschaffen die beiden Tänzer eine Erzählung über den Ursprung ihrer künstlerischen Arbeit und die Wurzeln ihres Bewegungsmaterials. Und stellen die Fragen: Gibt es russisches oder westliches Bewegungsmaterial? Wie verhält sich der abstrakte Begriff von Kultur vor der Matrix einer konkreten Biographie? In dieser fiktiven Biographie ist Oleg Soulimenko ein berühmter Ex-Solist des Bolshoi-Theaters und Andre Andrianov der uneheliche Sohn von Jean Luc Goddard, den seine Mutter als junge Studentin einmal in Paris traf. Oleg Soulimenko, der u.a mit den entscheidenden Proponenten der Postmoderne, Steve Paxton und Lisa Nelson, sowie mit internationalen renommierten ChoreographInnen zusammenarbeitete, sucht auch den Austausch mit KollegInnen der heimischen Szene. „Made in Russia“ wird dramaturgisch von Judith Helmer begleitet und künstlerisch beraten von Robert Steijn. Es ist eine Koproduktion mit brut , Artblau Tanzwerkstatt Braunschweig, Dance Agency Tsal Moskau und Szene Salzburg.


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